HSH Nordbank nimmt Basel II gelassen

Weltgrößter Schiffsfinanzierer hält Furcht vor Eigenkapitalregeln für übertrieben · FTD-Interview mit Vorstand Berger

Von Katrin Berkenkopf und Herbert Fromme, Hamburg HSH-Nordbank-Vizechef Hans Berger hält Befürchtungen in der Schifffahrtsbranche für unbegründet, wonach Finanzierungen für die kapitalintensiven Schiffe wegen der Basel-II-Regeln teurer werden. „Wir haben unser komplettes Portfolio durchgeratet. Soweit wir jetzt sehen, wird der Eigenkapitalbedarf geringer“, sagte Berger der FTD.

Für die weltgrößte Schiffsbank belegt das die gute Risikostruktur ihrer Kundschaft. Die HSH Nordbank ist aus der Fusion der Landesbanken in Hamburg und Kiel entstanden. Die Bank hat an Reeder 16,2 Mrd. Euro Schiffskredite vergeben, rund ein Drittel aller Schiffsfinanzierungen deutscher Banken. International liegt der Marktanteil der HSH Nordbank laut Vizechef Berger zwischen neun und zwölf Prozent.

Bisher müssen Banken für Kredite an Kunden generell Eigenkapital in Höhe von acht Prozent der Darlehenssumme vorweisen können. Nach den neuen Regeln (Basel II) richtet sich der Eigenkapitalbedarf der Banken nach dem Einzelrisiko.

Für die nächsten Jahre erwartet Berger aber auch negative Einflüsse auf die Kapitalsituation der HSH Nordbank: Das Rating werde sich ab 2005 leicht verschlechtern. Dann fällt für Landesbanken die staatliche Haftung weg, die bisher zu Top-Beurteilungen der Rating-Agenturen führt. Das verteuert die Refinanzierung.

Auf dem Weg zur modernen Großbank will Berger auch seine Strategie gegenüber seinen Reeder-Kunden verändern. Zusätzlich zu Schiffskrediten will er künftig andere Dienstleistungen verkaufen, etwa das Management von Währungsrisiken beim Bau und Betrieb von Schiffen.

Das machen kleinere Konkurrenten wie die Deutsche Bank und ihre Schiffsbanktochter SHL Schiffshypothekenbank zu Lübeck schon erfolgreich. Berger weiß, dass er nicht den selben Produktbaukasten zur Verfügung hat wie die Deutsche Bank. „Wir wollen uns auf ausgewählte Bereiche konzentrieren“, sagte er. „Wir sind kein Global Player und wollen es auch nicht werden.“

Im ersten Halbjahr 2003 vergab die HSH Nordbank über 4 Mrd. Euro an frischen Schiffskrediten, getrieben von einer riesigen Welle von Bestellungen für Containerfrachter und Tanker. Über die Hälfte der Neukredite ging an deutsche Reeder, sie sind in der Containerschifffahrt führend.

Seit Ende 2002 wurden weltweit über 60 Schiffe einer neuen Generation mit Platz für mehr als 8000 Standardcontainer geordert – bei zwei Dritteln von ihnen ist die HSH Nordbank an der Finanzierung beteiligt. Jedes Schiff kostet 70 bis 75 Mio. $.

Auch für den deutschen Markt geschlossener Schiffsfonds sieht Berger deshalb einen Boom. „2003 wird alle Rekorde brechen.“ Private Investoren würden weit über 1,6 Mrd. Euro in solche Fonds investieren. Im vergangenen Jahr waren es 1,4 Mrd. Euro.

Über diese KG-Fonds bringen Anleger das Eigenkapital für ein Schiff auf. Der Rest wird von Schiffsbanken finanziert. Die Fonds vermieten die Schiffe an Reeder. „Gerade bei den großen Reedereien gibt es zunehmenden Bedarf an solchen Modellen“, sagte Berger weiter.

Zitat:

„2003 wird alle Rekorde bei Schiffsfonds brechen“ – Hans Berger, Vizechef HSH Nordbank.

Quelle: Financial Times Deutschland


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