Münchener Rück kritisiert Rating-Agenturen

Designierter Chef rügt Mangel an individueller Risikobeurteilung Von Herbert Fromme, Monte Carlo

Die Modelle der Rating-Agenturen zur Berechnung der Kapitalstärke von Rückversicherern berücksichtigen die individuelle Risikosituation der Unternehmen nicht ausreichend. Das kritisierte Nikolaus von Bomhard, Vorstandsmitglied der Münchener Rück und künftiger Chef des Unternehmens, gestern beim Welt-Rückversicherer-Treffen in Monte Carlo. „Das können bald sogar die Modelle der staatlichen Versicherungsaufsicht besser“, sagte von Bomhard in einem Vortrag.

Auch die Aufseher würden sich mittlerweile auf Berechnungen konzentrieren, die die Finanzkraft im Licht der übernommenen Risiken sehen. „Die Rating-Agenturen müssen aufpassen, dass sie von den Aufsichtsbehörden nicht bald rechts überholt werden“, sagte er. Die internen Rechenmodelle der Münchener Rück seien ebenfalls risikoorientiert.

Die Münchener Rück liegt im Clinch mit der Rating-Agentur Standard & Poor’s (S&P). S&P hat die Bonität des Weltmarktführers kürzlich von „AA-“ auf „A+“ herabgestuft. Ratings sind für Rückversicherer ein wichtiges Qualitätsmerkmal für den Ausweis ihrer finanziellen Solidität.

Die Münchener Rück werde alles Nötige unternehmen, um wieder eine „AA“-Bewertung zu erzielen, betonten Unternehmensmanager in Monte Carlo. Dazu könnten auch Kapitalmaßnahmen oder Veränderungen bei den Beteiligungen gehören. Allerdings werde das Unternehmen sich nicht zu Maßnahmen drängen lassen. Auf die gegenwärtigen Vertragsverhandlungen habe das schlechtere Rating keinen Einfluss.

Quelle: Financial Times Deutschland


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