Private Krankenversicherer erhöhen Preise

Assekurata erwartet zweistellige Anhebungen im Neugeschäft

Von Herbert Fromme, Köln Die privaten Krankenversicherer bereiten zum Jahreswechsel im Durchschnitt Preiserhöhungen im zweistelligen Bereich für neue Kunden vor. „Das hat sich aus unseren Gesprächen mit zahlreichen Gesellschaften ergeben“, sagte Reiner Will, Geschäftsführer der Rating-Agentur Assekurata, bei einem Pressegespräch der Gothaer Kranken. Das Ausmaß der Erhöhungen für bestehende Kunden stehe bei den meisten Gesellschaften noch nicht fest.

Bei den privaten Krankenversicherern sind 7,9 Millionen Kunden gegen Krankheitskosten versichert. Rund die Hälfte davon sind Beamte, die vom Staat eine Beihilfe zu den Krankheitskosten erhalten und den Rest privat abdecken. Außerdem dürfen sich Angestellte mit einem Monatseinkommen von mehr als 3825 Euro sowie Selbstständige privat absichern und die gesetzlichen Kassen verlassen.

Will nannte eine Reihe von Gründen für die Preissteigerung. Der Einsatz neuer statistischer Tabellen zur durchschnittlichen Lebensdauer, die Sterbetafeln, mache viel aus. Dazu komme die Inflation im Gesundheitswesen sowie eine geringere Wechsellust der Kunden, wodurch so genannte Stornogewinne wegfallen.

Auch der Kapitalmarkt belastet die Branche. „Wir haben für die Jahre 2001 und 2002 Verluste aus Aktien von 7 Mrd. Euro für die Gesellschaften berechnet“, sagte Will der FTD. Rund 3 Mrd. Euro davon entfallen auf ein einzelnes Unternehmen. Will wollte den Namen nicht nennen. Offenbar handelt es sich um den Marktführer DKV, der zur Münchener Rück gehört.

Die 7 Mrd. Euro Aktienverluste sind zwar deutlich weniger als die 104 Mrd.Euro, die nach Angaben des Fachdienstes Map-Report die Lebensversicherer durch den Börsencrash verloren haben. Trotzdem haben auch viele private Krankenversicherer noch hohen Abschreibungsbedarf für Börsenverluste, die ihre Ergebnisse 2003 belasten. Nach Berechnungen der Assekurata haben 9 der 34 wichtigsten Gesellschaften netto keine stillen Reserven mehr, sondern nur noch stille Lasten. Herausragend ist die Inter Kranken, die stille Lasten von 26 Prozent der Kapitalanlagen abbauen muss.

Quelle: Financial Times Deutschland


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