Allianz hält an Dresdner Bank fest

Mutter will keine Rolle in der Bankenkonsolidierung übernehmen· Versicherer verdienen Konzerngewinn

Von Herbert Fromme, München Der Allianz-Konzern hält auch unter seinem neuen Vorstandschef Michael Diekmann an dem umstrittenen Allfinanzkonzept fest. „Natürlich haben wir noch eine beachtliche Strecke vor uns“, sagte Diekmann über die Dresdner Bank. Mit einem Verlust von 1,3 Mrd. Euro verzehrte der Bankenbereich – dessen größter Teil die Dresdner ist – erneut einen hohen Anteil der von den Versicherern des Konzerns erzielten Ergebnisverbesserung. Mit einem Gewinn nach Steuern von 1,6 Mrd. Euro für 2003 steht die Allianz zwar sehr viel besser da als 2002, als sie einen Verlust von 1,2 Mrd. Euro zeigte. Sie liegt aber weit hinter Rivalen wie der American International Group zurück.

Weder ein Verkauf der Bank noch ein Zusammenschluss mit einem anderen Institut stehen auf der Tagesordnung. „Ich kann mir eine Rolle in der Bankenkonsolidierung nicht vorstellen“, sagte Diekmann. Stattdessen will er den Marktanteil der Bank aus eigener Kraft von fünf auf zehn Prozent ausbauen. Große Hoffnungen setzt er dabei auf neue Konzepte, nach denen Allianz-Vertreter verstärkt Bankprodukte verkaufen sollen. Die Bank ist schon heute verantwortlich für 11,5 Prozent des Neugeschäfts in der Lebensversicherung.

Der Gewinn des Jahres 2003 stammt aus dem Verkauf von Beteiligungen wie Beiersdorf, die 2,8 Mrd. Euro einbrachte, sowie aus der Schaden- und Unfallversicherung, die 4,5 Mrd.Euro verdiente. Hier konnte die Allianz weltweit die Schaden- und Kostenquote von 105,7 auf 95,0 Prozent der Beiträge senken.

Bei den Problemfällen Fireman’s Fund in den USA und Allianz Global Risks (AGR), dem Industrieversicherer, seien Sanierungsprogramme erfolgreich abgeschlossen worden, sagte Diekmann. Bei der französischen Tochter AGF werde das Programm dieses Jahr vollendet. Diekmann schloss einen Verkauf von AGR und Fireman’s Fund aus, wollte aber zu einem möglichen Börsengang der US-Tochter nichts sagen. Das stärkt Spekulationen, dass die Allianz zur Schonung ihrer Eigenkapitalausstattung knapp 50 Prozent an die Börse bringen könnte.

Die Lebensversicherungssparte litt unter 652 Mio. Euro Sonderlasten aus Steueränderungen und Abschreibungen bei der koreanischen Tochter und machte einen Verlust von 48 Mio. Euro.

Die Profitabilität der gesamten Gruppe will Diekmann durch die Rolle der Holding als interner Kapitalmarkt verbessern. Töchter erhalten Mittel je nach den Gewinnaussichten. „Wir verlangen von den Gesellschaften erstmalig eine Mindestdividende in Höhe ihrer Kapitalkosten“, sagte er. Darüber hinausgehende Gewinne könnten sie bei nachgewiesenem Bedarf zur Finanzierung des internen Wachstums nutzen. Diekmann will damit die Rendite auf das gebundene Kapital auf 15 Prozent nach Steuern erhöhen, nannte aber keinen Zeitpunkt. Normalisiert lag sie 2003 bei 11,8 Prozent. Auch zum erwarteten Gewinn 2004 gab es keine Angaben vom Konzernchef. Die Börse reagierte enttäuscht mit einem Abschlag von 3,9 Prozent auf 89 Euro.

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Michael Diekmann – seit April 2003 Vorstandschef der Allianz – verfolgt weiter das Allfinanzkonzept von Vorgänger Schulte-Noelle – Reuters/Alexandra Winkler

Quelle: Financial Times Deutschland


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