Fondsanbieter drängen an die Börse

Der Anbieter geschlossener Fonds, Lloyd Fonds, prüft den Gang an die Börse. „Der Gedanke ist mir nicht fremd. Ich richte mich darauf ein, dass auch wir mittelfristig mehr Eigenkapital brauchen“, so Vorstandschef und Mitinhaber Torsten Teichert. Allerdings gebe es noch keinen Zeitplan für einen solchen Schritt. Alternativ biete sich der Einstieg von Private-Equity-Investoren an.
Für Anbieter geschlossener Fonds wird ein Börsengang zunehmend attraktiv. „Eigenkapital wird in den nächsten Jahren zum kostbaren Gut für Emissionshäuser, weil die Aufgaben einen höheren Kapitaleinsatz erfordern“, sagte Teichert. „Wer 1 Mrd.Europlatzieren will, muss für 3 bis 4 Mrd. Euro Projekte einkaufen. Einige Millionen Eigenkapital reichen da nicht aus.“ Die Fondshäuser sammeln Kapital für Schiffe, Immobilien oder Zweitverwertung von Lebensversicherungen bei Privatanlegern. Ihre eigene Kapitalausstattung ist meist mager.
Die Milliarden-Schwelle im Platzierungsvolumen erreichte 2004 zum ersten Mal das Emissionshaus MPC Capital mit 1,1 Mrd. Euro. Die Hamburger sind bislang das einzige börsennotierte Fondshaus. Andere stehen in den Startlöchern. HCI will innerhalb der nächsten zehn Monate, möglicherweise sogar schon im Herbst, an die Börse. Ziel ist wie bei MPC Capital eine Notierung im MDax. Das Papier sei sowohl für private wie für institutionelle Investoren interessant, meint Vorstandschef Harald Christ. 2004 verkaufte sein Unternehmen für 635 Mio. Euro Fondsanteile.
Mit dem erwarteten Erlös, zu dem Christ sich noch nicht äußern will, soll die weitere Expansion auch ins Ausland finanziert werden. Akquisitionen sind ebenfalls möglich. Nach Informationen aus Finanzkreisen sollen deutlich über 50 Prozent der HCI-Anteile über die Börse verkauft werden. Erwartet wird ein Aufschlag auf den Kurs der MPC-Aktie. HCI, das seine Erträge bislang zu 80 Prozent aus Schiffsfonds generiert, will vor allem bei Immobilienfonds zulegen, um die Abhängigkeit von der Schifffahrt zu reduzieren. Im Vergleich zu anderen Branchen seien die Fondshäuser wegen ihrer Transparenz bei Leistungsbilanzen und Veröffentlichungen im Vorteil, meinte Teichert, dessen Firma vergangenes Jahr 191 Mio. Euro einwarb.
„Ein Emissionshaus muss heute schon sehr transparent und investorenfreundlich sein“, sagte er. „Ich glaube nicht, dass viele börsennotierte Unternehmen noch transparenter sind als wir.“ Dies biete sich vor allem für Firmen an, die nicht Ableger von Banken oder Reedereien und damit unabhängig sind. Zwar sind auch unter derzeitigen Gesellschaftern von Lloyd Fonds Reedereien und Schiffsmakler. Die Form der AG, in der das Unternehmen seit 2001 organisiert ist, gewähre aber größtmögliche Handlungsfreiheit für das Management, so Teichert.
Seine Firma habe sich genügend Projekte gesichert, um in den nächsten beiden Jahren jeweils bis zu 250 Mio. Euro Eigenkapital zu platzieren.

Quelle: Financial Times Deutschland


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