Versicherer Talanx kauft Gerling

In der Industrieversicherung entsteht ein neuer Gigant

Von Herbert Fromme, Köln Die Hannoveraner Versicherungsgruppe Talanx/HDI übernimmt den Kölner Konkurrenten Gerling. Das teilten die beiden Gesellschaften gestern mit. Damit sticht Talanx den US-Investmentfonds Cerberus aus, der auch Interesse hatte. Der Gerling-Konzern gehört zu 94 Prozent Rolf Gerling, dem Enkel des Firmengründers. Aufsichtsratschef Joachim Theye hält sechs Prozent.

Mit der Fusion entsteht eine Versicherungsgruppe mit Prämieneinnahmen von über 18 Mrd. Euro – inklusive der Talanx-Tochter Hannover Rück mit rund 10 Mrd. Euro. Im hart umkämpften Markt für Industrieversicherungen, die Unternehmen gegen Schäden an Gebäuden und Anlagen sowie gegenüber Dritten absichern, tun sich die Nummer zwei und drei zusammen. Dem Marktführer Allianz erwächst so ein Konkurrent, der mit fast 3 Mrd. Euro Umsatz in diesem Geschäft auch größenmäßig mithalten kann.

Die beiden Unternehmen wollten keine Angaben zum Preis machen. Insider schätzen, dass Talanx um die 1,3 Mrd. Euro zahlen dürfte. „Talanx hat aus zwei Gründen den Zuschlag erhalten“, hieß es in unternehmensnahen Kreisen. „Einmal wegen des Stils der Verhandlungsführung durch Cerberus und zweitens wegen des Preises.“ Talanx habe deutlich mehr geboten als Cerberus.

Seit 2002 suchen die Eigner einen Käufer für Gerling. Eine zu starke Expansion der Rückversicherungstochter und mehrere Großschäden hatten den Konzern an den Rand des Zusammenbruchs geführt. Zuletzt konnte das Management die Situation zwar stabilisieren. Die Eigner verkaufen aber trotzdem, weil sie das Geld für weiteres Wachstum nicht aufbringen können.

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Leitartikel 27

Quelle: Financial Times Deutschland


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