Lebensversicherer schwächeln im Neugeschäft

Die Lebensversicherer werden 2013 kaum die Absatzzahlen des Vorjahres erreichen, glaubt der Dortmunder Volkswohl Bund. Selbst für das eigene Unternehmen, das sich bislang besser als die Branche schlägt, erwartet Vorstandschef Joachim Maas einen Neugeschäftsrückgang.

Der Dortmunder Maklerversicherer Volkswohl Bund rechnet für 2013 mit einer deutlichen Abschwächung des Neugeschäfts. „Es gibt keinen Jahresschlussboom wie 2012“, sagte der Vorstandsvorsitzende Joachim Maas. Ende 2012 verkaufte die Branche viele Verträge mit dem Argument, die Ende des Jahres eingeführten Unisextarife würden die Prämien für Männer verteuern. „Deshalb wird 2013 das Neugeschäft branchenweit zurückgehen, bei uns um fünf bis zehn Prozent.“ Bei den Beitragseinnahmen erwarte der Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit aber wegen der starken Neugeschäftszahlen der Vorjahre ein Plus von vier Prozent. „Der Markt geht eher von Stagnation aus.“

Dabei sei marktweit eine starke Zurückhaltung der Kunden zu beobachten. „Das trifft auf uns eher nicht zu.“ Maas glaubt, dass dies an der starken Rolle von betrieblicher Altersversorgung und Berufsunfähigkeitspolicen im Absatzmix des Unternehmens liegt.

Der Versicherer hat mit Beitragseinnahmen von 1,3 Mrd. Euro einen Marktanteil von 1,6 Prozent und ist damit die Nummer 19 im Markt. „Beim Neugeschäft über Makler sind wir aber auf Platz fünf“, sagte Vertriebschef Dietmar Bläsing. „Vor uns liegen Allianz, Generali, Nürnberger und Alte Leipziger.“ Der Volkswohl Bund hat nur noch einen sehr kleinen Außendienst und verkauft hauptsächlich über Makler.

Die niedrigen Zinsen könne das Unternehmen lange aushalten, sagte Vorstandschef Maas. Nach Angaben von Kapitalanlagevorstand Martin Rohm erzielt die Gruppe mit neuen Anlagen 3,5 Prozent Rendite und damit deutlich mehr als viele Wettbewerber. Auf die gesamten Kapitalanlage von acht Mrd. Euro meldete Rohm für 2012 eine Nettoverzinsung von 4,9 Prozent, deutlich mehr als die 3,8 Prozent des Vorjahres. Hauptgrund waren Sonderfaktoren: 2011 musste die Volksfürsorge krisenbedingt 27 Mio. Euro abschreiben, 2012 dagegen 43 Mio. Euro zuschreiben. „Die laufende Durchschnittsverzinsung ging von 4,3 Prozent auf 3,1 Prozent zurück.“

Ab 2014 will der Versicherer Policen mit gespaltenen Garantien auf den Markt bringen, wie sie von Allianz und Ergo bereits angekündigt wurden. Dabei erhält der Kunde bei Abschluss eine zeitlich begrenzte Garantie, meistens bis zum Eintritt in die Rentenphase. Dann gilt eine neue Garantie, die vom dann gültigen Zinsniveau abhängt. „Wir werden aber auch die klassischen Policen weiter anbieten“, sagte Vorstandschef Maas.

Er bedauerte, dass der Bundesrat die Gesetzesänderung zur Beteiligung der Kunden an den Bewertungsreserven zu Fall gebracht hat. „Leider ist die Sache nicht geändert worden, sodass wir auch jetzt Geld auskehren müssen zu Lasten der Versicherungsgemeinschaft.“ Die Behauptung, dass die Lebensversicherer den Kunden Geld vorenthalten wollten, sei unwahr. „Die Frage ist, wem das Geld zugutekommt“, sagte er. „Es wäre besser, wenn das den 95 Prozent, die im Kollektiv bleiben, zugutekommt, und nicht denen, die jetzt zufällig ausscheiden.“ Maas gestand ein, dass es der Assekuranz auch darum gehe, die eigene Risikotragfähigkeit zu stärken. „Das ist schließlich Teil des Geschäftsmodells.“ In der deutschen Lebensversicherung stellen die Kunden über die hohen Reservetöpfe mehr als die Hälfte der erforderlichen Eigenmittel, die Eigner der Unternehmen meistens weniger. „Bei uns ist das aber dasselbe, wir sind ein Verein, und alle Kunden sind auch Eigner“, sagte Maas.

Quelle: Capital.de


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