Munich Re greift bei Krankenversicherung durch

Der Rückversicherer kann insgesamt auf eine stabile Geschäftsentwicklung für 2012 zurückblicken. Sorgen bereiten ihm jedoch die US-Krankenversicherungstochter sowie das dauerhaft niedrige Zinsumfeld. Beide Probleme geht die Gruppe an – mit einer Kündigung und mit einem Neuanfang.

Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re musste im vergangenen Jahr herbe Verluste in seinem Krankenversicherungsgeschäft Munich Health hinnehmen und zieht Konsequenzen. Der Aufsichtsrat hat gestern beschlossen, dass Munich Health-Vorstand Wolfgang Strassl zum Jahresende gehen muss. Dann läuft sein Vertrag aus.

Das Segment war lange Zeit Hoffungsträger der Münchener, allerdings haben sich die hohen Erwartungen nie erfüllt. Deswegen erklärt Munich Re-Chef Nikolaus von Bomhard den Gesundheitsbereich künftig zur Chefsache: Ab 1. Oktober 2013 will er mit in die Führung der Geschäfte einsteigen, ab Anfang 2014 wird er das Segment allein verantworten. Strassls zweiter Aufgabenbereich Human Ressources fällt ab Oktober Joachim Wenning zu, zusätzlich zu seiner Verantwortung für das Lebens-Rückversicherungsgeschäft.

Schuld an den schlechten Ergebnissen von Munich Health sind Verluste im US-Erstversicherungsgeschäft. Sie beliefen sich auf 92 Mio. Euro, nach immerhin noch 36 Mio. Euro Gewinn 2011. „Vor allem in den USA verlief das Geschäft sehr enttäuschend“, sagte Finanzvorstand Jörg Schneider. „Es ist uns nicht gelungen, in diesem Bereich erfolgreich zu sein.“ Schneider schließt weitere Verluste für 2013 in dem Segment nicht aus. Aufgrund der schlechten Ergebnisse der Tochter Windsor Health Group musste Munich Re im vergangenen Jahr 166 Mio. Euro abschreiben.

Insgesamt konnte der Konzern jedoch ein stabiles Jahresergebnis präsentieren. Nach dem Gewinn von 3,2 Mrd. Euro für 2012 strebt Chef von Bomhard für 2013 einen Gewinn von 3 Mrd. Euro an. „Auch wenn die Konsolidierung der Staatsfinanzen und hohe Arbeitslosigkeit die konjunkturelle Dynamik in vielen Industrieländern schwächen werden, bleiben wir für unser Geschäft optimistisch“, sagte er.

Die gebuchten Bruttobeiträge stiegen um 5,1 Prozent auf 52 Mrd. Euro. Im Rückversicherungsgeschäft verzeichnete Munich Re mit 28,2 Mrd. Euro einen Anstieg um 8,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Für die anstehenden Erneuerungsrunden im April und Juli erwartet Vorstand Torsten Jeworrek, dass sich die Preise in den meisten Sparten seitwärts bewegen.  In der Haftpflichtversicherung geht er jedoch von weiter steigenden Prämien aus.

2012 hielt der Rückversicherer Kapitalanlagen in Höhe von 225 Mrd. Euro, den Großteil in Höhe von 194 Mrd. Euro machten dabei festverzinsliche Wertpapiere aus. Vor allem Staatsanleihen mit hoher Bonität spielten dabei eine Rolle, sagte Schneider. Verstärktes Gewicht will Munich Re weiterhin auf Investments in erneuerbare Energien und Technologien legen. 2012 wurde das Portfolio der Gruppe bereits auf rund 1 Mrd. Euro erhöht, mittelfristig sind 2,5 Mrd. Euro geplant. „Wir setzen weiterhin auf Diversifikation, um Risiken im Portfolio zu streuen“, sagte er. „Einen zusätzlichen Schwerpunkt wollen wir künftig auf Infrastrukturprojekte legen.“

Eine der größten Herausforderungen für das Unternehmen sei das dauerhaft niedrige Zinsumfeld, vor allem für die Lebensversicherung, sagte von Bomhard. Die Erstversicherungstochter Ergo reagiert und will ähnlich wie Marktführer Allianz mit einem neuen Produkt auf den Markt kommen, bei dem die Zinsgarantie nicht mehr für die gesamte Laufzeit des Vertrages gilt. „Es soll eine Kombination aus klassischer und fondsgebundener Lebensversicherung sein, die eine Garantie für die Bruttobeiträge beinhaltet“, sagte Ergo-Chef Torsten Oletzky. Genauere Details will er in den kommenden Wochen liefern. Er  kündigte jedoch an, zum 1. Juli mit den neuen Verträgen auf den Markt zu wollen.

Quelle: Capital.de


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