Ganz dunkle Wolken

Herbert Fromme In acht Tagen kommen die Rückversicherer zu ihrem jährlichen Welttreffen nach Monte Carlo. Ein Jahr nach Hurrikan „Katrina“ und den anderen Wirbelstürmen fühlt sich die Branche stark. Erst- und Rückversicherer haben allein für Schäden in den USA 57 Mrd. $ gezahlt – ohne größere Insolvenzen – und bei immer noch ordentlichen Gewinnen für viele Gesellschaften.

Die ersten Hurrikans der diesjährigen Saison durchziehen bereits die Karibik. Ein weiteres Jahr mit der Schadenhöhe von 2005 wird nicht einfach werden für die Rückversicherer. Aber sie sollten auf ganz andere, sehr düstere Wolken achten, die sich seit einiger Zeit über ihnen zusammenziehen.

Ihr Geschäftsmodell ist von drei Seiten ernsthaft bedroht, vor allem bei den traditionellen europäischen Rückversicherern wie Münchener Rück oder Swiss Re. Erstens gelingt es dem Kapitalmarkt immer besser, große Risiken zu verbriefen. Es spricht Bände, wenn die Rückversicherer selbst zur eigenen Risikoabsicherung Katastrophenanleihen auflegen, weil die traditionellen Wege der Rückdeckung bei spezialisierten Anbietern nicht mehr funktionieren. Die Konkurrenz des Kapitalmarkts wird die Branche kräftig beuteln. Zweitens gehen die Preise in wichtigen Sparten drastisch zurück. 2005 haben sich einige Unternehmen von der Preissenkungspolitik ihrer Kunden abgekoppelt. Langfristig aber heißt das: Die Rückversicherer übernehmen nicht mehr einen proportionalen Teil aller Prämien und Risiken, sondern nur noch die Spitzenrisiken. Das nützt vordergründig dem Ergebnis, mittel- und langfristig führt es zu einem drastischen Rückgang der Einnahmen. Damit fehlt das Volumen, auf das die vergleichsweise hohen Kosten verteilt werden können. Drittens: Wenn Rückversicherer von der traditionellen Schicksalsgemeinschaft mit dem Kunden abgehen, zerstört das Loyalitäten. In diesem Markt können die beweglichen und sehr opportunistischen Versicherer vom Schlage der Bermuda-Gesellschaften oder der Hannover Rück besser agieren.

Herbert Fromme ist Versicherungskorrespondent der FTD.

Fromme.herbert@ftd.de

Quelle: Financial Times Deutschland

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