Versichererfusion hängt an Landesbanken

Assekuranzunternehmen in München und Stuttgart verknüpfen Zukunft mitZusammenschluss von BayernLB und LBBW

VON Herbert Fromme, Düsseldorf Sollte die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) die BayernLB übernehmen, ist auch eine Fusion der zum Sparkassenlager gehörenden öffentlichen Versicherer in München und Stuttgart bald möglich. „Wenn es auf der Landesbankenseite zu einem Konzentrationsprozess kommt, dann kann damit gerechnet werden, dass aufseiten der öffentlich-rechtlichen Versicherer Standortentscheidungen damit verknüpft werden“, sagte gestern Friedrich Schubring-Giese. Er ist der Chef des Verbands öffentlicher Versicherer sowie der Versicherungskammer Bayern.

Zwar gebe es keine direkten Auswirkungen der Landesbanken-Situation auf die Versicherer, doch seien beide Teil des öffentlich-rechtlichen Lagers, sagte Schubring-Giese weiter. Die Landesbanken-Fusionen seien hochpolitische Themen. „Politiker denken immer in Standorten“, sagte er. Auf die Nachfrage, ob dies heißen könne, dass eine Fusion der süddeutschen Landesbanken mit Sitz in Stuttgart zu einer Versichererfusion mit Sitz in München führen könnte, widersprach Schubring-Giese nicht.

Allerdings ist an der SV Sparkassenversicherung Stuttgart nicht nur die Versicherungskammer Bayern interessiert. Auch die Provinzial Nordwest in Münster hat Fusionswillen bekundet. Dort sind aber die Kommunen, die 40 Prozent halten, gegen diesen Schritt.

Die öffentlichen Versicherer arbeiten strikt regional. Trotz zahlreicher Fusionen zwischen einzelnen Gesellschaften gibt es immer noch zwölf Gruppen. Allerdings halten die fünf größten in München, Stuttgart, Münster, Düsseldorf und Hannover einen Anteil von 93 Prozent.

Zusammen erzielten die zwölf öffentlichen Versicherer im vergangenen Jahr Prämieneinnahmen von 16,42 Mrd. Euro, ein Minus von 0,6 Prozent. Der Marktanteil sank leicht von 10,5 Prozent auf 10,3 Prozent, während der Marktführer Allianz von 15,5 Prozent auf 15,7 Prozent zulegte.

Vor allem in der Lebensversicherung entwickelten sich die Prämieneinnahmen schwächer und gingen um 2,5 Prozent auf 7,69 Mrd. Euro zurück. Hier fiel der Marktanteil von 10,1 Prozent auf 9,7 Prozent. Schubring-Giese machte dafür Sonderfaktoren verantwortlich, vor allem viele Abschlüsse in früheren Jahren nach dem Steuersparmodell „fünf plus sieben“, die jetzt in die Phase ohne Beitragszahlung kommen. Es gebe keine Probleme in der Kooperation mit den Sparkassen – „das Potenzial ist natürlich noch nicht ausgeschöpft“, sagte Schubring-Giese weiter.

Der Sturm „Kyrill“ kostete die Versicherer rund 700 Mio. Euro und ist wesentlich verantwortlich für den Rückgang des Gewinns vor Steuern von 1,09 Mrd. Euro auf 797 Mio. Euro.

Wie Schubring-Giese weiter mitteilte, gründen die öffentlichen Versicherer zusammen mit der Deka-Bank, dem zentralen Vermögensverwalter der Sparkassen, eine neue Lebensversicherungstochter in Luxemburg. Sie soll spezielle fondsgebundene Policen für wohlhabende Sparkassenkunden bereitstellen. „Dabei können die Kunden in Luxemburg ihre Fonds individueller als nach deutschem Recht zusammenstellen“, sagte Michael Scharr, Vorstandsmitglied der SV Sparkassenversicherung in Stuttgart sowie zugleich auch Vorsitzender des Lebens-Ausschusses des Verbands.

Zitat:

“ „Politiker denken immer in Standorten““ – Verbandschef Friedrich Schubring-Giese –

Quelle: Financial Times Deutschland

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