Wüstenstrom-Initiative braucht Zeit

Industrie gründet Planungsgesellschaft mit Minibudget · Konzept fürSolarkraftwerke binnen drei Jahren

Von Gerhard Hegmann

und Herbert Fromme, München

Die Wüstenstrom-Initiative Desertec mit einem geschätzten Investitionsvolumen von 400 Mrd. Euro startet langsam und mit einem Minibudget. Gestern unterzeichneten zwölf überwiegend deutsche Konzerne eine Absichtserklärung zur Gründung einer Planungsgesellschaft. Die Desertec Industrial Initiative GmbH (DII) soll spätestens Ende Oktober starten und binnen drei Jahren erkunden, unter welchen Bedingungen Strom aus Sonnenlicht in Nordafrika und dem Nahen Osten gewonnen werden kann.

„Unser Ziel ist, dass dann ein Geschäftsplan zur praktischen Umsetzung vorliegt“, sagte Torsten Jeworrek, Vorstand des Münchener Rückversicherung gestern. Es bestehe die Absicht, bis 2050 etwa 15 Prozent des europäischen Strombedarfs aus Hunderten neuer solarthermischer Kraftwerke zu decken. 85 Prozent der Energie sollen die Staaten Nordafrikas und des Nahen Ostens selbst verwenden. In solarthermischen Kraftwerken bündeln große Spiegel das Sonnenlicht, das eine Flüssigkeit erhitzt. Sie verdampft und treibt Turbinen zur Stromerzeugung an.

Die Industrieplanungsgesellschaft ist der erste konkrete Schritt zur Umsetzung dieser seit Jahren verfolgten Vision. 2003 war die Initiative Trec von der Forschervereinigung Club of Rome, einem Hamburger Klimaschutzfonds und dem jordanischen Energieforschungszentrum gegründet worden, die das Desertec-Konzept entwickelte. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) untersuchte die Machbarkeit. Dem nun aktiv gewordenen Industriebündnis gehören die Firmen ABB, Abengoa Solar, Cevital, Deutsche Bank, EON, HSH Nordbank, MAN Solar Millennium, Münchener Rück, M+W Zander, RWE, Schott Solar sowie Siemens an. Auch die Desertec Foundation soll zu den Gesellschaftern gehören.

Die zwölf Firmen teilen die Kosten für die Industrie-GmbH, die in der Planungsphase auf jährlich 1,8 Mio. Euro veranschlagt werden. Rechnerisch sind das 150 000 Europro Firma.

Details zur Planungsgesellschaft sind noch offen. Vermutlich werde sie nur eine Handvoll Mitarbeiter haben. Geschäftsführer und Firmensitz stünden nicht fest, hieß es am Rand der Gründungsveranstaltung. Jeder Gesellschafter habe eine Stimme. Beschlüsse würden mehrheitlich getroffen.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Desertec Foundation, Gerhard Knies, begrüßte das Engagement der Industrie. Durch das Projekt könnten zwei Millionen neue Arbeitsplätze entstehen. „Es ist eine große ethische Aufgabe und zugleich das große Geschäft der Zukunft“, sagte er.

Die Planungsgesellschaft könnte allerdings auch Probleme bei dem Projekt offenbaren. So soll noch einmal geprüft werden, ob frühere Berechnungen mit einem Preis von fünf bis sechs Cent pro Kilowattstunde realistisch sind. Zurzeit kostet eine Kilowattstunde Strom aus einem solarthermischen Kraftwerk 15 bis 20 Cent.

Schwierigkeiten erwarten die Beteiligten weniger bei der Technik. Münchener-Rück-Vorstand Jeworrek deutete an, dass er die größte Hürde bei politischen und regulatorischen Fragen sieht, etwa der Stromdurchleitung. „Die vor uns liegenden Aufgaben sind gewaltig“, sagte Jeworrek.

Die Münchener Rück will dabei selbst in die Desertec-Projekte investieren, aber auch als Versicherer agieren. „Das ist aber nicht der Hauptgrund für unsere Initiative, wir sehen uns eher als Geburtshelfer“, sagte Konzernchef Nikolaus von Bomhard der FTD. Die Investitionssumme soll überschaubar sein. Das Unternehmen müsse darauf achten, dass sich Kapitalanlage- und Versicherungsrisiken nicht addierten, sagte von Bomhard.

Gastkommentar 24

www.ftd.de/desertec

Wüstenstrom für Europa

Quelle: Financial Times Deutschland

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