Unisex wirbelt Branche durcheinander

Krankenversicherer müssen Angebote überarbeiten

 

Die Einführung der geschlechtsneutralen Unisextarife wird die Produktwelt in der privaten Krankenversicherung (PKV) aus Sicht von Branchenvertretern verändern und die Marktverhältnisse zwischen den Versicherern verschieben. „In der PKV wird es Gewinner und Verlierer geben“, sagte Continentale-Vorstand Christoph Helmich am Dienstag auf dem PKV-Forum des Versicherers.

Die Umstellung auf die Unisexkalkulation zwingt die Unternehmen, ihre Portfolios zu überarbeiten. Das würden manche nutzen, um die Versicherungsbedingungen zu modernisieren, neue Tarife zu entwickeln oder alte für das Neugeschäft zu schließen, erwartet Helmich. Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs müssen Versicherer ab dem 21. Dezember dieses Jahres bei Neuverträgen von Frauen und Männern einheitliche Prämien verlangen.

Klar sei, dass die neuen Unisextarife im Schnitt teurer werden, sagte Helmich. „Die Beiträge werden sich in Richtung des teuren Geschlechts einpendeln.“ Das liegt daran, dass die Unternehmen vorab nicht wissen, wie viele Männer und Frauen sich für einen bestimmten Tarif entscheiden, also wie hoch der Anteil des Geschlechts ist, das nach der bisherigen Risikobewertung günstigere Prämien hatte. Helmich forderte die Branche auf, bei der Kalkulation vorsichtig zu sein und sich nicht durch zu niedrig angesetzte Beiträge kurzfristige Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.

Der Vorsitzende des Bundes der Versicherten, Axel Kleinlein, warnte die Versicherer davor, Unisex als Verkaufsargument zu nutzen und Kunden schnell noch zum Abschluss einer PKV-Police zu den alten Bedingungen zu bewegen. „Ich habe den Eindruck, dass der Sachverhalt stark aufgebauscht wird, um das Geschäft zu pushen“, sagte Kleinlein.

Quelle: Financial Times Deutschland

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