Langsame Versicherer nutzen den Maklern

Makler profitieren von einer zögerlichen Schadenbearbeitung der Versicherer. Denn ihre Rolle wird damit noch wichtiger für den Kunden, meint Peter Wesselhoeft von Gossler, Gobert & Wolters. Gerade kleinere und mittelgroße Unternehmen brauchen die Unterstützung durch Makler.

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Risikomanager, Makler und Versicherer diskutieren beim DVS-Symposion über die Schadenbearbeitung und die Kapazitäten

© DVS/Stefanie Graul

Makler profitieren von der restriktiveren Schadenregulierungspolitik der Versicherer, glaubt Peter Wesselhoeft, geschäftsführender Gesellschafter beim Makler Gossler, Gobert & Wolters und Vorsitzender des Verbands Deutscher Versicherungsmakler. „Die Versicherungswirtschaft sorgt mit interessegeleiteter Schadenregulierung dafür, dass die Position des Maklers noch unverzichtbarer wird als vorher schon“, sagte er in einer Podiumsdiskussion beim diesjährigen DVS-Symposium.

Vor allem kleinere und mittelgroße Unternehmen bräuchten den vollen Service von Maklern. „Global tätige Konzerne und Unternehmen mit professionellen Inhouse-Brokern haben andere Anforderungen an die Makler als Mittelständler, die diese internen Funktionen nicht haben“, sagte Wesselhoeft.

Bei der Schadenbearbeitung sind seine Erfahrungen gemischt, so der Broker: „Wir haben Schäden, die sind absolut à la bonne heure gelaufen“, sagte er. „Andererseits haben wir – insbesondere, wenn es sich um Großschäden für Mittelständler handelt – Fälle wo die Schadenbearbeitung absolut schleppend verläuft.“ Immer neue Einwände und Gutachter bringen Unternehmen in eine Situation, in der sie geneigt sind, Vergleichsvorschlägen des Versicherers zu folgen, so der Makler. „Wir haben erlebt, dass das bis zu anderthalb Jahre dauern kann.“

„Wir zahlen alles, und wir zahlen großzügig“

Stefan Sigulla, HDI-Gerling Industrie

Für die Makler bedeutet das neue Anforderungen. „Die Makler sind auch gefordert, sie müssen aufrüsten, um bei solchen komplexen Fällen argumentativ gegenhalten können“, sagte Wesselhoeft.

Am Vortag hatte DVS-Präsident Hans-Jürgen Allerdissen bereits Verschlechterungen bei der Schadenbearbeitung, vor allem für kleine und mittelgroße Unternehmen, beklagt. Hans Jörg Schill, Versicherungschef bei Fraport lobte die Assekuranz dagegen: „Wir haben keine Probleme“, sagte er, schränkte aber ein: „Das liegt vielleicht auch an der Größe.“

Stefan Sigulla, Vorstand der HDI-Gerling Industrieversicherung, wehrte sich. „Natürlich wird es bei komplexen Sachverhalten immer Punkte geben, die man hinterfragt“, sagte er. Aber: „Wir zahlen alles, und wir zahlen großzügig.“

Er plädierte dafür, dass die Assekuranz ihre Rolle als Geber von Kapitalersatz mehr in den Vordergrund stellt. „Versicherung ist eine sehr effiziente und kluge Möglichkeit, Risikokapital zu ersetzen“, so Sigulla.

Trotz gegensätzlicher Auffassungen zu Themen wie Kapazität und Schadenbearbeitung: In der Kernfrage war sich das Panel einig: Das „Dreieck“ aus Versicherern, Maklern und Risikomanagern wird erhalten bleiben. Und die Bedeutung der Versicherer für die Industrie wird eher zu- als abnehmen. Allerdings: Über die Art, wie die Risiken platziert werden, gibt es verschiedene Auffassungen. Heinz Weber von der Österreichischen Bundesbahn erläuterte, warum die ÖBB vor drei Jahren den eigenen Makler geschlossen hat und die entsprechende Abteilung seither auf Gebührenbasis Versicherungen für die Konzernteile einkauft. „Vorher hatten wir endlose Diskussionen über die Provisionen“, sagte er.

Patrick Hagen


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