Munich Re gibt sich gelassen

Mit Milliarden drängen Pensionsfonds und andere institutionelle Anleger in den Rückversicherungsmarkt. Doch Weltmarktführer Munich Re gibt sich gelassen. Man sei nur in einem kleinen Geschäftsfeld von der neuen Konkurrenz betroffen. Jeworrek nannte auch die neuesten Zahlen zum Hagelschlag – 2013 ist teurer der Münchener Schaden von 1984.

TorstenJeworrek_FotoJürgenKader

Munich Re-Vorstand Torsten Jeworrek sendet beruhigende Signale: der Kapitalzustrom ist kein Problem

© Jürgen Kader

Der Rückversicherer Munich Re sieht keine Bedrohung für sein Geschäftsmodell durch das rasch wachsende alternative Risikokapital in seiner Branche. Es betreffe nur einen kleinen Teil des Geschäfts, sagte Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek am Sonntag beim Rückversicherungstreffen in Monte Carlo.

„Wir hatten 2012 brutto Prämieneinnahmen von 15,5 Mrd. Euro in der Schaden- und Unfallrückversicherung”, sagte Jeworrek. „Davon sind nur 1,5 Mrd. Euro betroffen von der Konkurrenz durch alternative Risikotransfers.” Es gebe natürlich Druck auf die Preise bei Katastrophendeckungen. Aber der Preistrend insgesamt „sieht gut aus”.

Damit versucht Jeworrek, Anleger, Mitarbeiter und Kunden des Rückversicherers zu beruhigen. Berichte über die neue Konkurrenz führen bei diesen Gruppen immer zu Fragen, wie denn das Unternehmen mit der Bedrohung fertig wird.

Aber einfach wegwischen kann Munich Re den neuen Markttrend auch nicht. Das Unternehmen habe sich mit den möglichen Folgen befasst, es gebe aber keine ernsthafte Bedrohung. „Natürlich gefällt es uns nicht, wenn sie Preise untergraben.” Aber damit könne Munich Re umgehen. „Positiv ist, dass wir neue Möglichkeiten für unsere eigenen Retrodeckungen haben.” Das sind Rückversicherungen, die Rückversicherer selbst einkaufen.

In den vergangenen Monaten seien 10 Mrd. Dollar an frischem Geld von institutionellen Anlegern in den Markt gekommen, jetzt stehe die Summe bei 44 Mrd. Dollar. Für 2016 erwartet Jeworrek 75 Mrd. Dollar, also 29 Mrd. Dollar frisches Geld – während die Makler von 100 Mrd. Dollar zusätzlichen Mitteln sprechen, die in die Rückversicherung schwappen.

Auch Jeworrek ist klar, dass zusätzliche Kapazität in dem Ausmaß die Regeln in der Rückversicherung ändert. Zum Beispiel könnten Rivalen, die bislang fast nur Katastrophenrisiken zeichnen, sich nach neuen Geschäftsfeldern umsehen und damit der Munich Re in die Quere kommen. „Das kann passieren”, sagte Jeworrek. „Aber es ist nicht so einfach für eine solche Gesellschaft, zu diversifizieren.”

Zurzeit lägen die Preise von Cat Bond-Absicherungen gelegentlich unter denen traditioneller Rückversicherung. Das sei nicht gerechtfertigt, sagte er. „Sie verlangen eine Risikomarge von fünf bis sechs Prozent, aber sie haben Kapital in Höhe des gesamten Risikos zu hinterlegen”, erläuterte er. Ein Rückversicherer könne sein Kapital diversifizieren, er müsse nicht eins zu eins Kapital für das Risiko stellen. „Wir suchen 12 Prozent, aber unser Kapital ist diversifiziert, wir brauchen 35 Prozent oder 40 Prozent für ein Risiko. Dann läuft es am Ende auch auf 5 Prozent für 100 Prozent hinaus.”

Man werde sehen, ob die Pensionsfonds oder anderen Anbieter noch da seien, wenn es einen Großschaden gab und sie Geld verloren haben, oder wenn die Zinsen stark ansteigen.

Nicht sehr positiv sieht Jeworrek die Makler-Facilities, bei denen ein Vermittler mit einem Risikoträger die Abgabe eines bestimmten Teils eines Risikoprogramms vereinbart – bekanntestes Beispiel ist ein Deal zwischen dem Makler Aon und Warren Buffetts Berkshire Hathaway im Londoner Lloyd’s-Markt. Dabei gibt der Risikoträger die Risikobeurteilung und -bepreisung – das Underwriting – aus der Hand. „Ich mache mir Sorgen”, sagte Jeworrek dazu. „Wir könnten in dieselben Fallen tappen, die es schon in den neunziger Jahren gab.“ Damals verloren einige Versicherer viel Geld, die Underwriting-Vollmachten an Dritte gegeben hatten. Munich Re müsse mit „besserem Know-how und besserem Service” antworten, sagte Jeworrek zu dem Vormarsch des Alternativkapitals und den Makler-Facilities.

Teuerster Hagelschaden in der deutschen Geschichte

Jeworrek nannte neue Zahlen für den Hagelschaden, der im Juli vor allem Baden-Württemberg und Niedersachsen traf. Bislang war Munich Re von einem Marktschaden von 600 Mio. Euro ausgegangen. „Unsere gegenwärtige Schätzung für den Marktschaden ist 1,5 Mrd. Euro”, sagte Jeworrek. Davon entfallen 180 Mio. Euro auf die Munich Re – 160 Mio. Euro landen beim Rückversicherer (der sie brutto wie netto in den Büchern hat, also keine Schutzdeckung bei einem anderen Rückversicherer hält) und 20 Mio. Euro netto – nach Rückversicherung – bei Ergo. Damit sei der Schaden 2013 höher als Münchener Hagelschaden von 1984, auch wenn man den mit der Inflationsrate hochrechne. Damals mussten die Versicherer 1,5 Mrd. DM zahlen.

Munich Re’s Chefvolkswirt Michael Menhart warnte vor möglichen neuen Eskalationen in der Eurokrise. „Vor allem auf politischer Ebene besteht erhebliches Potenzial, die Krise erneut zu verschärften”, sagte er. Menhart glaubt auch nicht an einen bedeutenden Zinsanstieg, jedenfalls nicht in Europa. „Insgesamt werden die Unsicherheiten fortbestehen, und wir glauben, dass die Risiken überwiegen”, sagte er. „Wir sind noch nicht in ruhiger See, da sind eine ganze Reihe von Eisbergen vor uns.“

Herbert Fromme


Kategorien: Nachrichten, Rückversicherer, Top News

Diskutieren Sie mit

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.