Industrie vermisst Mut bei den Versicherern

Versicherer sollten kreativer werden, wenn es um neue Produkte geht, fordern die Versicherungseinkäufer auf der Ferma-Tagung der europäischen Risikomanager. Zudem verlangen sie mehr Einblick in die Datenbanken der Assekuranz.

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Auf der Ferma-Tagung formulierten Risikomanager Wünsche an die Versicherer. Von links : Moderatorin Cathy Smith, Tjerk van Dijk (Stork), Andrew-Richard Bradley (Nestlé), Chris McGloin (Invensys), Annemarie Schouw (Tata Steel)

© Audrey de Leval

Die europäischen Risikomanager fordern mehr Wagemut von ihren Versicherern. „Wir haben noch keinen wirklichen Fokus auf Innovationen“, sagte Chris McGloin, Risikomanager bei der Technologiefirma Invensys während einer Diskussionsrunde auf der Ferma-Tagung der europäischen Risikomanager in Maastricht. „Die Versicherer beschränken sich noch zu sehr darauf, bereits bestehende Produkte zu verfeinern.“

Die Absicherung von Lieferketten ist aus seiner Sicht ein Bereich, in dem die Versicherer kreativer werden sollten. Neben neuen Produkten könnte seiner Meinung nach auch ein tieferer Einblick in die Daten der Versicherer helfen.

„Für mich wäre es die größte Innovation, wenn ein Versicherer das Risikomanagement im Unternehmen mit hochqualitativen Daten unterstützen könnte“, sagte McGloin. Bisher gäben Firmen sehr viel Geld aus, um Daten, zum Beispiel zu Naturkatastrophenrisiken, von außen einzukaufen.

Andrew-Richard Bradley von Nestlé glaubt dagegen, dass es in puncto Innovationen vor allem ein Akzeptanzproblem gibt. „Es hat Innovationen gegeben, aber die Kunden nehmen sie nicht an“, sagte er. Das könne zum einen daran liegen, dass sie nicht zum Bedarf der Kunden passen oder aber, dass die Makler die neuen Policen nicht ausreichend gut erklären. Bei manchen Themen wie Reputationsrisiken sei es den Versicherern auch so gut wie unmöglich, funktionierende Policen für Großunternehmen zu entwickeln.

Annemarie Schouw, Risikomanagerin bei Tata Steel, pflichtete ihm bei. „Reputationsrisiken sind mehr eine Sache der Kommunikation“, sagte sie. „Schadenzahlungen aus einer Police beeinflussen nicht, wie die Menschen über ein Unternehmen denken.“

Tjerk van Dijk, Risikomanager beim Flugzeugbauer Stork, sieht bei Cyberrisiken Verbesserungsbedarf mit Blick auf Neuerungen. „Aber auch Standardprodukte, vor allem im Haftpflichtbereich sollten nicht vernachlässigt werden.“ Am liebsten hätte er, wenn Versicherer neue Produkte mit alten kombinierten. „Im Haftpflichtbereich habe ich so viele verschiedene Limits für verschiedene Produkte. Was spricht dagegen, eine Cyberdeckung an bestehende Policen anzudocken?“ Arbeiten müssten die Versicherer auch an ihrer Schadenregulierung. „Sie haben oft zu wenig Personal und müssen sich auf Schadenregulierer von außen verlassen“, sagte van Dijk.

McGloin glaubt, dass es oft auch Probleme mit den Versicherungsbedingungen gibt. „Einen Tag legen sie die Versicherer in die eine Richtung aus, am anderen Tag in die andere, obwohl sich der Text nicht verändert hat“, sagte er. Das sei dem Finanzchef des Unternehmens nur sehr schwer zu vermitteln.

Friederike Krieger


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