Corona verteuert Hurrikan-Schäden

Die bevorstehende Hurrikan-Saison wird nach den Vorhersagen der Experten überdurchschnittlich viele schwere Stürme bringen. Für Versicherer und Rückversicherer kann das teuer werden. Dafür sorgt auch die Corona-Pandemie, die die einzelnen Schäden noch einmal verteuern wird, so die Risikoanalysefirma Karen Clark & Co. Schadenmindernd könnte sich die Rezession auswirken, da sie die sonst übliche Schadeninflation nach schweren Katastrophen etwas abmildert. Auch das Analyseunternehmen Global Data erwartet durch die Hurrikan-Saison Probleme auf einige Versicherer zukommen, die durch die Folgen der Corona-Pandemie geschwächt sind.

Hurrikan „Dorian“ war im vergangenen Jahr die drittteuerste Naturkatastrophe, dieses Jahr droht den Versicherern eine aktivere Sturmsaison

© NASA

Die Corona-Pandemie hat auch Auswirkungen auf Schäden aus der bevorstehenden Hurrikan-Saison, warnt die Risikoanalysefirma Karen Clark & Co. „Hurrikans und Covid-19 sind keine gute Kombination“, schreibt das Unternehmen in einer aktuellen Analyse. Zwar gebe es einige Punkte, die schadenreduzierend wirken, aber insgesamt werden die Zahlungen der Versicherer für die Schäden kostspieliger ausfallen.

Die Hurrikan-Saison beginnt offiziell am 1. Juni. Die meisten Vorhersageinstitute gehen davon aus, dass es eine überdurchschnittlich aktive Sturmsaison wird. Sie rechnen mit bis zu sechs schweren Hurrikans, das liegt deutlich über dem 30-Jahres-Durchschnitt. Im vergangenen Jahr sorgte Hurrikan „Dorian“ für den drittgrößten Schaden aus Naturkatastrophen. Er kostete Versicherer und Rückversicherer laut Munich Re 4 Mrd. Dollar (3,6 Mrd. Euro).

Die Corona-Pandemie wird die Vorbereitung von Hausbesitzern und kleineren Unternehmen auf einen Hurrikan beeinträchtigen, erwartet Karen Clark. Üblicherweise sichern sie ihre Gebäude ab, indem sie Fenster und andere Öffnungen verbarrikadieren. Dazu legen viele Menschen Vorräte mit Wasser, Batterien und haltbarem Essen an. Durch die Distanzregeln und leergeräumte Lager wird das schwieriger und könnte dazu führen, dass Eigentümer unwillig oder nicht in der Lage sind, die Häuser entsprechend zu sichern, erwarten die Risikoanalysten. Bei Zweitwohnsitzen könnte sich das Phänomen noch verschärfen, weil die Eigentümer entweder nicht dorthin reisen wollen oder dürfen.  Der schwächere Schutz für diese Gebäude könnte zu mehr Schäden für die Versicherer führen.

Auch die Schadenbearbeitung wird insgesamt teurer werden, prognostiziert das Unternehmen. Social Distancing, teurere Unterkünfte, Schutzausrüstung und Reiserestriktionen werden den Versicherern die Vor-Ort-Besichtigung von Schäden erschweren. Das gilt vor allem für größere Schäden. Bei kleineren Schäden werden die Gesellschaften wahrscheinlich auf Vor-Ort-Besichtigungen verzichten. Selbst wenn sie dann für den einzelnen Schaden mehr zahlen, lohnt sich das, so die Risikoanalysten.

Beim Wiederaufbau und der Reparatur beschädigter Gebäude sieht Karen Clark ein zweigeteiltes Bild. Generell wird beides während der Corona-Pandemie teurer sein als vorher. Material ist schwerer zu besorgen, Schutzausrüstung wird gebraucht. Abstandsregeln limitieren die Zahl der Arbeiter, die gleichzeitig auf der Baustelle sein können. Andererseits sehen die Analysten auch Faktoren, die kostensenkend wirken. Eine Rezession und die hohe Arbeitslosigkeit sorgen dafür, dass es viele Arbeitskräfte gibt. Die Baubranche leidet unter der Pandemie, das könnte die Kosten für die Versicherer drücken.

Geringere Schadeninflation

Üblicherweise gibt es nach großen Naturkatastrophenereignissen eine Schadeninflation von bis zu 30 Prozent, weil sich die Kosten für Arbeit und Material erhöhen. In diesem Jahr könnte sie deutlich schwächer ausfallen. Zwar dürfte die Materialknappheit wegen der Pandemie sogar noch stärker ausfallen, aber die Arbeitskosten seien der dominierende Faktor bei der Schadeninflation, so die Analyse. Im Verhältnis werden die Kosten für kleinere Schäden stärker ansteigen als für größere Zerstörungen. Die Schäden aus Ereignissen mit weit verteilten aber kleineren Schäden durch geringere Windstärken, werden also stärker steigen als für schwerere Sturmereignisse, so das Fazit der Risikomodellierer.

Auch die Daten- und Analysefirma Global Data sieht in der Kombination aus Corona-Pandemie und Hurrikanschäden Probleme für einige Unternehmen kommen. „Die Kombination aus Naturkatastrophen, starken Schwankungen an den Finanzmärkten und ökonomischer Rezession wird eine deutliche Belastung für die Versicherungsbranche bedeuten“, sagte Daniel Pierce, Senior Insurance Analyst bei Global Data. Das ganze Ausmaß der finanziellen Folgen werde sich erst später im Jahr zeigen, nachdem der Großteil der erwarteten Naturkatastrophen vorbei ist. Die Versicherer werden nicht nur durch die Schäden getroffen, sondern auch durch Auswirkungen der Schwankungen an den Finanzmärkten auf ihre Kapitalanlagen, die wirtschaftliche Lage und die weiterhin niedrigen Zinsen.

Patrick Hagen

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