Wenn Unruhen und Enteignung drohen

Die Pandemie beschleunigt überall auf der Welt politische und wirtschaftliche Veränderungen. Oft haben internationale Investoren aber gar nicht im Blick, welche Auswirkungen politische Entscheidungen auf ihr Geschäft haben können, beklagt der Makler Aon. Die neue Ausgabe seiner Risk Maps zeigt: Länder ohne Risiko gibt es nicht mehr. Was viele Unternehmen aber nicht wissen: Sie können sich versichern.

Die Gefahr für politische Unruhen und Terror auf der Welt – für eine größere Ansicht bitte auf die Grafik klicken

© Aon

Politische Unruhen oder Terrorismus, Devisenknappheit und Handelsembargos, Bevorzugung einheimischer Firmen oder Enteignungen – die Liste der Risikofaktoren, die international tätige Investoren und Unternehmen, die im Ausland aktiv sind, beachten müssen, wird immer länger. Und die Gefahren werden immer größer, warnt das Makler- und Beratungsunternehmen Aon in seiner aktuellen Ausgabe der Aon Risk Maps.

„Es gibt keine Blue-Chip-Länder mehr“, erklärt Silja-Leena Stawikowski, Senior Expert of Political & Special Risks bei Aon. Damit meint sie, dass Investoren selbst in Ländern, die früher als risikolos galten, wie die USA oder Großbritannien, mit unerwarteten – politischen – Entwicklungen rechnen müssen, die dann auf die Wirtschaft durchschlagen. Überall auf der Welt hätten die Risiken für Investoren zugenommen.

In drei von fünf sogenannten entwickelten Volkswirtschaften erwartet Aon das Auftreten von zivilen Unruhen und Streiks. Für Deutschland ist die Gefahr durch Rechtsterrorismus, gemeinsam mit den USA, weltweit am größten. Allerdings vergibt Aon für die beiden Länder, wie für alle Mitgliedsstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), gar kein politisches Rating. Das habe „historische Gründe“, erklärt das Unternehmen. Damit ist eine Vergleichbarkeit mit dem Rest der Welt erschwert.

Auf Deutschland entfielen im vergangen Jahr 17 Prozent aller Anschläge weltweit mit rechtsterroristischem Hintergrund

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Die Pandemie wirke aktuell in allen Bereichen als Brandbeschleuniger, so Stawikowski. Das gilt nicht nur für die offensichtlichen wirtschaftlichen Schäden durch Betriebsschließungen oder Lieferkettenunterbrechungen. Denn die wirtschaftlichen Probleme würden wiederum die politischen Risikofaktoren verstärken, so Aon. Firmen sollten deshalb noch genauer als bislang im Auge haben, welche Auswirkungen die Krise in den Ländern und Regionen hat, in denen sie aktiv sind.

Stawikowski beklagt eine „Blauäugigkeit“ bei vielen international tätigen Unternehmen. Das könne zum Teil auch daran liegen, dass wenig berichtet werde über wirtschaftliche Schäden, die durch politische Risiken verursacht werden. Versuche von Regierungen, die nationale Wirtschaft gegenüber internationaler Konkurrenz zu bevorzugen, gibt es auch in Europa: In Ungarn gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Anläufe, einheimischen Supermarktketten Vorteile zu verschaffen, etwa durch längere Öffnungszeiten, so die Expertin. Ein typisches Beispiel für politisch veranlasste Änderungen sind auch Einspeisevergütungen bei Photovoltaik- oder Windkraft-Projekten, wie sie auch bei Versicherern als Investitionsobjekte beliebt sind. Zwar wird die Vergütung anfänglich vertraglich festgelegt, ein politischer Richtungswechsel kann dann aber zu gesetzlich festgelegten Änderungen führen.

Politische Risiken steigen weltweit, die OECD-Ländern werden von Aon allerdings nicht geratet – für eine größere Ansicht bitte auf die Grafik klicken

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„Die Unternehmen müssen sich rechtzeitig darum kümmern, dass ihre Assets abgesichert sind“, fordert Stawikowski. Dies sei trotz der gestiegenen Risiken noch problemlos möglich. Rund 60 internationale Versicherer böten global solchen Schutz an, vor allem über den Londoner Versicherungsmarkt Lloyd’s. „Viele wissen gar nicht, dass es solche Lösungen gibt.“

Die Deckung läuft unter dem Stichwort CEND-Police: Das steht für Confiscation, Expropriation, Nationalisation und Deprivation, also Beschlagnahmung, Enteignung, Verstaatlichung und Aberkennung. Sinnvoll sei es, solche Policen mit einer Laufzeit von fünf bis sieben Jahren abzuschließen. Dann habe man mindestens eine Wahlperiode und die mit einem Regierungswechsel möglichen Änderungen abgedeckt, erklärt die Expertin. Die Preise für die Versicherungen seien jahrelang viel zu niedrig gewesen, hätten jetzt aber angezogen.

Katrin Berkenkopf

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