Herbert Frommes Kolumne Die Waldbrände in Kalifornien im Jahr 2018 dürften die Versicherungswirtschaft deutlich über 12,5 Mrd. Dollar kosten, schätzen die Rückversicherer. Die Katastrophen haben einen versicherten Schaden ausgelöst, der in der Größenordnung bedeutender Hurrikan-Schäden liegt. Dazu trägt auch die merkwürdige rechtliche Situation in dem US-Bundesstaat bei, die Versicherern ein risikogerechtes Underwriting deutlich erschwert. Der Klimawandel sorgt dafür, dass die Zahl solcher Megaschäden steigen wird – auch in Deutschland. Hier sollte die Branche ihre Ablehnung einer Pflichtversicherung aufgeben. Wenn sie von Selbstbehalten und Bauverboten in exponierten Regionen begleitet wird, kann die Pflichtversicherung sehr sinnvoll sein.
Herbert Frommes Kolumne
Mutig handeln!
Herbert Frommes Kolumne Die Versicherungsbranche hat die zehn Jahre seit Ausbruch der jüngsten Finanzkrise bemerkenswert gut überstanden. Verglichen mit Deutscher Bank und Commerzbank, einst die Perlen der deutschen Finanzwirtschaft, stehen Allianz, Munich Re oder Axa solide da. Die gesamte Branche strahlt eine Gelassenheit aus, die 2008 kaum vorstellbar war. Doch 2019 könnte sich die Lage spürbar ändern. Es kommt einfach zu viel zusammen – Kapitalmarktturbulenzen, digitale Herausforderungen, neue Risiken und schlechte IT-Systeme. Wenn die alten Marktverhältnisse vor einem Umbruch stehen, kommen die Chancen für die wirklichen Unternehmer. Die gibt es – auch in der Versicherungswirtschaft.
Erfolgsrezept Katzenfotos
Herbert Frommes Kolumne Fast alle Versicherer haben in den vergangenen Jahren ihre Präsenz in den sozialen Netzen ausgebaut. Aber kaum jemand hat das so konsequent getan wie die Traditionsversicherung. Herbert Fromme hatte die Gelegenheit, Sascha-Alexander Esposito zu beobachten, den Chef des Ressorts Soziale Medien im Newsroom des Versicherers.
Gatwick, Zurich, Terrorismus und Krieg
Herbert Frommes Kolumne Mit Drohnen haben bisher unbekannte Täter den zweitgrößten britischen Flughafen Gatwick 36 Stunden lahmgelegt. Die meisten Kunden mit Reiseversichersicherungspolicen werden wohl kaum eine Erstattung erhalten. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Versicherer die Ereignisse als terroristische Angriffe sehen, die von der Deckung ausgeschlossen sind. Der Ausschluss wegen Terror und Krieg spielt auch in einem anderen Fall eine große Rolle – die Zurich verweigert als Cyberversicherer die Zahlung eines Schadens, weil sie ihn als Teil einer Kriegsführung interpretiert. Die Versicherungswirtschaft muss aufpassen, dass sie ihre mühselig verbesserte Reputation nicht durch Einzelaktionen wieder aufs Spiel setzt.
„Digitalisierung light“ reicht nicht
Herbert Frommes Kolumne Die deutsche Versicherungswirtschaft gibt Milliarden für ihre Digitalisierungsprojekte aus – jedenfalls wenn man den Presseverlautbarungen und den öffentlichen Stellungnahmen von Konzernchefs Glauben schenkt. Aber die Kostenquoten bewegen sich kaum nach unten. Gleichzeitig stagnieren die IT-Kosten bei rund 2,3 Prozent der Prämieneinnahmen, sie müssten aber eigentlich nach oben gehen. Was läuft da gerade schief? Möglicherweise denken die Unternehmen zu klein und geben schlicht zu wenig aus, weil sie sich in Sicherheit wiegen. Und möglicherweise trauen sie sich nicht an die Kosten heran, weil sie nicht müssen. Beides wären verheerende Fehler.
Ein Hoch auf die Quotenfrauen
Herbert Frommes Kolumne Staatsministerin Annette Widmann-Mauz, Integrationsbeauftragte der Bundesregierung und Vorsitzende der Frauen-Union, hat den Berliner Verbänden eine klare Ansage gemacht: Sie will mit ihnen keine Gespräche mehr führen, wenn auf Verbandsseite nur Männer sitzen. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bekommt also ein Problem: Im 18-köpfigen Präsidium des Verbandes sitzt keine einzige Frau. Auch die fünfköpfige Geschäftsführung des Verbandes kommt ganz ohne Frauen aus, sie finden sich dann erst auf der Ebene darunter. Die Lage im Verband spiegelt die in den Unternehmen wider. Wahrscheinlich geht es auch in der Versicherungswirtschaft nicht ohne Quote.
Bitte aufräumen, Munich Re
Herbert Frommes Kolumne Ergo ist mit dem Plan gescheitert, einen eigenen globalen Industrieversicherer aufzubauen. Das Geschäftsvolumen außerhalb der Hauptmärkte hätte die Fortdauer des Projektes nicht gerechtfertigt, heißt es. Aber möglicherweise haben die Chefs in München einfach nur erkannt, dass ihr Auftritt in der Industrie- und Gewerbeversicherung schon jetzt unübersichtlich genug ist – auch ganz ohne die Ergo International Corporate Solutions. Die Munich Re muss dringend darüber nachdenken, hier aufzuräumen und für die Industriekunden einen einzigen globalen Risikoträger zu schaffen. Das würde auch Investoren gefallen.
Politische Naivität wird teuer
Herbert Frommes Kolumne Da hatten die Chefs der Allianz Private Krankenversicherung (APKV) eine gute Idee, ganz im Sinne von „den Kunden begleiten“. Sie testen in vier Großstädten einen Notfalldienst – Kinderärzte machen nachts und am Wochenende Hausbesuche bei privat versicherten Kindern. Jetzt ist die Gesellschaft überrascht von der heftigen negativen Reaktion des Bundesverbands der Kinder- und Jugendärzte – und versteht überhaupt nicht, warum die Aktion in der politischen Auseinandersetzung sehr schädlich für die PKV sein kann. Die Naivität in politischen Dingen ist nicht auf die APKV beschränkt.
Brexit: Vom Drama zur Tragödie
Herbert Frommes Kolumne Das Drama um den britischen EU-Austritt hat einen Höhepunkt erreicht. In der regierenden Tory-Partei ist der offene Krieg ausgebrochen. Hätte Großbritannien nicht das Mehrheitswahlrecht, wären die beiden Flügel längst geschieden und in verfeindeten Parteien unterwegs. Bislang haben sich die Brexit-Befürworter vor allem durch Rücktritte hervorgetan, die Gestaltung des Austritts haben sie anderen überlassen. Der Brexit ist eine Tragödie für das Land, für Europa und für die Wirtschaft – auch für die Versicherungswirtschaft. Eine Lehre: Was im Meinungskampf vor Wahlen und Volksabstimmungen so einfach wirkt, ist in der Umsetzung sehr schwierig.
Die große Erleichterung
Herbert Frommes Kolumne Die Erleichterung bei den Versicherern ist überall spürbar, seit die Regierung die Formel für die Berechnung der Zinszusatzreserve (ZZR) geändert hat. Dazu haben sie allen Grund. Gerade kleine und mittlere Unternehmen hätte die alte Formel – einst von Aktuaren im Vorstandsrang bei deutschen Versicherern entwickelt – stranguliert. Der GDV kann dabei einen großen Lobbyerfolg verbuchen: ZZR-Erleichterung und Provisionsdeckel wurden nicht in einem Paket beschlossen, wie Teile der SPD angestrebt hatten. Jetzt geht es darum, wie die Branche mit dem Deckel umgeht. Wenn sie ihn verhindert, hat sie nichts gewonnen.
Problemkind Biometrie
Herbert Frommes Kolumne Die Vertriebszahlen für biometrische Lebensversicherungsangebote stagnieren, während die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland steigt. In der Lebensversicherung läuft das Neugeschäft, wenn überhaupt, vor allem mit Anlageprodukten und hier vor allem im Einmalgeschäft. Das macht die Behauptung der Versicherer unglaubwürdig, sie agierten vor allem als Lebensbegleiter im Kundeninteresse. Nötig sind neue Initiativen, die Berufsunfähigkeitspolicen wieder interessant machen – auch für den Vertrieb. Aber möglicherweise machen neue Trends in der Selbstanalyse des Gesundheitszustandes die Versicherung von biometrischen Risiken immer schwerer.
Das ist die perfekte Run-off-Welle
Herbert Frommes Kolumne Noch ist der Verkauf der Generali Leben an Viridium nicht in trockenen Tüchern, die BaFin muss noch zustimmen. Wahrscheinlich müssen Käufer und Verkäufer nacharbeiten. Aber es ist unwahrscheinlich, dass die Aufsicht das Geschäft stoppt. Generali und Viridium werden Forderungen der Behörde erfüllen. Zu verlockend sind die Chancen, die sich für beide aus dem Geschäft ergeben. Der Deal ist Teil einer gewaltigen Welle: Nach Angaben der Rating-Agentur Fitch ist das Volumen von Bestandsverkäufen in der Lebensversicherung von 60 Mrd. Euro im Jahr 2017 auf satte 263 Mrd. Euro im Jahr 2018 gestiegen.
Axa, Generali oder Allianz – der Druck ist raus
Herbert Frommes Kolumne In den kommenden Wochen werden große Konzerne auf Investorentagen ihre Strategie für die kommenden Jahre vorstellen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird die Betonung der aktuellen Stärke ganz oben stehen. Die Chefs werden erklären, wie gut aufgestellt die Unternehmen sind, wie sehr ihre Arbeit der vergangenen Jahre gewirkt hat – und dass sie genügend Mittel für hohe Dividenden beziehungsweise Aktienrückkäufe in der Kasse haben. Sie werden Strategiemodelle vorstellen, in denen das Wort Digitalisierung ausreichend oft vorkommt, die aber betonen, dass man auf dem Bestehenden aufbauen wolle. Der Druck, mit dem manche Konzernlenker noch vor wenigen Jahren den Umbau […]
Von Knoll und Teicke lernen
Herbert Frommes Kolumne Die DFV Deutsche Familienversicherung geht an die Börse und glaubt, sie sei mindestens 200 Mio. Euro wert – drei Mal die Prämieneinnahmen. Wefox und der dazugehörige Versicherer One sollen mit 1 Mrd. Dollar bewertet werden, wird vom „Handelsblatt“ gemeldet. Dagegen wirken die Börsenbewertungen der traditionellen Anbieter Allianz, Generali oder Axa richtiggehend mickrig. Oliver Bäte, Philippe Donnet und Thomas Buberl sollten genauer hinsehen, was DFV-Chef Stefan Knoll und Wefox-Gründer Julian Teicke so treiben. Es lohnt sich.
Versagen der Politik
Herbert Frommes Kolumne Für die Privatversicherten ist es eine gute Nachricht, dass sich die HUK-Coburg mit ihrem Krankenversicherer dem elektronischen Portal „Meine Gesundheit“ anschließt. Jetzt kann fast die Hälfte der PKV-Versicherten eine elektronische Gesundheitsakte nutzen, von Meine Gesundheit, von Vivy oder von der Techniker Krankenkasse, die mit mehreren Gesellschaften kooperiert. Damit hilft die PKV, die Rückständigkeit des deutschen Gesundheitswesens in Sachen Digitalisierung zu überwinden, während die Politik fröhlich weiter die Rückständigkeit Deutschlands in Fragen digitales Gesundheitswesen verwaltet.
