Herbert Frommes Kolumne Noch ist unklar, wie der digitale Umbau der Versicherungswirtschaft ablaufen wird. Werden die traditionellen Anbieter es schaffen, sich so zu verändern, dass sie die neuen Kundenbedürfnisse befriedigen und die aktuellen Techniken meistern werden? Oder werden die Insurtechs die Gewinner sein, möglicherweise in Zusammenarbeit mit Rückversicherern oder traditionellen Gesellschaften? Darüber gibt es eine sinnvolle Debatte in der Branche, die mehrheitlich an die Reformfähigkeit der jetzt aktiven Anbieter und nicht an die Start-ups glaubt. Die Internet-Giganten wie Google spielen in dieser Diskussion kaum noch eine Rolle. Die meisten Manager glauben, dass sie nicht zu den großen Disruptoren werden. […]
Herbert Frommes Kolumne
Wenn Siemens pleiteginge…
Herbert Frommes Kolumne Der japanische Elektronikriese Toshiba steht vor der Zerschlagung. Das Unternehmen ist etwas kleiner als Siemens, aber von der Marktbedeutung her mit dem deutschen Konzern vergleichbar. Der Fall wird weitreichende Bedeutung vor allem für japanische Versicherer haben, die Aktien und Anleihen des Konzerns halten. Auch Kreditversicherer sind betroffen. Vor allem aber enthält der Toshiba-Skandal Lektionen für große Konzerne, auch aus der Finanzbranche: Wer zu lange an überkommenen Geschäftsmodellen festhält und Probleme mit kreativer Buchhaltung übertünchen will, riskiert ein rasches Ende.
Bärendienst des BVK
Herbert Frommes Kolumne Auch nach dem Urteil vom Donnerstag hat die juristische Auseinandersetzung zwischen dem Vermittlerverband BVK und dem Vergleichsportal Check24 zwei Sieger – je nachdem, wen man fragt. Der BVK glaubt, er habe sich durchgesetzt, Check24 sieht sein Geschäftsmodell im Kern bestätigt. Die Versicherungswirtschaft hält sich zurück. Denn nach den bisher bekannten Einzelheiten ist klar, dass die Entscheidung den Online-Vertrieb prinzipiell komplexer machen kann, auch wenn er von Versicherern selbst betrieben wird. Der Vermittlerverband hat mit seinem Rückzugsgefecht der Branche einen Bärendienst erwiesen.
Rückversicherer sind Geburtshelfer der Insurtechs
Herbert Frommes Kolumne Auch wenn viele traditionelle Versicherer es nicht wahrhaben wollen – neue Unternehmen aus dem Technologiebereich, die Fintechs oder Insurtechs, werden immer öfter auch Risikoträger. Natürlich ist ein solcher Schritt nicht einfach für sie. Aber sie haben mächtige Verbündete: Die Rückversicherer sind nur zu gern bereit, Hilfestellung zu leisten. Das haben sie in einer ähnlichen Konstellation schon einmal mit Telefon-Direktversicherern gemacht. Die Kombination Insurtech plus Rückversicherer wird zur ernsthaften Bedrohung für traditionelle Versicherer.
Gründungsfieber
Herbert Frommes Kolumne Die Baloise gründet Friday, Ergo kommt mit Nexible auf den Markt. Gerade prüfen mindestens zwei weitere Anbieter die Gründung von digitalen Kfz-Versicherern. Eigentlich hat der Markt genügend Anbieter, und mit der HUK24 auch den größten digitalen Versicherer, den dieser Markt bislang gesehen hat. Dass die Gründer sich dennoch an das komplexe Geschäftsfeld herantrauen, hat gute Gründe. Kein Markt ist schon so weit digitalisiert wie die Kfz-Versicherung. Deshalb ist sie als Testgelände für die anstehenden Veränderungen in den Unternehmen gut geeignet.
Ottonovas Chancen
Herbert Frommes Kolumne Das Insurtech Ottonova will im Juni an den Start gehen. Die traditionellen Anbieter geben sich gelassen. Aber der Newcomer aus München hat eine echte Chance im Markt. Das glauben jedenfalls die Investoren, die jetzt knapp 20 Mio. Euro bereitgestellt haben. Auch das Vertrauen in andere Insurtechs wächst – Simplesurance und Wefox haben Millionensummen eingesammelt. Aber sie haben bislang keine Pläne, als Risikoträger aktiv zu werden. Einfach wird die Ottonova-Gründung nicht. Zentrale Fragen sind die Akquisitionskosten für neue Kunden und der Aufbau der Alterungsrückstellung.
Generali: Liveranis enge Spielräume
Herbert Frommes Kolumne Das ist die dritte meiner Kolumnen in diesem Jahr, die sich mit der Generali beschäftigt. Ja, wir haben auch andere Themen, nein, wir glauben nicht, dass die Generali der wichtigste Versicherer auf dieser Erde ist. Dennoch gibt es gute Gründe, sich erneut mit dem Unternehmen zu befassen. Denn der Plan, den Außendienst der Generali auf die DVAG zu übertragen, hätte weitreichende Folgen – wenn er denn umgesetzt wird. Diesmal geht es also nicht um die auf Eis gelegten Übernahmebemühungen der italienischen Bank Intesa Sanpaolo, sondern um den deutschen Markt, auf dem der Triester Konzern eine bedeutende […]
Alexa und die Plattformen
Herbert Frommes Kolumne Seit einigen Tagen spielen wir in der Redaktion mit Alexa, dem Sprachcomputer von Amazon. Alexa kann einiges, vieles aber nicht. Trotzdem erstaunt das Gerät die meisten neuen Nutzer – und gibt einen Vorgeschmack auf unsere Computernutzung der Zukunft. Stetig lernende, sprachgesteuerte Systeme werden eine große Rolle spielen, ob sie nun Alexa, Siri, Cortana oder Google Assistant heißen. Auch der Kauf von einfachen Versicherungen über solche Alltagsberater ist keine Utopie. Die entscheidende Frage ist dann, wer die Macht hat in diesen Plattformen. Das werden eher nicht die Versicherer sein, sondern Amazon, Apple oder Google. Umso wichtiger sind […]
Generalis Optionen
Herbert Frommes Kolumne Eigentlich hatte der italienische Versicherer Generali gehofft, den kaum vorhersehbaren Winkelzügen der italienischen Bankenszene entkommen zu sein. Doch das Fast-Angebot – oder war es doch nur eine Machbarkeitsstudie? – der Bank Intesa Sanpaolo hat den größten Anbieter des Landes kalt erwischt. Konzernchef Philippe Donnet braucht dringend eine Abwehrstrategie, die mehr bietet als Aktien des Gegners zu kaufen und die Kosten zu senken. Möglich ist die Übernahme eines Konkurrenten, um sich selbst schwerer verdaubar zu machen. Es soll Gespräche mit RSA gegeben haben. Möglich. Ich glaube, eine Verbindung mit der spanischen Mapfre wäre viel logischer.
Gegen die Garantiesucht
Herbert Frommes Kolumne Die Versicherer suchen in Berlin die politische Auseinandersetzung um die neue Nahles-Rente, den sechsten Durchführungsweg in der betrieblichen Altersversorgung. Hauptstreitpunkt ist die Frage, ob die Unternehmen Garantien anbieten dürfen oder nicht. Nahles will ein System ohne Garantien, die Versicherer bestehen darauf. Dahinter steht die Sorge, ohne Garantien nicht wettbewerbsfähig zu sein. Das ist ein Irrtum. Gerade die renditefressenden Garantien sind es, die den Lebensversicherern zu schaffen machen.
Jetzt kommt das Rollback
Herbert Frommes Kolumne Die Zurich hat ihre Industrieversicherung mit der Abteilung für Gewerbekunden verschmolzen. Im laufenden Jahr soll die neue Einheit satte 150 Mio. Dollar einsparen. Seit mehr als zehn Jahren galt es bei den Konzernen als richtig, die Industrieversicherung in separaten Einheiten zu führen, wenn möglich sogar als eigenständige Risikoträger. Jetzt kommt das Rollback. Dafür sorgen der starke Druck bei den Preisen und den Kosten. Die Zurich ist nicht allein: Bei der Axa ist die Führung der Axa Versicherung und der Axa Corporate Solutions in Deutschland personell schon in einer Hand. Andere Konzerne denken darüber nach. Die Industriekunden […]
Klare Regeln gegen Populismus
Herbert Frommes Kolumne Der Aufstieg des Populismus in vielen Ländern bringt vor allem für multinationale Konzerne neue Probleme – aber nicht nur für sie. Große Unternehmen müssen mit sehr unterschiedlichen politischen und kulturellen Ansichten fertig werden, einschließlich einem versteckten und offenen Rassismus oder der mal mehr, mal weniger deutlich zum Ausdruck gebrachten Frauenfeindlichkeit. Das widerspricht fast jedem Unternehmensleitbild, genauso wie die politischen Vorstellungen der extremen Linken. Das gemeinsame Arbeiten funktioniert nur, wenn das Unternehmen und sein Management sich strikt neutral verhalten, und wenn die Regeln für das Miteinander im Unternehmen sehr klar sind und auch eingehalten werden.
Generali: Der Tanz der Giganten
Herbert Frommes Kolumne Am heutigen Freitag wird der Verwaltungsrat der italienischen Bank Intesa Sanpaolo über ein Übernahmeangebot an die Aktionäre des Versicherers Generali beraten. Über den möglichen Ausgang des in Triest unerwünschten Annäherungsversuchs wird viel spekuliert, auch über eine Beteiligung der Allianz an der Seite der Intesa. Es hilft, wenn man einen Blick auf die politische Bedeutung der Generali für Italien wirft. Ob Intesa nun Generali kauft oder nicht: Der Übernahmeversuch öffnet den Weg für die lange überfällige Neuordnung unter den Großen der europäischen Versicherungsbranche.
Unsicher
Herbert Frommes Kolumne Der Amtsantritt von Donald Trump als US-Präsident und der Brexit sind keine Unfälle in Ländern, die eigentlich etwas anderes wollten. Sie repräsentieren das endgültige Ende der Nachkriegsordnung. Die Welt wird künftig anders und höchstwahrscheinlich unsicherer. Gleichzeitig macht sich die Weltwirtschaft daran, die enormen Möglichkeiten der Digitalisierung umzusetzen. Die Versicherungswirtschaft hat bisher nicht gezeigt, dass sie die Chancen, die für sie aus einer solchen Lage entstehen, nutzen kann. Im Gegenteil, ihre Bedeutung sinkt – eine gefährliche Entwicklung.
Gefährliche Zinswende
Herbert Frommes Kolumne Jahrelang haben die Versicherer verlangt, dass die europäischen Regierungen und die Zentralbank ihre Zinspolitik ändern. In den USA steht die Zinswende bevor, in Europa wird sie über kurz oder lang folgen. Allerdings kann genau diese Wende, die so dringend von den Versicherern herbeigesehnt wird, manche Gesellschaft das Leben kosten. Denn vieles spricht dafür, dass der Anstieg nicht ordentlich und langsam vonstattengeht, sondern mit einer oder mehreren plötzlichen Bewegungen verbunden ist. Schon ein einzelner Zinsschock kann zu hohen Abschreibungen auf festverzinsliche Papiere führen.
