Die Folgen der galoppierenden Inflation in den meisten Industrieländern bestimmen die Diskussionen zwischen Rück- und Erstversicherern in Monte Carlo. Mancher Rückversicherer, der nicht deutlich überreserviert ist, könnte Probleme bekommen, glauben Analysten. Branchenriese Munich Re gibt Entwarnung für das eigene Unternehmen, die Reserven seien hoch genug. Aber Vorstand Torsten Jeworrek schickt eine Drohung hinterher: Wenn das Unternehmen in der Erneuerung bei Preisen nicht den Zielwert „Inflation und mehr“ durchsetzen könne, werde es Kapazität zurückziehen.
Rückversicherer
Scor will Risiken ohne Retrodeckung
Der französische Rückversicherer Scor will sich auf Risiken konzentrieren, die er möglichst selbst schultern kann, ohne groß auf Retrozessionsschutz zurückzugreifen. „Wir sind ein Risikoträger und kein Risikohändler“, sagte Scor-Chef Laurent Rousseau. Der Konzern übernehme Risiken, weil er glaube, dass sie gut sind, nicht weil er auf die Marge mit der Retrozession spekuliere. Von Naturkatastrophenrisiken ist Scor momentan nicht angetan, das könne sich aber ändern, sobald die Preise dafür hoch genug sind.
Was die Versicherer von der Zinserhöhung halten
Exklusiv Vor dem Hintergrund der derzeitigen Rekordinflation hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins um 0,75 Punkte auf 1,25 Prozent angehoben. Dabei handelt es sich um die kräftigste Erhöhung seit Einführung des Euro-Bargelds. Auch wenn deutlich steigende Zinsen zu massiven Wertberichtigungen in der Kapitalanlage führen, begrüßen die Versicherer den Schritt – und fordern mehr. Talanx-Finanzchef Jan Wicke bedauert, dass die EZB mit Zinserhöhungen viel zu lange gewartet hat und jetzt um den Preis von Friktionen und Volatilität umso drastischer in die Märkte eingreifen muss.
Sanierungskurs bei Lloyd’s zahlt sich aus
Der Londoner Versicherungsmarkt Lloyd‘s blickt optimistisch in die Zukunft. Zwar haben Neubewertungen von Anleihen in den Kapitalanlagen im ersten Halbjahr für hohe Belastungen gesorgt, das sei aber nur ein buchungstechnisches Phänomen, sagte Finanzvorstand Burkhard Keese. Auch von weiter steigenden Preisen in der Industrieversicherung wird der Marktplatz profitieren, erwartet er.
Geopolitische Situation holt Rückversicherer ein
Bisher haben vermehrte Naturkatastrophen, Pandemie, Krieg und Inflation wenig Auswirkungen auf den Rückversicherungsmarkt gehabt, meint der Makler Howden. Doch das werde sich nun ändern. Passend zum Rückversicherungstreffen in Monte Carlo haben makroökonomische und geopolitische Umwälzungen den Druck auf die Branche so verschärft, dass der Makler erstmals mit einem Rückgang der Kapazität rechnet. Außerdem werden die Preise weiter steigen.
Lloyd’s erwartet wegen Ukraine-Krieg Milliarden-Schaden
Der Versicherungsmarkt Lloyd’s of London hat ein herausforderndes erstes Halbjahr hinter sich. Besonders der Krieg in der Ukraine und die Unsicherheit auf den Kapitalmärkten schadeten dem Ergebnis. Für vom Krieg betroffene Kunden hat der Marktplatz 1,1 Mrd. Pfund zurückgestellt. An den Kapitalmärkten verlor Lloyd‘s mehr als 3 Mrd. Pfund. Unter dem Strich stand ein Verlust von 1,8 Mrd. Pfund.
Mahnke: An die Zeit nach dem harten Markt denken
Die deutsche Industrie will sich nicht mehr alles von den Versicherern gefallen lassen. Der harte Markt werde nicht ewig anhalten und die Unternehmen werden sich daran erinnern, wer sich in der schwierigen Zeit als Partner gezeigt habe, sagte Alexander Mahnke, Vorstandsvorsitzender des Gesamtverbandes der versicherungsnehmenden Wirtschaft, zum Auftakt der Jahrestagung des Verbandes in Unterschleißheim bei München. Mahnke forderte die Versicherer auch dazu auf, angesichts des Krieges in der Ukraine und der drohenden Energiekrise ihre Nachhaltigkeitspolitik zu überdenken.
Alternatives Rückversicherungskapital wird zulegen
Viele Katastrophenschäden sowie Sekundärschäden durch Waldbrände und Überschwemmungen haben in den vergangenen fünf Jahren dem alternativen Rückversicherungskapital besonders schwer zugesetzt. Doch die Ratingagentur Moody’s sieht die Trendwende gekommen und erwartet, dass es bald die Grenze von 100 Mrd. Dollar bei der Kapazität überschreitet. Auch der Retrozessionsmarkt wird sich demnach erholen.
Neue DACH-Manager bei WTW
Leute – Aktuelle Personalien Der Makler- und Beratungskonzern Willis Towers Watson (WTW) befördert Olga Losing-Malota (Bild) und Safak Okur. Beide übernehmen Führungsfunktionen im Bereich Corporate Risk und Broking in der DACH-Region. Losing-Malota wird Head of Broking und Okur Head of Strategy and Innovation. Außerdem ernennt WTW Kiran Nayee zum Client Relationship Director für große und komplexe Haftpflichtrisiken. Personelle Neuigkeiten gibt es auch bei Aon, Axis und BMS.
Howden und Tiger Risk bündeln Assekuradeursgeschäft
Die Rückversicherungseinheit der britischen Maklergruppe Howden, Howden Re, und deren jüngste Großakquisition Tiger Risk werden ihre Geschäfte mit Assekuradeuren und Programm-Maklern zusammenlegen. Entstehen soll dabei mit einem platzierten Prämienvolumen von 6 Mrd. Dollar die weltweit größte Einheit dieser Art. Das neue Unternehmen SabRe wird ein zentraler Bestandteil der Strategie von Howden Re.
S&P: Mehr Gegen- als Rückenwind
Die weltweiten Rückversicherer profitieren von steigenden Preisen und Zinsen, doch die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) traut dem Braten nicht. Während Konkurrent Moody’s den Ausblick für die Branche schon vor einem Jahr auf stabil hochgesetzt hatte und das beibehalten will, sieht S&P die Rückversicherer nach wie vor negativ. Vor allem die hohe Inflation setzt den Anbietern zu und könnte dafür sorgen, dass von den erzielten Preiserhöhungen nicht mehr viel übrigbleibt.
MSIG baut deutsche Leitung weiter aus
Leute – Aktuelle Personalien Thomas Riess ist bei MSIG Insurance Europe neuer Head of Underwriting Engineering für Deutschland. Es ist bereits die dritte Neuernennung bei der deutschen Tochter des japanischen Anbieters Mitsui Sumitomo innerhalb weniger Wochen. Außerdem: Marsh Deutschland hat einen neuen Leiter für den Bereich Claims Solutions. Personelle Neuigkeiten gibt es auch beim Abwickler Compre und bei der Asien-Pazifik-Einheit von Dual.
Inflation: Grund sieht Nachreservierungsbedarf in Kfz
Versicherungsaufseher Frank Grund rechnet damit, dass die Kfz-Versicherer, die seit Jahren unter einem starken Anstieg der Ersatzteilpreise und Reparaturlöhne leiden, wegen der unerwartet stark gestiegenen Inflation Nachreservierungen für Schäden vornehmen müssen. „Die Schadenaufwendungen steigen signifikant, das führt zu einer Erhöhung der versicherungstechnischen Rückstellungen“, sagte er auf einer Fachveranstaltung der Beratungsgesellschaft MSK und des Rückversicherers Scor. Insgesamt erwartet er steigende Preise in der Schaden- und Unfallversicherung.
Rückversicherer fahren zweigleisig
Die Rückversicherer hatten in den vergangenen fünf Jahren mit Naturkatastrophenschäden zu kämpfen, die höher waren, als sie erwartet hatten. Als Reaktion haben die Top 21-Anbieter ihre Budgets für diese Schäden kräftig aufgestockt. Bei der Zeichnung von Risiken verfolgen sie aber recht unterschiedliche Strategien, berichtet die Ratingagentur S&P. Während die eine Hälfte die Exponierung gegenüber Naturgefahren reduziert hat, haben die anderen ihr Angebot ausgeweitet. Welche Strategie die bessere ist, muss sich noch zeigen.













