Rating hält Hannover Rück in Atem

Konzern hält Kapitalschritte bereit, falls Agenturen Bonität herabstufen · Gewinnrückgang im Quartal

Von Herbert Fromme, Köln Der Rückversicherer Hannover Rück hat fertige Pläne für Kapitalmaßnahmen in der Schublade, mit denen er auf mögliche weitere Herabstufungen durch Rating-Agenturen reagieren wird. „Wir halten unsere Kapitalausstattung für angemessen“, sagte Vorstandschef Wilhelm Zeller gestern in einer telefonischen Analystenkonferenz. „Aber wir werden den Anforderungen der Rating-Agenturen folgen.“ Der fünftgrößte Rückversicherer der Welt will auf jeden Fall die Beurteilung von „AA-“ halten, auf die Standard & Poor’s die Hannover Rück am 15. April abgesenkt hatte. AM Best bewertet die Hannover Rück mit „A+“, überprüft aber diese Einschätzung. „Wir müssen mit einer Aktion der Rating-Agentur rechnen“, sagte Zeller. Der Konzern geht von einem Beschluss der Agentur in den kommenden Wochen aus.

Über die konkret geplante Reaktion schwieg Zeller sich aus. Das Unternehmen hatte schon in der Vergangenheit durch so genanntes Hybridkapital seine Kapitalposition ausgebaut. Dabei handelt es sich um langlaufende nachrangige Anleihen, die von den Rating-Agenturen als Eigenkapitalersatz anerkannt werden.

Eine Kapitalerhöhung möchte Konzernchef Zeller den Aktionären – 75 Prozent hält der Versicherungskonzern HDI – in der momentanen Verfassung der Märkte möglichst ersparen. „Wir freuen uns über jeden Tag, an dem wir nichts unternehmen müssen“, sagte er.

Die Hannover Rück ist in ihrem Gewerbe besonders auf gute Bonitätsbewertungen angewiesen. Sie sind maßgeblich für das Vertrauen der Kunden, der Erstversicherer. Das Rück-Geschäft besteht größtenteils darin, große und sehr langelaufende Risiken zu übernehmen. Die Hannover Rück hat im Markt den Ruf einer eher schwach kapitalisierten Gesellschaft und muss deshalb besonders vorsichtig sein.

Der HDI-Konzern hat bereits auf die Zwickmühle seiner Rückversicherungstochter reagiert. Früher liefen alle Rückversicherungsbeiträge der HDI-Gesellschaften über die Hannover Rück, die dann den größten Teil bei anderen Rückversicherern platzierte. Das kostete Eigenkapital. Deshalb regelt der HDI seit dem 1. Januar seine Rückversicherungsgeschäfte direkt. Diese Änderung und der schwache Dollar haben wesentlich zum Rückgang der Prämieneinnahmen im ersten Quartal beigetragen. Sie fielen um 15,2 Prozent auf 1,5 Mrd. Euro.

Der Gewinn fiel von 90 Mio. Euro auf 71 Mio. Euro – hauptsächlich auf Grund hoher Abschreibungen von 75 Mio. Euro. Im ersten Quartal 2002 fielen nur 7 Mio. Euro an. Allein auf Aktien musste der Konzern 46 Mio. Euro abschreiben. „Weitere Wertberichtigungen erwarten wir hier aber nicht“, sagte Finanzchefin Elke König. Die hohen Abschreibungen über 27 Mio. Euro auf festverzinsliche Papiere überraschten. „Wir haben unseren Bestand sorgfältig geprüft und wo nötig entsprechende Berichtigungen vorgenommen“, sagte König.

Im eigentlichen operativen Versicherungsgeschäft hat sich das Ergebnis leicht verschlechtert. Mit 100,3 Prozent der Beitragseinnahmen lag die Schaden-Kostenquote um 7,9 Prozent über der des ersten Vorjahresquartals. Als Grund nannte Zeller die starke Zunahme des Haftpflichtgeschäfts. Für mögliche Schäden werden gerade in den ersten Jahren hohe Schadenrückstellungen gebildet, die zum Teil in der Zukunft nicht benötigt werden. Anfangs belastet das Neugeschäft das Ergebnis. „Die positiven Ergebnisbeiträge schlagen erst in den Folgejahren zu Buche“, sagte Zeller. Insgesamt sei der Markt weiter sehr stabil, die Hannover Rück habe Anfang des Jahres hohe Preissteigerungen und bessere Bedingungen durchsetzen können. Für 2003 hält Zeller unverändert einen Jahresüberschuss von 280 Mio. Euro bis 310 Mio. Euro für möglich. 2002 hatte der Konzern 267 Mio. Euro verdient.

Zitat:

„Wir freuen uns über jeden Tag, an dem wir nichts unternehmen müssen“ – Wilhelm Zeller, Vorstandschef

Bild(er):

Hannover-Rück-Chef Wilhelm Zeller verrät nur, dass er auf eine eventuelle Herabstufung durch Rating-Agenturen reagieren wird – aber nicht wie – Novum/Walter Schmidt.

Quelle: Financial Times Deutschland

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