Winterthur verkauft Direktversicherer Churchill

Britische Tochter geht für 1,1 Mrd. Pfund an Royal Bank of Scotland · Schweizer Assekuranz stärkt Kapitalbasis

Von Herbert Fromme, Köln, und Fidelius Schmid, Frankfurt Die Schweizer Versicherungsgruppe Winterthur, die zur Credit Suisse gehört, setzt ihren Rückzug auf wenige Kernmärkte fort. Winterthur gab gestern den Verkauf des britischen Direktversicherers Churchill für 1,1 Mrd. £ (1,6 Mrd. Euro) an die Royal Bank of Scotland (RBS) bekannt. Die RBS zahlt außerdem 100 Mio. £ Darlehen an Credit-Suisse-Gesellschaften zurück. Das Geschäft soll im dritten Quartal abgeschlossen werden. Die Winterthur stärkt damit ihre Kapitalbasis, die durch die schwachen Aktienmärkte angeschlagen ist. Chef der Versicherung ist seit Ende 2002 Leonhard Fischer, früher Vorstandsmitglied der Dresdner Bank.

Der Verkauf in Großbritannien macht Marktgerüchte glaubhafter, nach denen Credit Suisse auch die deutsche Tochter DBV Winterthur mehreren großen Versicherungsgruppen zum Kauf angeboten hat. Sowohl der Schweizer Konzern als auch das Wiesbadener Tochterunternehmen haben das bisher stets zurückgewiesen.

Die Winterthur hat sich in den vergangenen Jahren aus wichtigen Märkten vollständig oder teilweise zurückgezogen. In Frankreich, Österreich, Portugal und den USA verkaufte die Gruppe Tochtergesellschaften. Zur Begründung gab die Winterthur jeweils an, dass sie sich auf Gebiete konzentrieren wolle, die zumindest sehr bald gewinnbringend seien.

Dieses Argument kann bei Churchill nicht gelten. Der 1988 von der Winterthur gegründete Direktversicherer ist äußerst erfolgreich. 2002 legte Churchill beim Gewinn vor Steuern um 48 Prozent auf 83 Mio. £ zu, die Prämieneinnahmen stiegen um 15 Prozent auf 2,14 Mrd. £. Das Unternehmen versichert vor allem Häuser und Autos per Telefon, Post oder Internet.

„Ein wichtiger Grund für den Verkauf war der uns angebotene gute Preis“, sagte ein Winterthur-Sprecher. Außerdem passe der Direktversicherer Churchill nicht in die übrige Winterthur-Gruppe mit ihren eher traditionellen Verkaufsstrukturen.

Die übernehmende Royal Bank of Scotland ist in den vergangenen vier Jahren von einer schottischen Regionalbank zum fünftgrößten Bankhaus der Welt aufgestiegen. Zuletzt kaufte die RBS das Kreditkartengeschäft der Santander Direkt Bank in Deutschland für 486 Mio. Euro. Sie wird auch als Interessent für die Nürnberger Norisbank genannt.

Durch den Zukauf wird RBS zum drittgrößten britischen Versicherer. Mit der ebenfalls sehr erfolgreichen Direct Line hat sie bereits einen Direktversicherer in der Gruppe, der sich auf die Autoversicherung konzentriert und auch in Deutschland präsent ist. Direct Line und Churchill werden zusammengelegt.

Dabei ist es wahrscheinlich, dass die RBS Churchill als eigenständige Marke weiter bestehen lässt. Das entspricht der erklärten Absicht von RBS-Chef Fred Goodwin, der auch nach anderen Übernahmen die Marken der übernommenen Konzerne weitergeführt hat. Der Personalabbau werde sich auf „mehrere Hundert, aber nicht auf mehrere Tausend Jobs belaufen“, sagte Goodwin gestern. Churchill hat zur Zeit 8000 Beschäftigte, die Direct Line 12 000. Außerdem wird Goodwin versuchen, Churchills Produkte auf die hauseigene IT-Struktur zu überführen, um Kosten zu sparen. „Damit eine Übernahme ökonomisch Sinn macht, muss sie Sparpotenziale haben. Das geht am besten in der Informationstechnologie und bei den Verwaltungskosten“, sagte Goodwin kürzlich in einem Interview mit der FTD.

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Fred Goodwin, Chef der Royal Bank of Scotland, greift nach Versicherer Churchill, dessen Logo ein Bullterrier ziert – FTD-Montage; FT/Ashley Ashwood.

Quelle: Financial Times Deutschland

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