Allianz greift im Stammgeschäft durch

Entscheidung über Umbau der deutschen Töchter steht kurz bevor · Verkauf eigener Aktien drückt Kurs

Von Herbert Fromme, Monte Carlo, und Angela Maier, Frankfurt

Nach dem Umbau zur europäischen Aktiengesellschaft (Societas Europaea, SE) treibt die Allianz die Schlankheitskur auf ihrem Heimatmarkt mit großen Schritten voran. Bereits am kommenden Wochenende will die Konzernführung ihre Pläne für die deutschen Gesellschaften durch deren Aufsichtsräte bringen, verlautete aus Versicherungskreisen. Unter anderem treten die Aufsichtsgremien der drei Kerngesellschaften Allianz Versicherung, Allianz Lebensversicherung und Allianz Private Krankenversicherung zusammen, ebenso die Ausschüsse der leitenden Angestellten.

Sie sollen unter anderem die Trennung von operativem Versicherungsgeschäft und Vertrieb beraten. Zudem sollen aus den sieben Zweigniederlassungen (ZN) Aufgaben in die Zentrale verlagert werden. Die tiefsten Einschnitte sind in der Sachversicherung geplant, deren Chef Reiner Hagemann zurücktritt.

Am Montag will der Konzern die Eckpunkte bekannt geben. Die Voraussetzung dafür hat Allianz-Chef Michael Diekmann mit der am Wochenende ebenfalls beschlossenen Bündelung des deutschen Versicherungsgeschäfts geschaffen.

Diekmann hatte angekündigt, die italienische Tochter Riunione Adriatica di Sicurtà für 5,7 Mrd. Euro ganz zu übernehmen und mit der Allianz-Obergesellschaft zu verschmelzen. Dabei wandelt sich die Allianz in eine europäische AG um, als erster großer Konzern in Europa. Diekmann bezeichnete dies vor der Presse in Mailand gestern als „Meilenstein in der Unternehmensgeschichte“. Damit einher geht ein Umbau von Vorstand und Aufsichtsrat. Für die französische Tochter AGF schloss Diekmann ein Vorgehen wie bei RAS nicht aus. „Aber derzeit ist das in Bezug auf die Bewertung nicht attraktiv.“

Der Allianz-Aktienkurs gab gestern um 3,3 Prozent auf 105,45 Euro nach. Der Versicherer verkaufte an der Börse eigene Anteilsscheine für 2,2 Mrd. Euro.

Dass Diekmann die Führung des gesamten deutschen Versicherungsgeschäfts dem bisherigen Allianz-Leben-Chef Gerhard Rupprecht übertrug, hat schnell gravierende Konsequenzen: Rupprecht kündigte in einer Mitarbeiter-E-Mail Kostensenkungen an. Der deutsche Marktführer nutze die Vorteile, die er auf Grund seiner Größe habe, nicht voll aus. „Zug um Zug“ solle für alle operativen deutschen Gesellschaften eine gemeinsame Verwaltungsplattform eingeführt werden. Geschäftsabläufe und EDV-System sollten stärker standardisiert werden. Bis Ende des Jahres sollen „Leitlinien für die künftige Organisation des Versicherungsbetriebs“ stehen. Für die ZN gab Rupprecht eine Bestandsgarantie nur für das Jahr 2006.

Diekmann sagte, die neue SE-Struktur vereinfache die Führung erheblich. „Wir werden die Kosten signifikant reduzieren.“ Zu Volumen und möglichem Stellenabbau sagte er nichts. Analysten gehen von Einsparungen von mindestens 200 Mio. Euro in Italien und Deutschland aus. In Versicherungskreisen gilt als sicher, dass RAS mit ihrer Schwester Lloyd Adriatico zusammengelegt wird.

Quelle: Financial Times Deutschland

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