Munich Re: Ungewöhnlich wenig Hurrikans

Die Sturm-Saison in den USA ist bisher glimpflicher als sonst ausgefallen. Einiges spricht dafür, dass das für den Rest des Jahres so bleibt. Steigende Preise für Naturkatastrophen-Deckungen werden dadurch unwahrscheinlicher.

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Gebäude direkt an der Küste sind von Hurrikanen am stärksten bedroht. Hier nach „Sandy“ 2012

© Lwp Kommunikacio

2013 hat sich vor den Küsten der USA noch kein einziger Hurrikan entwickelt. So nennen Meteorologen Stürme, die besonders große Ausdehnung und Langlebigkeit, sowie Windgeschwindigkeiten über 120 Kilometer pro Stunde erreichen. Bisher gab es lediglich sieben Unwetter mit Sturmstärke in der Region, das heißt mit Windgeschwindigkeiten über 70 Kilometer pro Stunde. „Tatsächlich gab es bis jetzt noch keinen tropischen Wirbelsturm, der Hurrikanstärke erreichte und das ist sehr ungewöhnlich“, sagte Munich Re-Meteorologe Peter Höppe.

Eigentlich ist das Risiko für schwere Stürme angesichts der vorherrschenden Warmphase im Atlantik seit einigen Jahren besonders hoch, so Meteorologe Höppe. „Diese Warmphase dauert seit 18 Jahren an und wird wahrscheinlich noch viele Jahre anhalten“, sagte er dem Versicherungsmonitor. Durchschnittlich gibt es seitdem 3,8 schwere Hurrikane der Stärke 3 bis 5 pro Jahr. In der zuvor von 1970 bis 1995 herrschenden Kaltphase waren es deutlich weniger, nämlich 1,5 schwere Hurrikane im Jahr.

Die Risikomodellierung nach wechselnden langjährigen Temperaturphasen ist relativ neu, erklärt Höppe. „Bis 2005 wurden einfach die Daten der vorangegangenen 50 Jahre als Datenbasis genommen.“ Das änderte sich nach sich häufenden schweren Hurrikans.

Ein solcher schwerer Hurrikan der Stufe 4 traf am 13. September 2008 mit Windgeschwindigkeiten von rund 150 Km/h den Bundesstaat Texas. „Ike“ verursachte nach Angaben Höppes versicherte Schäden in Höhe von 18,5 Mrd. Dollar. Damit ist er der bisher drittteuerste Hurrikan überhaupt, nach „Katrina“ im Jahr 2005 mit 62 Mrd. Dollar und „Sandy“ im Jahr 2012 mit 30 Mrd. Dollar versicherten Schäden.

Es gibt Anzeichen, dass die Situation bis zum Ende der Sturmsaison 2013 entspannt bleibt, sagte Höppe. So sei die Luft in der mittleren Atmosphäre über dem Nordatlantik relativ trocken und die Wasseroberflächentemperatur vergleichsweise niedrig. In den vergangen Jahren war der Monat September besonders reich an schweren Stürmen.

Bleiben die großen Sturmschäden aus, fiele ein Argument für höhere Versicherungsprämien in der Gebäudeversicherung weg. Ebenso gegen Erhöhungen spricht, dass in der Rückversicherung von Naturkatastrophen-Deckungen laut Beobachtern eher ein Überangebot an Kapazitäten besteht. „Allerdings hatten die Versicherer wegen Hurrikan ‚Sandy‘ 2012 extrem hohe Kosten zu verkraften“, gab Höppe zu bedenken.

Mit stabiler Bauweise können Hausbesitzer zumindest für schwächere Hurrikans der Stufe 1 und 2 vorsorgen. Bei Wirbelstürmen der Stärke 3 bis 5 lassen sich die Schäden damit kaum verringern. Es könnte sogar zu höheren Kosten kommen, weil Massiv-Häuser teurer sind, sagt Höppe. Das Problem seien zunehmende Bauvorhaben direkt an der Küste, wo die Windstärken besonders hoch ausfallen und zusätzlich ein Sturmflutrisiko besteht. „Hier wäre der Staat gefragt, den Bau in sturmflutgefährdeten Gebieten einzuschränken“, sagte Höppe.

Jonas Tauber


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