Swiss Re glaubt an kurze Schwächephase

Der Rückversicherer Swiss Re erwartet für 2013 einen weiteren Rückgang der Preise für Naturkatastrophenrisiken. Ab 2014 soll das Segment aber wieder in ruhiges Fahrwasser geraten. In anderen Sparten bleiben die Prämien stabil.

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Die Führung der Swiss Re (Christian Mumenthaler, Matthias Weber, Michel Liès v.l.n.r.) erwartet, dass sich die Prämien ab 2014 stabilisieren werden

© Herbert Fromme

Der weltweit zweitgrößte Rückversicherer Swiss Re erwartet spürbare Auswirkungen des Zustroms von Milliarden aus dem Kapitalmarkt, allerdings nur für eine kurze Zeit. „Die Preise für Nat-Cat-Deckungen werden sinken, sich aber 2014 stabilisieren“, sagte Chief Underwriting Officer Matthias Weber am Montag in Monte Carlo. „In anderen Sparten erwarten wir, dass die Preise stabil bleiben.“

Weber nannte eine Reihe von Gründen: Neben dem Zufluss der Kapitalmarktgelder spricht das bisherige Ausbleiben von Großschäden im laufenden Jahr für sinkende Preise.

Für gegenläufigen Druck sorgt die Tatsache, dass die freien Schadenreserven der Rückversicherer nach jahrelangem Abfluss immer kleiner werden.

„Wir nehmen den Zufluss von alternativem Kapital ernst, sind aber nicht beunruhigt“, sagte Weber. „Wir können unsere Expertise in diesem Feld nutzen, und gleichzeitig erfolgreich als Anbieter mit Rundumservice konkurrieren.“ Anders sehe es bei kleinen und weniger diversifizierten Anbietern aus: „Sie werden erheblich unter Druck kommen.“

Das Unternehmen glaubt, dass sich die Nachfrage nach Naturgefahrendeckungen in den aufstrebenden Wachstumsmärkten bis 2020 verdoppeln wird, in den reifen Märkten soll sie um 50 Prozent zulegen. Davon erhofft sich der Rückversicherer, dass ein großer Teil des zusätzlichen Kapitals aufgenommen wird. Zurzeit gingen 70 Prozent in das US-Natcat-Geschäft.

Rückversicherungschef Christian Mumenthaler nannte die langjährige Stabilität seines Unternehmens einen wichtigen Faktor für die Kundenbeziehung. Swiss Re wird in diesem Jahr 105 Jahre alt. „Wir haben 2012 den letzten Schaden aus dem Jahr 1950 gezahlt“, sagte er. Das könne man bei einem Kurzfristinvestor nicht erwarten.

Die niedrigen Zinsen bescherten vor allem den Lebensversicherern Probleme, sagte Weber. „Auf der Schaden- und Unfallseite mag ich die niedrigen Zinsen“, sagte er. „Denn dann ist die Inflation auch niedrig, und die Schadenentwicklung bleibt im Rahmen.“

Auf die Frage, ob sich die Rückversicherer denn jetzt in eine Weichmarktphase bewegten, sagte Weber: „Wir hatten in letzter Zeit weder einen weichen noch einen harten Markt.” Es habe in den 90er Jahren starke Ausschläge gegeben, auch nach dem 11. September 2001 und nach Hurrikan Katrina. „Aber heute könnte man eigentlich einen weichen Markt erwarten, mit niedrigen Zinsen und hohem Kapital. Aber den gibt es nicht.“ Schließlich verdiene die Branche ordentlich.

Konzernchef Michel Liès sagte, die Gruppe bleibe bei ihrem Ziel, die Rivalen im Segment Schaden- und Unfall auszustechen – sowohl in der Rück- als auch in der Erstversicherung. In der Lebens-Rückversicherung müsse Swiss Re weiter an der Verbesserung der niedrigen Margen arbeiten.

Herbert Fromme


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