Continentale stellt Einheit der PKV in Frage

Die privaten Krankenversicherer müssen überlegen, ob die unterschiedlichen Interessen von Aktiengesellschaften und Versicherungsvereinen auch künftig noch von einem gemeinsamen Verband vertreten werden können. Davon geht Helmut Posch aus, der Vorstandschef der Continentale Versicherungsgruppe. Generell fordert er von der Branche mehr Ehrlichkeit und Transparenz.

13. Continentale PKV-Forum

Helmut Posch, Vorstandsvorsitzender der Continentale, auf dem PKV-Forum des Versicherers in Köln

© Rupert Warren

Ein führender Manager der privaten Krankenversicherung (PKV) hat erstmals den Weiterbestand des PKV-Verbands in seiner jetzigen Form in Frage gestellt. Die Branche müssen prüfen, ob die als Aktiengesellschaft organisierten Versicherer und die Versicherungsvereine weiterhin an einem Strang ziehen sollen, sagte der Vorstandsvorsitzende der Continentale Versicherungsgruppe Helmut Posch auf dem PKV-Forum der Continentale in  Köln.Die Aktiengesellschaften hätten zum Teil völlig andere Interessen als die Vereine, sagte Posch. „Wir müssen den Dissens auflösen oder wir müssen getrennte Wege gehen.” Gerade wenn es um die Zukunft der privaten Vollversicherung in Deutschland geht, setzen die großen Aktiengesellschaften, die zu international aktiven Konzernen gehören, andere Schwerpunkte als die Versicherungsvereine, die oft einen Schwerpunkt in der PKV haben. Für die großen Konzerne spielt die Vollversicherung keine entscheidende Rolle, sie könnten auch mit einer Begrenzung der Branche auf die Zusatzversicherungen leben.

In diesen Fragen brauche es innerhalb der Branche eine neue Offenheit und Ehrlichkeit, betonte Posch. Eine größere Transparenz hält er auch in der Außenwirkung der PKV für notwendig. „Wir schaffen es nicht, Transparenz darüber herzustellen, was sie PKV leisten kann und was sie nicht leisten kann.” Das betreffe etwa den Versicherungsumfang und die Prämienentwicklungen. „Wenn es uns nicht gelingt, die PKV als privatwirtschaftliches System mit risikoadäquaten Preisen und Leistungen darzustellen, dann wird die PKV verlieren”, betonte der Continentale-Chef.

Seiner Einschätzung nach müssen die PKV-Unternehmen etwa einem Kunden, der sich im Alter von 40 Jahren privat versichert, klar sagen, was er an Beitragsentwicklung zu erwarten hat. Die Kunden müssten wissen, dass die Prämien risikoadäquat bemessen sind, dass darüber hinaus aber auch die Kostenentwicklung entscheidend ist.

Handlungsbedarf sieht Posch nach wie vor bei den provisionsgetriebenen Verkaufspraktiken mancher Anbieter. „Wir dürfen nicht bestimmte Vertriebe bedienen, die nicht das Kundeninteresse, sondern ausschließlich das Provisionsinteresse im Blick haben.

Auch der gesundheitspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Jens Spahn mahnte erneut Reformen in der PKV an. Zwar sei in den vergangenen drei, vier Jahren schon einiges passiert. „Aber es gibt Themen, die wir beackern müssen”, sagte Spahn. Dazu zählten nach wie vor die Beitragssteigerungen im Altern und der Mindestversicherungsumfang der PKV-Policen.

Ilse Schlingensiepen


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