Optimistischer Blick auf digitale Assekuranz

Menschliche Arbeit wird durch die Digitalisierung und Automatisierung nicht überflüssig, die Aufgaben der Beschäftigten ändern sich aber. Das war die einhellige Meinung auf einer Veranstaltung des Vereins zur Förderung der Versicherungswissenschaft in Berlin. Ein Vertreter der Berliner Industrie- und Handelskammer sagte, die Digitalisierung senke zwar den Bedarf nach Arbeitskräften in der Hauptstadt bis 2030. Allerdings werde sich der Rückgang aufgrund des entgegengesetzten Effekts durch den demografischen Wandel in Grenzen halten.

von links: Hans-Peter Schwintowski (Humboldt-Universität Berlin), Constantin Terton (IHK Berlin), Dirk Förterer (Allianz Deutschland), Karl Grandl (Wefox)

© Jonas Tauber

Durch die Digitalisierung und neue Technologien wie künstliche Intelligenz ändern sich die Aufgaben für die Beschäftigten in der Versicherungswirtschaft. Sie müssen aber nicht fürchten, durch Roboter ersetzt zu werden. Das war Konsens auf einer Veranstaltung des Vereins zur Förderung der Versicherungswissenschaft in Berlin. „Was passiert durch die Digitalisierung? Wir werden produktiver“, sagte Dirk Förterer, Direktor Zukunftsthemen Politik und Regulierung bei Allianz Deutschland. Durch die Automatisierung von Prozessen könnten sich Mitarbeiter mehr auf Aufgaben wie die Kundenberatung konzentrieren. Außerdem sorge der technologische Wandel für neue Chancen für Versicherer, beispielsweise in der Cyberversicherung, so Förterer.

Karl Grandl, Chief Insurance Officer beim Insurtech Wefox, äußerte sich ähnlich. Gerade bei komplexen Produkten in der Altersvorsorge sei eher von einem steigenden persönlichen Beratungsbedarf auszugehen. Gute Jobaussichten stellte er außerdem Datenanalysten aus. Der zentrale Trend auf der Produktseite sei die Sammlung und Auswertung von Daten, die unter anderem über die Geotracking-Funktion des Smartphones aufgezeichnet werden können. „Ich denke, der Weg geht in Richtung Prävention“, sagte er. Als Beispiel nannte er das Vitality-Programm des südafrikanischen Anbieters Discovery, das die Generali in Deutschland in Lizenz betreibt.

Die Meinungen gehen stark auseinander bei der Frage, wie sich der technologische Wandel auf den Arbeitsmarkt auswirken wird. Während die einen von einer zunehmenden Ablösung menschlicher Jobs durch Technologien wie künstliche Intelligenz ausgehen und neue Konzepte wie eine Robotersteuer ins Gespräch bringen, blicken andere optimistischer in die Zukunft. Nach ihrem Dafürhalten wird der Mensch nicht durch Technologie ersetzt werden, sondern unterstützt und entlastet.

Qualifikation ist entscheidend

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin sieht durch die Digitalisierung in erster Linie Arbeitnehmer gefährdet, die unterstützende Aufgaben übernehmen. Sie hat das Darmstädter Wifor-Institut gebeten, die voraussichtliche Auswirkung der Digitalisierung auf Berlin bis ins Jahr 2030 zu untersuchen. „Für Geringqualifizierte wird es schon zur Bedrohung“, sagte Constantin Terton, Bereichsleiter Fachkräfte und Innovation bei der IHK Berlin. Demnach geht die Untersuchung von einem Rückgang der Nachfrage nach niedrig Qualifizierten Mitarbeitern über alle Branchen von 16 Prozent aus. Bei Fachkräften liegt der Effekt dagegen nur bei minus 1 Prozent.

In der Finanz- und Versicherungswirtschaft liegt der Effekt bei minus 18 Prozent in Bezug auf Geringqualifizierte, bei beruflich Qualifizierten wie Bank- und Versicherungskaufleuten bei minus 4,5 Prozent. Bei Akademikern gibt es dagegen positive Effekte. Durch die Digitalisierung steigt die entsprechende Nachfrage bei Banken und Versicherern in Berlin um 4,5 Prozent. Grundsätzlich sei es so, dass die Digitalisierung die Nachfrage nach Beschäftigten über alle Branchen senkt, sagte Terton abschließend. Allerdings seien die Folgen anderer Megatrends wie des demografischen Wandels deutlich stärker. Der dadurch entstehende Fachkräftemangel könne nicht voll ausgeglichen werden.

Jonas Tauber

Dieser Text ist nur für Abonnenten von Herbert Frommes Versicherungsmonitor Premium persönlich bestimmt. Das Weiterleiten der Inhalte – auch an Kollegen – ist nicht gestattet. Bitte bedenken Sie: Mit einer von uns nicht autorisierten Weitergabe brechen Sie nicht nur das Gesetz, sondern sehr wahrscheinlich auch Compliance-Vorschriften Ihres Unternehmens.


Kategorien: Allgemein, Industrieversicherung, Insurtech, Nachrichten, Top News, Versicherer

Diskutieren Sie mit