Von der Automobilbranche lernen

Autohersteller produzieren ihre Fahrzeuge nur zu 25 Prozent selbst, 75 Prozent stammen von Zulieferern. Für Wolff Graulich, Vorstand beim Digitalversicherer Element, ist das ein Weg, den auch Versicherer einschlagen sollten. Element könne Versicherern dabei helfen, innovative Produkte zu entwickeln. Da das Unternehmen ein White Label-Anbieter ist und nicht unter eigenem Namen auftritt, macht es Versicherern nicht direkt Konkurrenz. Graulich erwartet, dass vor allem kleine und mittelgroße Versicherer bald solche Partnerschaften eingehen.

Die Versicherer sollten sich die Automobilbranche zum Vorbild nehmen, glaubt Wolff Graulich, Vorstand beim Digitalversicherer Element

© Marc-André Hergenröder/Euroforum

Versicherer können im Umgang mit Insurtechs viel von der Automobilbranche lernen, glaubt Wolff Graulich, Vorstand beim Digitalversicherer Element. „Es ist die richtige Zeit für Partnerschaften zwischen alten und neuen Unternehmen“, sagte er auf der Euroforum Haftpflicht-Konferenz in Hamburg. Die Zusammenarbeit der Autohersteller mit ihren Zulieferern könne als Vorbild für die Versicherer dienen. Sie produzieren ihre Fahrzeuge nur zu 25 Prozent selbst, 75 Prozent stammen von Zulieferern. „Sie geben damit den Weg vor, den auch Versicherer und Banken einschlagen können“, sagte Graulich. „Richtig gemacht ändert das auch an der Kundenbindung nichts.“

Element ist ein White Label-Anbieter von Versicherungslösungen, tritt also nicht unter eigenem Namen auf. Somit macht das Unternehmen Versicherern nicht direkt Konkurrenz. „Wir liefern digitale Versicherungsprodukte, die andere unter ihrer Marke vertreiben können“, sagte Graulich. Element hat mit Borussia Dortmund und Signal Iduna eine Haftpflicht- und Hausratpolice für BVB-Fans entwickelt, bei der das Insurtech nach außen nicht auftritt. Für das Fluggastrechteportal Fair Plane hat Element eine Flugverspätungspolice aufgelegt. Im Auftrag von VW Financial Services hat der Digitalversicherer gerade eine Reihe von Kurzzeitpolicen für spezielle Autoversicherungsrisiken entwickelt.

Im Zuge der Digitalisierung ändern sich die Kundenbedürfnisse, sagte Graulich. „Sie erwarten aufgrund ihrer Erfahrungen in anderen Branchen zunehmend individuell zugeschnittene Policen.“ Graulich kann sich hier zum Beispiel vorstellen, Käufern von hochwertigen Immobilien passgenau zugeschnittene Multiline-Policen anzubieten, die alle wichtigen Risiken abdecken. „Mehr und mehr Kunden im gewerblichen und im Privatkundenbereich wollen Produkte, die sich schmerzfrei anpassen lassen.“

Nicht viele traditionelle Versicherer seien in der Lage, solche Innovationen schnell umzusetzen. Das liege nicht nur an veralteter IT. „Auch an gute Entwickler kommt man nicht so einfach ran“, sagte er. Vor allem für kleinere Anbieter sei das schwer. „Kleine und mittelgroße Versicherer werden die ersten sein, die Teile ihrer Wertschöpfungskette zusammen mit Partnern wie uns machen.“

Anders als viele Insurtechs – vor allem aus der ersten Gründungswelle – will Element den Versicherern nicht die Kundenschnittstelle streitig machen. „Die Versicherer sind eigentlich ziemlich gut bei Vertrieb und Kundenpflege“, sagte Graulich. „Warum sollten wir als Newcomer den Versicherern ausgerechnet an dieser Stelle Konkurrenz machen.“

Outsourcing von Versicherern ist noch Zukunftsmusik

Ramin Niroumand, Chef des Inkubators Finleap, der Element gegründet hat, kann sich vorstellen, dass Element ein weitgehendes Outsourcing von Versicherern übernehmen könnte. Investoren könnten schlecht laufende Versicherer übernehmen und von Element betreiben lassen, sagte er vergangenes Jahr auf einer Fachkonferenz. Bislang ist das noch Zukunftsmusik, sagte Graulich. Er verwies aber auf das Beispiel der Feuersozietät Berlin Brandenburg, bei der zentrale Funktionen vom Eigentümer Versicherungskammer Bayern gestellt werden. „Das zeigt, dass man Marken mit guter Kundenbasis hervorragend nutzen kann, ohne alles selber machen zu müssen.“ Zurzeit führe Element Gespräche mit einem kleineren Versicherer, der gerade aufgrund von IT-Problemen bestimmte Produkte nicht entwickeln könne.

Zu einem möglichen Markteinstieg des Tech-Giganten Amazon sagte Graulich, dass er nicht damit rechnet, dass das Unternehmen selbst Versicherer wird. „Warum sollte Amazon einen eigenen Risikoträger bauen, wenn sie die Anbieter auch an der Kundenschnittstelle ausquetschen, wie Check 24 das offenbar erfolgreich macht?“

Patrick Hagen

Dieser Text ist nur für Abonnenten von Herbert Frommes Versicherungsmonitor Premium persönlich bestimmt. Das Weiterleiten der Inhalte – auch an Kollegen – ist nicht gestattet. Bitte bedenken Sie: Mit einer von uns nicht autorisierten Weitergabe brechen Sie nicht nur das Gesetz, sondern sehr wahrscheinlich auch Compliance-Vorschriften Ihres Unternehmens.


Kategorien: Allgemein, Insurtech, Nachrichten, Top News, Versicherer

Diskutieren Sie mit