Der Rückversicherer Scor hat nach einem sehr schwachen Geschäftsjahr 2024 im Jahr 2025 wieder höhere Gewinne verbuchen können. Rückgänge gab es allerdings bei den Prämieneinnahmen. Chef Thierry Léger blickt dennoch positiv in die Zukunft seines Unternehmens. Bei der Vorstellung der Quartalszahlen berichtete er von Erfolgen bei der Nutzung von künstlicher Intelligenz. Mitarbeitende von Scor müssten aber keine Angst haben, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, versprach er.

© Scor
Nachdem der französische Rückversicherer Scor im Jahr 2024 aufgrund von Problemen in der Sparte Leben und Kranken tief in die roten Zahlen gerutscht war, konnte der Konzern im vergangenen Jahr wieder erfreulichere Ergebnisse aufweisen. „Scor ist wieder auf der Spur“, sagte CEO Thierry Léger bei der Vorstellung der Geschäftszahlen. Er kündigte an, das Unternehmen wolle künftig „auf profitable und diversifizierte Weise“ wachsen.
Im zweiten Quartal 2024 war Scor aufgrund eines hohen Rückstellungsbedarfs im Bereich Lebens- und Krankenrückversicherung mit einem Verlust von mehr als 300 Mio. Euro in die roten Zahlen gerutscht. Die Talsohle sei jetzt durchschritten, sagte Léger. Von 2024 auf 2025 stieg der Konzernüberschuss von 4 Mio. Euro auf 851 Mio. Euro.
Die Franzosen mussten jedoch Rückgänge beim Versicherungsumsatz hinnehmen, der von 16,1 Mrd. Euro im Jahr 2024 auf 15,4 Mrd. Euro zurückging. Die Bruttoprämien, das alte Maß für den Versicherungsumsatz aus der Zeit vor IFRS 17, sank um 6,8 Prozent auf 18,7 Mrd. Euro. Nach einer Phase steigender Preise für Rückversicherungen sind sie seit einiger Zeit wieder stärker unter Druck. Trotzdem sollen Aktionärinnen und Aktionäre von einer höheren Dividende profitieren und künftig 1,90 Euro je Aktie erhalten – eine Steigerung von 10 Cent gegenüber dem Vorjahr.
In der Schaden- und Unfallversicherung verbesserte sich die Schaden- und Kostenquote dank geringer Großschäden von 86,3 Prozent im Vorjahr auf 82,3 Prozent. Gleichzeitig stieg das versicherungstechnische Ergebnis deutlich von 779 Mio. Euro auf 957 Mio. Euro. Legér führt das neben geringeren Großschäden auf ein strengeres Underwriting zurück. Zudem habe der Rückversicherer sein Portfolio auf margenstärkere Geschäftsbereiche ausgerichtet, um die Sparte nachhaltig profitabel zu halten.
In der kriselnden Leben- und Krankensparte verzeichnete Scor einen Rückgang von 7,8 Prozent auf rund 9,4 Mrd. Euro bei den Prämieneinnahmen. Das versicherungstechnische Ergebnis belief sich auf 450 Mio. Euro, das Neugeschäft erreichte 464 Mio. Euro.
Scor will Mitarbeitende halten
Legér zeigte sich beim Thema künstliche Intelligenz (KI) besonders optimistisch. Scor erziele hier bereits sehr zufriedenstellende Ergebnisse und sei dabei, KI in immer mehr Systeme – zum Beispiel in die Underwriting- und Pricingsysteme – einzubinden. „Unsere Plattform wird skalierbarer sein als je zuvor“, kündigte Legér an.
Derzeit kommt KI bei der Vertragsprüfung zum Einsatz. „Manchmal haben wir fünf verschiedene Versionen desselben Vertrags. Die Fähigkeit von KI und großen Sprachmodellen, bestimmte Vertragsabschlüsse zu qualifizieren, ist für uns ein immenser Mehrwert“, sagte er. Zudem nutzt Scor KI, um unstrukturierte Daten in strukturierte umzuwandeln. Das spare enorm viel Zeit. „Was wir vorher in fünf Jahren geschafft haben, erledigen wir mithilfe von KI jetzt in sechs Monaten“, berichtete Legér.
Um weitere Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz zu erzielen, arbeitet Scor mit rund 100 KI-Experten zusammen. Sorgen wegen der Konkurrenz macht sich Legér nicht. „Ich bin überzeugt, dass wir KI schneller als der Durchschnitt der Unternehmen einsetzen können“, glaubt er.
Auf die Frage, ob KI Arbeitsplätze kosten werde, nahm der Konzernchef eindeutig Stellung: „Insgesamt ist es unser Ziel, unseren Mitarbeiterstamm stabil zu halten“, versprach er. Er räumte jedoch ein, dass einige Berufsgruppen mit dem Thema mehr zu kämpfen haben werden als andere. Ob es tatsächlich zu keinem Arbeitsplatzabbau kommt, bleibt abzuwarten. Versicherer wie die Allianz und die Munich Re-Tochter Ergo haben bereits angekündigt, Jobs aufgrund von KI streichen zu wollen, beispielsweise im Kundenservice.
Okan Mese
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