Nachdem die Vertragserneuerungen im Januar dieses Jahres enttäuschend verlaufen waren, konnten die Rückversicherer bei den Verhandlungen zur Jahresmitte deutliche Preissteigerungen erzielen. Das wird sich auch bei der Erneuerungsrunde im Januar 2020 fortsetzen, erwartet die Ratingagentur Fitch. Ein Grund dafür sind geringere Kapazitäten auf dem Retro-Markt. Rückversicherer müssen also selbst mehr zahlen, wenn sie Risiken an den Kapitalmarkt oder Retroversicherer abgeben.
Rückversicherer
Schneller und einfacher zur Police
Der Abschluss von Risikopolicen in der Lebensversicherung hat wenig zu tun mit dem, was Kunden beim Online-Einkauf oder der Auswahl und Buchung von Dienstleistungen über eine App gewohnt sind. Grund ist die umfangreiche Risikoprüfung, die von Kunden und Vermittlern als potenzieller Hemmschuh auf dem Weg zum Vertragsabschluss gesehen wird. Underwriting-Experte Markus Unterkofler vom Rückversicherer Swiss Re erklärt im Interview mit dem Versicherungsmonitor, wie ein deutlich reduzierter Antragsprozess das Kundenerlebnis beim Versicherungskauf verbessern und die Wachstumschancen der Versicherer erhöhen kann. Die Swiss Re bietet Erstversicherern seit Kurzem ein cloudbasiertes Risikoprüfungssystem an.
Rückversicherer: M&A immer noch „heißes Thema“
Die Aussichten auf dem Rückversicherungsmarkt haben sich durch die leichten Preiserhöhungen in den vergangenen anderthalb Jahren zwar leicht verbessert, aber die generellen Probleme bestehen immer noch. Deshalb rechnet die Ratingagentur Standard & Poor’s damit, dass die Übernahmen und Fusionen (M&A) in der Branche weitergehen werden. Vor allem Nischenanbieter, die auf einen Geschäftsbereich oder wenige Länder spezialisiert sind, könnten zu Übernahmekandidaten werden.
Talanx blickt optimistisch auf Industrieversicherung
Der Hannoveraner Versicherer Talanx sieht sich bei der Sanierung der schadenbelasteten Industrieversicherung auf Kurs. Finanzchef Immo Querner hält trotz einer stabilen Schaden- und Kostenquote in Höhe von 102,3 Prozent am Ziel fest, für das Gesamtjahr eine Quote von rund 100 Prozent zu erreichen. Dabei setzt er unter anderem auf bereits erreichte Verbesserungen in der Feuerversicherung und Wachstum aus dem Joint Venture für Spezialrisiken mit Hannover Rück. Die Talanx rechnet jetzt für 2019 mit einem höheren Gewinn von mindestens 900 Mio. Euro.
Cybermarkt besonders attraktiv für Rückversicherer
Rückversicherer sind besonders gut aufgestellt, um den globalen Cybermarkt zu entwickeln. Davon gehen die Analysten von Standard & Poor’s (S&P) in einem aktuellen Bericht aus. „Generell glauben wir, dass die Rückversicherer gut positioniert sind, um die weitere Entwicklung des Cyberversicherungsmarktes zu ermöglichen“, schreiben die Autoren. Sie hätten die Expertise, um anderen Markteilnehmern bei der Risikobewertung und dem Underwriting zu helfen. Außerdem bietet der Markt besonders für die Rückversicherer selbst viel Potenzial.
Hannover Rück verdient an Viridium
Der Rückversicherer Hannover Rück hat sein Beitragsaufkommen im ersten Halbjahr um 17 Prozent gesteigert. Beim Gewinn profitierte der Konzern von einem Sondereffekt in Höhe von 100 Mio. Euro aus der Beteiligung an der Run-off-Plattform Viridium. In der Vertragserneuerung in der Schadenrückversicherung konnte die Talanx-Tochter höhere Preise erzielen, die Großschäden fielen vergleichsweise niedrig aus. Allerdings musste die Gesellschaft weitere Schäden aus dem Taifun „Jebi“ vom Vorjahr verbuchen.
Willis Re: ILS-Markt verliert an Fahrt
Im zweiten Quartal 2019 ist der Markt für Versicherungsverbriefungen im Nicht-Leben-Bereich um 1,7 Mrd. Dollar gewachsen – deutlich weniger als in den Vorjahren mit Ausnahme von 2016. Das berichtet der Rückversicherungsmakler Willis Re, der von einer Normalisierung spricht. Der Markt für Insurance Linked Securities (ILS), über den sich beispielsweise Hurrikanrisiken absichern lassen, hatte in der Vergangenheit Rekordzuwächse verzeichnet. Das setzte die Preise in der traditionellen Rückversicherung unter Druck. Bei den jüngsten Erneuerungsrunden traten die alternativen Kapitalgeber offenbar verhaltener auf.
Munich Re genießt Investmenterträge
Der Rückversicherer Munich Re hat im ersten Halbjahr 2019 eine Gesamtrendite von 12,1 Prozent auf seinen Kapitalanlagenbestand von 245 Mrd. Euro erzielt. Anleihen, Aktien, Credits – alle liefen gut. Aber Finanzchef Christoph Jurecka warnte, dass es sich um ein zufälliges Ergebnis handele und die Zahlen auch wieder deutlich schlechter werden könnten. Von den 12,1 Prozent zeigt der Konzern 3 Prozent im Ergebnis, 9,1 Prozent bunkert er in der Form von stillen Reserven auf seine Kapitalanlagen. Auch in der Versicherungstechnik lief es sehr gut, sagte Konzernchef Joachim Wenning (Bild), der sehr zufrieden mit den Zahlen war. Dazu trugen auch die niedrigen […]
Mylife: Jens Arndt tritt Dreibrodt-Nachfolge an
Leute – Aktuelle Personalien Der Lebensversicherer für Nettotarife Mylife hat Jens Arndt zum Vorstandsvorsitzenden ernannt. Damit ist ein Nachfolger für den im März verstorbenen Michael Dreibrodt gefunden. Einen Neuzugang in der Chefetage vermeldet auch die Nürnberger Versicherung. Sie macht Bettina Quirin zur Vorständin bei der Tochter für Schadenservice Nürnberger Sofort Service. Außerdem: Reinhard Kunz wird Vorstand des Nischenversicherers Astra Direct Versicherung. Swiss Re hat Urs Baertschi zum CEO für Europa, den Nahen Osten und Afrika ernannt und das österreichische Insurtech Bsurance holt Hermann Fried als Chief Insurance Officer.
XL-Einheiten treiben Umbau von Axa-Gruppe voran
Dank der guten Ergebnisse der Axa XL-Einheit, in der das Industrie- und Rückversicherungsgeschäft der Axa gebündelt ist, verzeichnete der französische Versicherer im ersten Halbjahr 2019 einen operativen Gewinn von 3,6 Mrd. Euro. Das entspricht einem Plus von 7 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Allerdings konnten das Neugeschäft und gestiegene Preise nicht die durch den Verkauf von Axa Equitable gesunkenen Einnahmen ausgleichen. Außerdem drückte der gesunkene Marktwert von Derivaten zusätzlich auf den Nettogewinn. Er sank um 19 Prozent, nachdem er bereits im ersten Halbjahr 2018 und zum Ende 2018 gefallen war.
Wie Berger Swiss Re Corso drehen will
Der Schweizer Rückversicherer Swiss Re hat im ersten Halbjahr 953 Mio. Dollar verdient – rund 50 Mio. Dollar weniger als im Vorjahr. Der Rückgang geht auf das Konto des Industriegeschäfts, in dem die Schweizer einen Verlust hinnehmen mussten. Der neue Spartenchef Andreas Berger stellte die Maßnahmen vor, mit der er den Bereich bis 2021 wieder profitabel machen will. Analysten zeigten sich von den Halbjahresergebnissen insgesamt positiv überrascht. Dass die Erwartungen übertroffen wurden, liege vor allem an der Schadenrückversicherung und dem Ergebnis aus Kapitalanlagen.
Milliardenschaden durch Naturkatastrophen
Stürme, Überschwemmungen und Hitzewellen haben im ersten Halbjahr weltweit Schäden in Höhe von 42 Mrd. Dollar verursacht, meldet Munich Re. Das liegt deutlich unter dem langjährigen Schnitt von 69 Mrd. Dollar. Der versicherte Schaden liegt mit 15 Mrd. Dollar um 3 Mrd. Dollar unter dem langfristigen Durchschnitt. Der Rückversicherer sieht dringenden Bedarf für mehr Schutzsysteme in Ländern wie Mosambik, das von dem Zyklon „Idai“ getroffen wurde. Die verheerenden Schäden sind kaum versichert. Der von Menschen verursachte Klimawandel erhöht auf lange Sicht die Häufigkeit und Intensität bestimmter Naturkatastrophen, warnt Munich Re.
RGI kauft Softwarefirma Novum
Zusammenschluss auf dem Markt für Versicherungssoftware: Der Mailänder IT-Dienstleister RGI hat rückwirkend zum 1. Januar 2019 das auf Versicherungskernsysteme spezialisierte Nürnberger Softwarehaus Novum zu einem nicht genannten Kaufpreis übernommen. Novum-Geschäftsführer Michael Kraus erhofft sich von der Transaktion positive Effekte auf das internationale Wachstum seiner Firma. Durch den Zusammenschluss entstehe ein Unternehmen mit internationaler Konzernstruktur, das seine Dienstleistungen und Produkte gleichzeitig an den landesspezifischen Anforderungen der Kunden ausrichtet, sagte er im Interview mit dem Versicherungsmonitor.











