Archiv ‘Run-off’

Herbert Fromme

„It’s the IT, stupid“

 Herbert Frommes Kolumne  Mit der Devise „It’s the economy, stupid” gewann Bill Clinton 1992 die Präsidentschaftswahl in den USA. „Es geht um die Wirtschaft, Dummkopf“, hatten die Wahlkampfstrategen ihm eingehämmert. Die Versicherungswirtschaft kann den leicht abgewandelten Spruch gut gebrauchen. Denn es stellt sich immer deutlicher heraus, dass der Zustand ihrer IT viele Unternehmen so quält, dass sie nicht handlungsfähig sind. Das zeigt sich aktuell in den Bewegungen im Run-off-Markt für Lebensversicherungsbestände.

Adesso wird Abwickler, Axa verkauft an Athora

Viel Bewegung bei der Abwicklung von Lebensbeständen: Der Softwareanbieter Adesso bietet eine eigene Abwicklungsplattform und hat auch schon einen Kunden gefunden. Die Frankfurter Leben, die eigentlich mit der Allianz-Tochter Syncier zusammengearbeitet hat, braucht einen neuen Anbieter, nachdem die Allianz-Führung das Geschäftsmodell der Syncier eingestampft hat. In einer separaten Entwicklung deutet sich an, dass Athora einen Altbestand der Axa Deutschland kauft. Dafür braucht Athora auch Hilfe bei der IT. Ein möglicher Dienstleister wäre Thipara, die Tochter von Ergo und IBM.

Ergo vermarktet Abwicklungsplattform Thipara

Der Ergo-Konzern hat damit begonnen, die Abwicklungsplattform Thipara aktiv anzubieten. Das Gemeinschaftsunternehmen mit IBM soll Versicherern mit veralteter IT helfen, stillgelegte Bestände zu verwalten. Dafür sehen Ergo und IBM zurecht einen großen Markt. „lch glaube, dass am deutschen Markt 90 Prozent des Lebensversicherungsgeschäfts de facto im Run-off ist“, sagte Ergo-Manager Frank Wittholt der „Börsen-Zeitung“. Große Zweifel gibt es in der Branche allerdings daran, ob Thipara wirklich lieferfähig ist.

Zurich verkauft Leben-Bestände an Viridium

Die Zurich Deutschland gibt ihr traditionelles Lebensversicherungsgeschäft in den externen Run-off. Insgesamt 720.000 Versicherungsverträge der Tochter Zurich Deutscher Herold mit Deckungsrückstellungen von rund 20 Mrd. Euro gehen an den Abwickler Viridium. Es ist der größte Deal seit der Run-off-Spezialist 2019 den Bestand der Generali Leben übernommen hat. Der Verkauf nimmt Zurich in vielerlei Hinsicht eine Last von den Schultern.

Rainer Jacobus

Ideal kauft Mylife und Honorarkonzept

 Exklusiv  Der Berliner Lebensversicherer Ideal hat die Gesellschaft Mylife in Göttingen und die Vertriebsorganisation Honorarkonzept übernommen. Mit dem Deal fügt Ideal-Chef Rainer Jacobus fondsgebundene Verträge und den Honorarvertrieb zum Ideal-Portfolio hinzu, das bislang vor allem über den klassischen Provisionsvertrieb verkauft wird. Verkäufer ist der Unternehmer Klaus Mutschler. Die Aufsicht muss dem Deal noch zustimmen.

Zurich kurz vor Run-off-Deal

Die Zurich Deutschland steht kurz vor dem Verkauf eines Altbestandes an Lebensversicherungen an den Run-off-Spezialisten Viridium, der einen Umfang von 20 Mrd. Euro an Kundenforderungen und entsprechenden Kapitalanlagen hat. Nach Informationen des Versicherungsmonitors aus Branchenkreisen soll das Geschäft in den kommenden Wochen – auf jeden Fall noch vor der Sommerpause – abgeschlossen werden. Die Agentur Bloomberg erwartet, dass schon in dieser Woche eine Bekanntgabe erfolgt.

Gossmann: 98 Prozent der Daten sind ungenutzt

 Exklusiv  Abwicklungsexperte Arndt Gossmann hat im Zuge der Pandemie neue Wege eingeschlagen: Mit einem Gemeinschaftsunternehmen, das er mit der schweizerisch-dänischen Technologiefirma Deon Digital aufgebaut hat, bietet er intelligente Digitalisierung von Schadenakten an. Mit der Geschäftsentwicklung in den ersten Monaten zeigt sich Gossmann zufrieden, sechs Kunden hat das Unternehmen bereits gewonnen. Zielgruppe sind nicht nur Gesellschaften, die Bestände kaufen wollen, erläutert er im Interview mit dem Versicherungsmonitor. Interessiert sind auch Versicherer, die ganz neue Einsichten in ihre Bestände erhalten wollen, um Underwriting und Schadenbearbeitung zu verbessern.

Was Viridium die Migration der Generali Leben kostet

Run-off-Spezialisten können Lebensversicherungsbestände günstiger und effizienter verwalten und damit den Kunden Vorteile bieten – das behaupten zumindest Run-off-Spezialisten. Tilo Dresig, Chef des Abwicklers Viridium, erläuterte bei einer SZ-Konferenz am Beispiel von Proxalto, der früheren Generali Leben, mit welch hohen Kosten die IT-Migration der Bestände verbunden ist. Dass sich das für die Kunden dennoch lohnt, bewiesen die nach der Transaktion gestiegenen Überschüsse und gesunkenen Stornoquoten, so Dresig. Eine Diskussion zeigte, dass es sehr auf den Einzelfall ankommt, ob interner oder externer Run-off besser ist.

Darag: „Bis heute nicht anerkannt“

Run-off-Spezialisten werden im Versicherungsmarkt immer wichtiger, an Akzeptanz mangelt es aber, vor allem in Kontinentaleuropa. „Unser Geschäftsmodell ist bis heute nicht anerkannt als Bestandteil der Wertschöpfungskette der Versicherungswirtschaft“, monierte Alexander Roth, Deutschland-Chef des Abwicklers Darag, bei einer Fachveranstaltung in Hamburg. Um erfolgreich zu sein, bleibe Run-off-Gesellschaften nicht viel anderes übrig, als international breit zu wachsen. Dadurch steigt jedoch auch die Komplexität. Darag will daher die Zahl seiner Risikoträger deutlich eindampfen.

Friederike Krieger

D&O, Rückversicherer, Run-off

 Was die Woche bringt  An dieser Stelle nehmen wir die Themen der kommenden Woche in den Blick und stellen wichtige Branchentermine vor. Dieses Mal: Breakfast Lectures zu D&O mit dem Bericht eines Betroffenen, Reinsurance Dinner und Run-off-Konferenz der Süddeutschen Zeitung

Herbert Fromme

Run-off: Das Jahr der Entscheidungen

 Herbert Frommes Kolumne  Die Entscheidung von Zurich und Axa, mit Interessenten über die Abgabe von Altbeständen in der Lebensversicherung zu verhandeln, wird weitreichende Folgen für den gesamten Markt haben. Bislang mussten sich diejenigen Vorstände rechtfertigen, die einen externen Run-off prüfen wollten. Künftig müssen es eher diejenigen, die sich dagegen sperren. Die anstehenden Zinserhöhungen werden den Prozess eher beschleunigen als dämpfen. Denn in den kommenden Jahren werden sie vielen Lebensversicherern erhebliche stille Lasten bescheren.

Zurich und Axa näher am Run-off

Die beiden Versicherungs-Schwergewichte Zurich und Axa kommen dem externen Run-off von Lebensversicherungsbeständen, über den sie schon länger nachdenken, immer näher. Die Zurich hatte bereits Ende 2021 eine eigene Gesellschaft für Altbestände gegründet. Beide Unternehmen wollten am Donnerstag einen Bericht des „Handelsblatts“ nicht dementieren, nach dem sie in der zweiten Verhandlungsrunde mit möglichen Aufkäufern sind. Kommen die Deals zustande, wächst der Druck bei anderen Gesellschaften.

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