Monte Carlo: Makler haben Oberwasser

Die großen Rückversicherungsmakler sind die Gewinner des Zustroms an frischem Kapital in die Branche. Unternehmen wie Aon Benfield, Guy Carpenter und Willis Re haben künftig viel mehr Kapazität für ihre Kunden. Sie gewinnen auch an Einfluss. Die Rückversicherer versuchen, die Veränderung kleinzureden.

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Bryon Ehrhart von Aon Benfield Analytics glaubt, dass in den nächsten fünf Jahren weitere 100 Mrd. Dollar in den Rückversicherungsmarkt fließen

© Herbert Fromme

Das steigende Interesse von Pensionsfonds am Rückversicherungsmarkt macht die Rückversicherungsmakler zu Krisengewinnern. Sie haben viel mehr Auswahl für ihre Erstversicherungskunden – und für die Nutzung der neuen Kapazitäten brauchen die Kunden noch mehr Beratung als bisher. Außerdem sind die drei großen Makler Aon Benfield, Guy Carpenter und Willis Re an der Planung und Platzierung von Katastrophenbonds und den weiteren Formen von Wertpapieren beteiligt, mit denen Risiken in den Kapitalmarkt transferiert werden.

„Wir reden hier von den nächsten 100 Mrd. Dollar an Kapital“, sagte Bryon Ehrhart, Chef von Aon Benfield Analytics beim Rückversicherungstreffen in Monte Carlo. Das sind 76 Mrd. Euro, die in den kommenden fünf Jahren investiert werden, glaubt er. Bislang sind knapp 50 Mrd. Dollar im Markt. In Ehrharts Unternehmen betreibt der Rückversicherungsmakler Aon Benfield Risiko- und Marktforschung.

Tony Ursano, Chef des Rivalen Willis Re, glaubt sogar an 150 Mrd. Dollar, die bis 2020 auf den Markt zurollen. „Dann gibt es auch neue Geschäftsgebiete“, prognostiziert er. Weltweit seien Regierungen daran interessiert, sich mit Hilfe des Kapitalmarkts gegen Naturgefahren abzusichern.

Ehrhart von Aon Benfield sagte, die nächsten 100 Mrd. Dollar könnten jetzt die Situation erneut ändern. Das neue Kapital sei nicht mehr vor allem Konkurrenz für die Rückversicherer, sondern sei eine Ergänzung zum vorhandenen Kapital.

Ehrharts Vorhersage für die kommenden fünf Jahre: „Das Eigenkapital der Rückversicherer wird weniger als 50 Prozent der Gesamtsumme ausmachen, das alternative Kapital wird kräftig zulegen.“

Wenn das so kommt, würde das den Maklern eine deutlich stärkere Marktposition geben. Ihr Optimismus beruht auf der Tatsache, dass die Pensionsfonds gerade mit Macht in den Markt kommen. Sie müssen rund 30 Billionen Dollar anlegen – das sind 30.000 Mrd. Dollar. Für sie ist die Rückversicherung ein interessantes Geschäft: Die Übernahme von Risiken korreliert nicht mit Risiken in anderen Anlageklassen wie Aktien oder Anleihen.

Die Anleger beteiligen sich auf verschiedene Weise am Risiko – mit Katastrophenanleihen, verbriefter Rückversicherung oder Sondergesellschaften, sogenannten Sidecars. Allen gemeinsam ist: Anleger stellen als Sicherheit 100 Prozent des übernommenen Risikos in bar. Sie werden in einem Sondervermögen gehalten und in der Regel in Staatsanleihen angelegt. Der Versicherer oder Rückversicherer, der ein Risiko in den Kapitalmarkt abgibt, zahlt dafür eine Risikoprämie mit einem jährlichen Zusatzzins, zurzeit zwischen 2,5 Prozent und 5 Prozent. Gibt es keinen Schaden, erhält der Anleger nach Fälligkeit des Bonds sein Geld zurück und hat den Risikozins eingestrichen. Kommt es zum vorher genau definierten Schaden, ist das Geld ganz oder teilweise, je nach Vereinbarung, verloren.

Attraktive Renditen

„Für eine Anleihe im sogenannten High-Yield-Segment erhält ein Anleger heute 5,3 Prozent, für eine Katastrophenanleihe 6,5 Prozent“, sagte Ursano von Willis Re. „Kein Wunder, dass die Pipeline voll ist.“ Etwa acht bis zehn Bonds kämen demnächst auf den Markt.

Aon Benfield und Willis Re glauben beide, dass der Zufluss zu mehr Übernahmen in der Rückversicherungsbranche führen wird. „Da wird Kapital freigesetzt, das kann dafür genutzt werden“, sagte Paul Schultz von Aon Benfield. Schließlich bedeute der Zufluss auch, dass die Rückversicherungsbranche eine Wachstumsstory habe.

Die Hoffnung der Makler ruht auf staatlichen Katastrophenschutzprogrammen: Nach den Erdbeben in Neuseeland und Australien gebe es riesiges Interesse der Regierungen an Kapitalmarktlösungen, um im Katastrophenfall nicht immer die Staatskassen zu belasten. Ein gutes Beispiel dafür ist  der von der Regierung kontrollierte Erdbeben-Versicherungspool der Türkei (TCIP). Anfang des Jahres legte TCIP mit Hilfe der Munich Re den Cat-Bond Bosporus 1 auf. Anleger waren begeistert – obwohl der Risikozins nur 2,5 Prozent beträgt, den die Anleger zusätzlich zum Zinssatz der Staatsanleihen erhalten.

Herbert Fromme


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