Deutsche aufgeschlossen gegenüber Telematik

Die Bundesbürger bekunden in einer Studie der Unternehmensberatung Towers Watson großes Interesse an „Pay how you drive“-Systemen. Gleichwohl führt das Geschäft mit den Telematik-Tarifen in der Kfz-Versicherung in Deutschland ein Schattendasein.

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Auch das Smartphone lassen sich zur Beobachtung des Fahrverhaltens nutzen

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Die Deutschen zeigen sich überraschend aufgeschlossen gegenüber Telematik-Tarifen in der Kfz-Versicherung. Laut einer aktuellen Studie von Towers Watson sind 51 Prozent der Bundesbürger an Kfz-Policen interessiert, bei denen sich die Prämie nach der tatsächlichen Fahrzeugnutzung sowie der individuellen Fahrweise richtet. Wenn damit für den Fahrer nur Kosteneinsparungen, aber keine Erhöhung der Prämien bei schlechter Fahrweise verbunden sind, zeigen sich sogar 62 Prozent der Deutschen aufgeschlossen.

Damit erreicht die Zustimmung der Bundesbürger zu Telematik-Tarifen ähnliche Höhen wie in Großbritannien und den USA, wo die Policen im Gegensatz zu Deutschland zum Alltag gehören.

Am höchsten ist die Zustimmung in Italien und Spanien, wo 75 Prozent beziehungsweise 69 Prozent der Befragten Interesse an solchen Kfz-Tarifen zeigen. Besonders gering ist die Resonsnz dagegen in den Niederlanden, wo nur 35 Prozent der Befragten Telematik im Auto haben wollen.

Neben einer individuelleren Prämienfindung erhoffen sich die Versicherer weniger Schäden von „Pay how you drive“-Tarifen. Anscheinend zu recht: Von den deutschen Telematik-Befürwortern gaben fast zwei Drittel an, Tempolimits zu befolgen, den Mindestabstand einzuhalten und insgesamt umsichtiger zu fahren, wenn sie damit Prämien sparen könnten. Mehr als ein Drittel gab an, beim Bremsen, Beschleunigen und Überholen vorsichtiger zu werden, wenn der Versicherer sie mit Hilfe einer Black Box überwacht.

„Für Versicherer würde dies zu einer deutlich geringeren Schadenquote führen, für den Kunden zu langfristig sinkenden Prämien“, erklärt Gero Nießen von Towers Watson. „Für die Allgemeinheit bedeutet es mehr Sicherheit im Straßenverkehr.“

Das zeigten Statistiken aus Märkten, in denen sich Telematik-Tarife bereits etabliert haben wie den USA oder Großbritannien. Hier seien die Unfallzahlen bei Telematik-Nutzern um bis zu 40 Prozent zurückgegangen.

Es gibt aber auch Negativ-Beispiele. So soll die Black Box eines Versicherers bei zwei Todesfällen in Großbritannien eine unrühmliche Rolle gespielt haben. Ein 18-Jähriger und sein Beifahrer verunglückten Ende 2012 tödlich wegen überhöhter Geschwindigkeit. Der junge Mann hatte mit seinem Versicherer vereinbart, dass er eine Strafe zahlen muss, wenn sein Wagen nicht um 23 Uhr in der Garage steht. Er war an diesem Abend spät dran und gab Gas.

In Großbritannien greifen vor allem viele junge Fahrer wegen der sehr hohen Einsteiger-Tarife auf die Telematik-Angebote der Versicherer zurück. In Deutschland zeigen sich laut der Towers Watson-Studie eher Fahrer zwischen 25 und 44 Jahren gegenüber den Policen aufgeschlossen.

Einen Anreiz geben laut Towers Watson auch Zusatzleistungen, wie Fahrzeugrückverfolgung bei Diebstahl, automatisches Absetzen eines Notrufs und Rückmeldung zum eigenen Fahrverhalten – und dem der Kinder. Für zusätzliche Services würden die Deutschen rund 34 Euro pro Jahr zahlen.

Telematik-Tarife führen in Deutschland gleichwohl ein Schattendasein. Ein paar Versicherer wie die Zurich experimentieren damit, doch die wenigsten können bereits durchschlagende Erfolge vermelden. Bedenken bestehen vor allem hinsichtlich der Verwendung und Weitergabe der individuellen Daten durch den Versicherer. In den meisten Altersgruppen zeigten sich die Deutschen von allen Befragten am besorgtesten, wenn es um den Datenschutz geht.

Friederike Krieger


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