Vertreter aus der Versicherungswirtschaft haben Bundeskanzler Friedrich Merz nach seinem schwierigen Start ins Amt eine konstruktive Zusammenarbeit angeboten. Das gilt vor allem für die Bereiche private Altersvorsorge, Mobilität und Umgang mit dem Klimawandel, in denen die Branche großen Handlungsbedarf sieht. Auch die wichtige Rolle Deutschlands in Europa verlieren die Versicherungsmanager nicht aus dem Blick.
Aufsicht & Regeln
BaFin: Schlechte Führung ist an Schieflagen Schuld
Die Finanzaufsicht BaFin will die Führungskräfte von Unternehmen stärker in den Blick nehmen. In letzter Zeit seien einige kleine Banken, Versicherer und Fondsgesellschaften vor allem deshalb in die Schieflage geraten, weil sie Geschäfte gemacht haben, deren Risiken sie nicht verstanden hätten, sagte Behörden-Chef Mark Branson in Frankfurt. Sie hätten sich verzettelt oder zu weit weg von ihrem Kerngeschäft bewegt. Das sei möglich gewesen, weil Führung und Aufsichtsorgane ihren Anforderungen nicht gewachsen waren. Der Faktor Mensch müsse in den Fokus rücken.
GDV macht Vorschläge zu Nachhaltigkeitsberichten
Lockerungen bei der Messung des eigenen CO2-Ausstoßes, die Nutzung von bereits existierenden Datenkatalogen, mehr Flexibilität – mit einem fünfseitigen Positionspapier hat sich der Gesamtverband der Versicherer (GDV) zu den geplanten Änderungen bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung der Europäischen Union geäußert. Die Versicherer wünschen sich, dass die Anforderungen so geregelt werden, dass sie einfach und machbar sind, ohne dass die Aussagekraft verloren geht, heißt es in dem Papier.
USA erheben Anklage gegen Versicherer und Makler
Die US-Regierung hat einen millionenschweren Prozess gegen die drei größten Krankenversicherer Aetna, Elevance und Humana sowie die Makler E Health, Go Health und Select Quote angestoßen. Der Vorwurf ist, dass die Versicherer den Maklern Schmiergeld gezahlt haben, um mehr Versicherte im Rahmen des staatlich geförderten Medicare-Programms zu gewinnen. Aetna und Humana sollen außerdem Menschen mit Behinderungen diskriminiert haben.
Urgewald fordert weitere Ausschlüsse von Munich Re
Die Umweltschutz- und Menschenrechtsorganisation Urgewald begrüßt die Fortschritte, die der Rückversicherer Munich Re in den vergangenen Jahren in Sachen Klimaschutz und CO2-Reduktion über sein Versicherungsgeschäft erreicht hat. Auf der Hauptversammlung forderte Urgewald-Aktivistin Regine Richter allerdings weitere Ausschlüsse. Im Fokus steht dabei insbesondere die Versicherung von Gasinfrastruktur.
Verhaltener Ausblick für Kfz-Markt
Die US-Importzölle haben die Karten in der Kfz-Versicherung weltweit neu gemischt, nach einer Entspannung Anfang 2025 infolge von Preiserhöhungen herrscht wieder Unsicherheit in der Branche. Zu diesem Ergebnis kommt der Rückversicherer Swiss Re in einer aktuellen Analyse. Es ist nicht die einzige Herausforderung, mit denen die Anbieter es aufnehmen müssen. Dazu kommen der Wandel in der Mobilität, mehr wetterbedingte Schäden und die steigenden Behandlungskosten bei Personenschäden.
Insurance Europe: Globale Mindeststeuer aussetzen
US-Präsident Donald Trump sorgt bei europäischen Versicherern nicht nur mit seinen Zollplänen für Bauchschmerzen. Auch seine Ablehnung einer globalen Mindeststeuer für Unternehmen von 15 Prozent bereitet ihnen Sorgen – insbesondere die Drohung von „Vergeltungsmaßnahmen“ gegen Firmen aus Ländern, die sich nach wie vor an das Steuerabkommen halten und US-Unternehmen nachbesteuern. Der Versichererverband Insurance Europe fordert von der EU, sich für eine Aussetzung der Mindeststeuer stark zu machen.
Britische Behörde klagt Makler wegen Bestechung an
Mitarbeiter eines britischen Lloyd’s-Maklers sollen zwischen 2013 und 2016 in Ecuador Bestechungsgelder an Staatsbeamte gezahlt haben, um an Aufträge zu kommen. Zu diesem Ergebnis kommen Ermittlungen der britischen Antibetrugsbehörde SFO. Sie hat deswegen vor einem Londoner Gericht Anklage gegen den Makler United Insurance Broker erhoben. Es geht um Projekte, die öffentliche Sektoren des Landes versicherten.
Klage gegen kalifornische Versicherungsaufsicht
Die Verbraucherschutzorganisation Consumer Watchdog hat Klage gegen die kalifornische Versicherungsaufsicht eingereicht. Sie will verhindern, dass die Versicherer hinter dem staatlich organisierten Versicherungsprogramm Fair Plan Kosten in dreistelliger Millionenhöhe zur Sicherstellung der Regulierung von Schäden aus den verheerenden Bränden vom Januar in Los Angeles an ihre Kunden weiterreichen. Die zugrundeliegende Regelung widerspricht nach Ansicht der Kläger den Grundsätzen von Fair Plan und sei ohne Beteiligung der Öffentlichkeit zustande gekommen.
Fondspolicen: Rendite bleibt hinter Inflation zurück
Fondsgebundene Policen mit hohem Risikoprofil bieten trotz vergleichsweise hoher Kosten höhere Netto-Renditechancen als andere Versicherungsanlageprodukte (Insurance Based Investment Products, IBIPs). Zu diesem Ergebnis kommt die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa in einer Untersuchung für die Jahre 2020 bis 2023. Allerdings reichte der durchschnittliche Ertrag über alle Mitgliedsstaaten hinweg in keiner Produktklasse aus, um die Inflation auszugleichen. Gleichzeitig gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Staaten. Und: ESG kann sich lohnen.
Koalitionspläne: Allianz vermisst kohärente Strategie
Wirtschaftsexperten der Allianz sehen im Koalitionsvertrag von Union und SPD vielversprechende Ansätze zur Stärkung der Wirtschaft, aber nicht den von einigen erhofften großen Wurf. Gegenüber Ausgaben von 50 Mrd. Euro seien lediglich Einsparungen von 10 Mrd. Euro vorgesehen, die Regierung müsse Prioritäten setzen, heißt es in einem aktuellen Bericht von Allianz Research. Die Ökonomen vermissen strukturelle Reformen und eine kohärente Strategie.
BFH-Urteil zu Sterbetafeln betrifft Versicherer nicht
Der Bundesfinanzhof hat entschieden, dass Finanzämter unterschiedliche Sterbetafeln für Männer und Frauen verwenden dürfen, um Steuern zu berechnen. Das ist keine Geschlechterdiskriminierung und verstößt nicht gegen das Grundgesetz, hielten die obersten Finanzrichter fest. Auf den ersten Blick scheint das Urteil auch für Versicherer relevant, denn auch sie verwenden geschlechterspezifische Sterbetafeln. Dem ist aber nicht so. Eine Auswirkung auf die Lebensversicherung gibt es nicht.
Die BaFin macht Druck bei der Schadenregulierung
Die BaFin zieht bei den Versicherern die Daumenschrauben an, wenn es um die Bearbeitung von Leistungsanträgen geht. Die Finanzaufsicht drängt darauf, dass die Unternehmen die Anträge in der Regel innerhalb eines Monats abschließend bearbeiten. Gelingt den Unternehmen das ohne nachvollziehbare Gründe nicht, will die Behörde eingreifen. Im Fokus stehen vor allem die private Krankenversicherung und die Kfz-Versicherung.
Was die Koalition für die Versicherer plant
Union und SPD haben in Berlin ihren Koalitionsvertrag vorgestellt. Er enthält verschiedene Aspekte zu Rente, Altersvorsorge, Elementarschäden, Regulatorik und anderen Themen, die für die Versicherungsbranche relevant sind. Das Niveau der gesetzlichen Rente bleibt mindestens bis 2031 bei 48 Prozent, die Frühstart-Rente für Kinder kommt, die private geförderte Vorsorge und die betriebliche Altersversorgung sollen überarbeitet und gestärkt werden. Außerdem gibt es Pläne zur Elementar-Pflichtversicherung mit staatlichem Rückversicherer. Versicherer und Vermittler blicken gespannt auf die konkrete Ausgestaltung der Vorhaben.












