Swiss Re hat eine Kooperation mit dem Technologieunternehmen für selbstfahrende Autos Waymo geschlossen. Es geht darum, neue Modelle zur Risikobewertung in der Kfz-Versicherung zu entwickeln. Für die Schweizer ist es nicht die erste Kooperation in dem Bereich.
Aufsicht & Regeln
IVS fordert Umverteilung wegen Inflation
Versicherungsmathematiker sehen wegen der Inflation Regelungsbedarf in der betrieblichen Altersversorgung. Die Anpassung laufender Renten soll demnach gedeckelt werden, die dadurch freigewordenen Mittel sollen stattdessen den Anwärtern zugutekommen. Aktuell gilt, dass Unternehmen alle drei Jahre eine Anpassung laufender Renten entsprechend der Teuerung prüfen müssen, für Anwartschaften gilt das nicht. Das Institut der versicherungsmathematischen Sachverständigen für Altersversorgung (IVS) befürchtet, dass die Vorsorgebereitschaft deshalb sinkt.
Eiopa dringt auf Klarheit bei Ausschlüssen
Ausschlüsse vom Versicherungsumfang sind für den Kunden besonders ärgerlich, wenn sie für ihn nicht transparent sind. Die Versicherungsaufsicht Eiopa sieht hier Handlungsbedarf. Sie hat ein Statement veröffentlicht, in dem sie auf klar geregelte und verständliche Ausschlüsse im Hinblick auf systemische Ereignisse wie die Corona-Pandemie oder eine Naturkatastrophe dringt. Das lässt an den Ärger beim Umgang mit Betriebsschließungen in Deutschland während der Pandemie denken.
Eiopa warnt vor versteckten Cybergefahren
Versteckte Cyberrisiken, die in Versicherungsverträgen lauern, die gar nicht für die Deckung solcher Gefahren gedacht waren, waren vor ein paar Jahren ein großes Thema in der Branche. Viele Versicherer haben inzwischen einen weitgehenden Ausschluss solcher Risiken gemeldet. Aus Sicht der europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa haben die Anbieter aber noch nicht genug getan. Sie bezweifelt, dass alle Versicherer diese Gefahren unter Kontrolle haben. In einer Stellungnahme fordert Eiopa die nationalen Aufseher auf, dem Thema größere Aufmerksamkeit zu schenken.
Das Kundenverhalten, die große Unbekannte
Bei aller Modellierung der Auswirkungen von Inflation, Zinsentscheidungen, Klimawandel und Krieg bleibt eine weitere große Herausforderung für die Versicherer bestehen: die Reaktion der Kunden auf all diese Krisen. Frank Sommerfeld, Chef der Allianz Versicherung, geht davon aus, dass die Menschen beim Versicherungsschutz sparen werden. Die Debeka spürt die Unsicherheit offenbar bereits im Neugeschäft. Die Lebensversicherer kommen allerdings aktuell zum ersten Mal alle ohne Übergangsmaßnahmen aus, so BaFin-Vertreter Andreas Zapp auf einer digitalen Aktuarsveranstaltung.
Heinz: Bei den Provisionen gibt es Ausreißer
Der von der BaFin ins Gespräch gebrachte Provisionsrichtwert für Lebensversicherungen wird nicht benötigt und kommt insbesondere bei der FDP nicht gut an, sagte der Präsident des Vermittlerverbands BVK Michael Heinz auf einer Veranstaltung in Berlin. Zwar gebe es teils deutlich überhöhte Provisionen, allerdings könnten die mit den geltenden Regeln unterbunden werden. Heinz kündigte einen neuen Makler-Beirat an, um den BVK stärker als Ansprechpartner für Makler zu positionieren. Der Verband warnt vor einer Abhängigkeit der Makler von Dienstleistern.
BdV: Lebensversicherer gut aufgestellt
Die Solvenz der deutschen Lebensversicherer hat sich verbessert, die Anbieter haben ihre Hausaufgaben gemacht. Das ist das Ergebnis der aktuellen Auswertung der Solvenzberichte durch den Bund der Versicherten (BdV) und den Analysten Carsten Zielke. Nur noch 13 statt im Vorjahr 23 Anbieter seien in ernsthaften Schwierigkeiten. Das liegt nicht zuletzt an den gestiegenen Zinsen. Allerdings sieht Zielke den langjährigen Trend zu immer transparenteren Berichten gestoppt, weil große Anbieter mit der Allianz an der Spitze bei den Bemühungen nachließen.
BaFin-Aufseher Grund warnt vor dunklen Wolken
Die wirtschaftlichen Aussichten trüben sich ein, das belastet auch die Versicherer. Die Gesellschaften müssen sich jetzt wetterfest machen, forderte Versicherungsaufseher Frank Grund auf einer Konferenz. Außer Kapitalpuffern könne dazu auch gehören, Dividendenzahlungen auf den Prüfstand zu stellen. Grund wandte sich außerdem gegen eine Aufweichung der Solvency II-Kapitalanforderungen im Rahmen der Reform der Aufsichtsregeln. Für Zurich-Deutschlandchef Carsten Schildknecht bleibt der Klimawandel trotz der aktuellen Probleme das wichtigste Thema.
ESG auf unsicheren Wegen
Schlechte Nachrichten für Risikomodellierer und Versicherer: ESG-Risiken (Environmental, Social und Governance) werden auch in Zukunft mit einer hohen Unsicherheit verbunden sein. Das sagte Rainer Sachs, Inhaber des Think Tanks und Beratungsunternehmens Sachs Institut, auf einer Fachtagung der Finanzaufsicht BaFin zum Thema Sustainable Finance. Dementsprechend bedarf es neuer Methoden und Modelle. Chef-Versicherungsaufseher Frank Grund sieht die ESG-Regulierung als „Work in Progress“.
BaFin: Mehr Nachhaltigkeit durch Transparenz
Für die deutsche Finanzaufsicht geht es bei dem Thema Sustainable Finance vor allem um die Schaffung von Transparenz bei Finanzanlagen. Nur so könnten Anlegerinnen und Anleger zu eigenverantwortlichen Investitionsentscheidungen befähigt und Greenwashing verhindert werden, sagte der Chef der deutschen Finanzaufsicht BaFin Mark Branson auf einer Konferenz der Behörde in Berlin. Er warnte vor einer Vermischung wissenschaftlicher und politischer Aspekte. Florian Toncar vom Bundesfinanzministerium sagte, dass Unternehmen bei den Berichtspflichten nicht überfordert werden dürfen.
Swiss Re zweifelt an Cyber-Eigentragung
Der Rückversicherer Swiss Re glaubt nicht, dass Versuche der Industrie Erfolg haben werden, Cyberrisiken über einen Gegenseitigkeitsverein zum Teil selbst zu tragen. „Das ist toxisch“, sagte Chief Underwriter Thierry Léger beim Rückversicherungstreffen in Monte Carlo. In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass eine Reihe europäischer Konzerne wie BASF und Airbus einen solchen Versicherer gründen wollen. Swiss Re will weiter vorsichtig sein und erst dann Cyberrisiken in großem Stil annehmen, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind.
Was die Versicherer von der Zinserhöhung halten
Exklusiv Vor dem Hintergrund der derzeitigen Rekordinflation hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins um 0,75 Punkte auf 1,25 Prozent angehoben. Dabei handelt es sich um die kräftigste Erhöhung seit Einführung des Euro-Bargelds. Auch wenn deutlich steigende Zinsen zu massiven Wertberichtigungen in der Kapitalanlage führen, begrüßen die Versicherer den Schritt – und fordern mehr. Talanx-Finanzchef Jan Wicke bedauert, dass die EZB mit Zinserhöhungen viel zu lange gewartet hat und jetzt um den Preis von Friktionen und Volatilität umso drastischer in die Märkte eingreifen muss.











