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BDVM: „Zeit für eine emotionale Erneuerungsrunde“

Der Bundesband Deutscher Versicherungsmakler (BDVM) ist sehr unzufrieden mit den aktuellen Entwicklungen in der Gewerbe- und Industrieversicherung. Die Kunden litten wegen der Pandemie unter erheblichen Umsatz- und Ergebniseinbrüchen, viele Versicherer sähen in der Krise aber einen „Turbolader für die Bestandsoptimierung“, kritisierte BDVM-Präsident Thomas Haukje. Die massiven Preiserhöhungen in Kombination mit einer Verknappung der Kapazitäten seien eine „Nagelprobe der Solidarität“. Die Makler beobachten derzeit, dass sich ausländische Anbieter wieder für den deutschen Markt interessieren, und sehen eine steigende Bedeutung mittelständischer Versicherer.

Betriebsschließung: Gericht gibt Versicherer Recht

In einem neuen Urteil zur Haftungsfrage für pandemiebedingte Betriebsschließungsschäden haben die Richter zugunsten des Versicherers entschieden und die Klage abgewiesen. Ein Restaurantbetreiber hatte vor dem Landgericht Stuttgart die Erstattung seiner Gewinneinbußen von rund 67.000 Euro gefordert. Bei der Urteilsfindung kam es, wie bei vielen aktuellen Urteilen in der Betriebsschließungsversicherung, auf einen bestimmten Vertragspassus an. Er ließ die Richter zugunsten des Versicherers entscheiden.

Hiscox: Keine Pandemieausschlüsse in D&O

 Exklusiv  Der D&O-Markt wird härter und das nicht erst seit der Corona-Krise. Die Pandemie verstärkt jedoch den Trend zu höheren Preisen und knapperen Kapazitäten, glaubt Mario Hartmann, Underwriting Manager Berufshaftpflicht und D&O bei Hiscox. Die oft diskutierten pauschalen Pandemie- und Insolvenzausschlüsse in der Managerhaftpflichtversicherung finden bei dem Spezialversicherer jedoch keine Verwendung. Hiscox geht einen anderen Weg, mit dem die Kunden Hartmann zufolge einverstanden und zufrieden sind.

Ex-Ferma-Chef Willaert an Covid-19 verstorben

Jo Willaert war ein leidenschaftlicher Risikomanager. Der ehemalige Präsident der europäischen Risikomanagervereinigung Ferma und des internationalen Pendants Ifrima ist im Alter von 70 Jahren an Komplikationen im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung verstorben. Willaert, der ebenfalls lange Jahre die Risiken des belgischen Agfa-Gevaert-Konzerns managte und zudem auch in der belgischen Risikomanagervereinigung Belrim wirkte, war gute Kommunikation immer ein großes Anliegen.

Allianz hält AGCS weiter knapp

Die Preise steigen kräftig, aber die Allianz will ihren Industrieversicherer Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) nicht von der Leine lassen. Erst wenn sich die Schaden- und Kostenquote der Gesellschaft deutlich unter 100 Prozent stabilisiert und mehr Klarheit über Schadentrends in den USA bestehe, will der Konzern wieder in Wachstum bei der Tochter investieren, sagte Finanzchef Giulio Terzariol bei der Vorstellung der Zahlen für das dritte Quartal. Mit dem Ergebnis ist der Versicherer sehr zufrieden, die Pandemie hatte nur einen moderaten Einfluss. Eine Vorhersage für das volle Jahr gab Terzariol trotzdem nicht – die Lage sei zu unsicher.

AGCS gibt Teilbestand in Kanada auf

 Exklusiv  Die Allianz Global Corporate & Specialty gibt nach Informationen des Versicherungsmonitors einen Teil ihres kanadischen Geschäfts auf. Das Unternehmen zeichnet künftig keine Financial Lines mehr – dazu gehören D&O, Berufshaftpflicht und andere Bereiche der Vermögensschadenhaftpflicht. Auch das Segment Entertainment gibt der Versicherer in dem nordamerikanischen Land auf, das umfasst Veranstaltungsausfall, Filmversicherungen und ähnliches. Ein Sprecher bestätigte den Schritt.

Lloyd’s will radikal umbauen

Der britische Versicherungsmarkt Lloyd’s of London hat sich für die kommenden zwei Jahre viel vorgenommen. Ein radikaler Wandel hin zu einem digitalen Ökosystem steht auf der Agenda des zweiten Teils des Strategie-Programms namens „Blueprint“. Getrieben von Daten und Technologie sollen die Prozesse künftig sein. „Wir werden besser vernetzt sein und so viel schneller, in allem was wir tun“, schwärmte Lloyd’s-Chef John Neal bei der Vorstellung des Strategie-Papiers. „Jetzt ist der Zeitpunkt, an dem die wirklich harte Arbeit beginnt.”

BSV: Warum die Gerichte unterschiedlich urteilen

Zahlreiche Restaurants, Gaststätten und Hotels klagen zurzeit gegen ihre Versicherer, weil diese in der Betriebsschließungsversicherung (BSV) keine Schäden aus der Corona-Pandemie akzeptieren. Ob die Kläger vor Gericht gute Chancen auf Erfolg haben, hängt im Wesentlichen von der Ausgestaltung einer Klausel in den Verträgen ab. Die Verträge lassen sich in zwei Typen einordnen, sagte Franz Janssen von der Kanzlei Taylor Wessing in Düsseldorf bei einem Webinar. Für einen Typen stehen die Chancen vor Gericht schlecht, für den anderen dagegen deutlich besser.

Munich Re bleibt vorsichtig beim Gewinn

Der Rückversicherer Munich Re traut sich zwar einen höheren Umsatz zu, bei Gewinnzielen bleiben die Münchener aber vorsichtig. Bei der Veröffentlichung der Zahlen für das dritte Quartal wollte Finanzchef Christoph Jurecka keine neue Prognose abgeben. Grund sind die hohen Unsicherheiten durch die Corona-Krise. Die Munich Re rechnet für das vierte Quartal mit weiteren Covid-19-Schäden. Trotz Ausschlüssen in Neuverträgen hat der Konzern die Pandemie-Risiken in seinen Büchern noch längst nicht abgebaut.

Axa fürchtet sich nicht vor zweitem Lockdown

Nach herben Rückschlägen im zweiten Quartal scheint sich der Axa-Konzern im dritten Quartal wieder erholt zu haben. Zwar konnte der französische Versicherer nicht in allen Geschäftszweigen wieder mit einem Plus auf Kurs kommen, doch Konzernchef Thomas Buberl zeigt sich zuversichtlich. Die kommende Welle an Lockdowns werde sich nicht auf die bisherige Schätzung zu den Corona-bedingten Schäden auswirken. Der Versicherer rechnet weiterhin mit einer Belastung von netto 1,5 Mrd. Euro.

Bereit für die zweite Welle?

 Exklusiv   Corona gehört mittlerweile zum Alltag. Doch jetzt kommt die zweite Welle. Welchen Einfluss hat sie auf die Versicherer in Deutschland? Der Versicherungsmonitor hat bei Versicherern und Maklern nachgefragt, wie sie mit dieser zweiten Welle umgehen und was sie aus dem ersten Lockdown gelernt haben. Im ersten Teil berichten Talanx, Debeka, Zurich, Nürnberger, Allianz, HUK-Coburg und Alte Leipziger-Hallesche, wie die Stimmung ist, welche Schäden sie erwarten und welche neuen Maßnahmen sie eingeführt haben.

Mahnke: Die Kosten müssen runter

Momentan erhöhen die Industrieversicherer kräftig die Preise, um profitabler zu werden. Das allein wird sie aber nicht zum Ziel führen, glaubt Alexander Mahnke, Versicherungschef bei Siemens und Vorstandsvorsitzender des Gesamtverbands der versicherungsnehmenden Wirtschaft. Auch die Kosten der Versicherer müssten stark sinken – von momentan zum Teil 30 Prozent auf unter 20 Prozent, fordert er bei einer virtuellen Industrieversicherungskonferenz der Süddeutschen Zeitung. Dazu sei eine stärkere Digitalisierung der Prozesse vonnöten.

Industriekunden in perfektem Sturm

AIG-Manager Nepomuk Loesti hat die Industrieversicherer auf einer Konferenz vor Angriffen von Kundenseite in Schutz genommen. Wer die steigenden Preise kritisiere, dürfe nicht vergessen, dass die Kunden davor jahrelang von sinkenden Prämien profitiert haben, sagte er auf einer virtuellen SZ-Industrieversicherungskonferenz. Industrie und Makler wollten sich nicht für die niedrigen Prämien der Vergangenheit kritisieren lassen. Thomas Olaynig vom Makler Marsh betonte, dass es keine Verträge gebe, für die nicht ein Versicherer ein Angebot abgegeben hat.

FCA-Musterprozess: Urteil bis Weihnachten

Experten rechnen damit, dass der oberste Gerichtshof in Großbritannien noch bis Weihnachten ein Urteil zu der Frage fällen wird, ob Betriebsunterbrechungspolicen Schäden durch den Corona-Lockdown abdecken. Um das grundsätzlich klären zu lassen, hatte die britische Finanzaufsicht FCA eine Musterklage gegen acht Versicherer auf den Weg gebracht. Der Londoner High Court hatte sich größtenteils auf Seiten der Versicherungsnehmer gestellt. Einige Versicherer wollen das nicht akzeptieren und in Berufung gehen. Sollte der Supreme Court der High Court-Entscheidung in puncto Entschädigungshöhe folgen, dürfte es für die Anbieter teuer werden.

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