Der japanische Industrie- und Rückversicherer Sompo kauft dem Getreidetransportunternehmen CGB Enterprises den amerikanischen Ernteversicherer Diversified Crop Insurance Services ab. Die Gesellschaft ist auf dem US-Markt der viertgrößte Anbieter in dem Bereich und vor allem im Mittleren Westen aktiv. Der Deal kommt Sompo sehr gelegen – zusammen mit der vor allem im Süden der USA tätigen Tochter ARMtech verfügen die Japaner künftig über einen signifikanten Marktanteil in der US-Ernteversicherung.
Industrieversicherung
Industrieversicherer verteidigen stark steigende Preise
Prämienerhöhungen im zweistelligen Prozentbereich in der Industrieversicherung sind für viele Unternehmen zurzeit Realität. Die Gesellschaften haben ihre Forderungen bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen des virtuellen Symposiums des Gesamtverbands der versicherungsnehmenden Wirtschaft gerechtfertigt. Preissteigerungen in dieser Höhe müsste man erklären, das sei aber auch möglich, sagte Andreas Berger von Swiss Re Corporate Solutions. Kritik ernteten die Versicherer von Maklern und Kunden auch für ihren Umgang mit Schäden aus Betriebsschließungsversicherungen.
S&P erwartet Cyberboom
Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) rechnet damit, dass der Cyberversicherungsmarkt bald um jährlich 20 bis 30 Prozent wachsen wird. Den nötigen Schwung wird ihm die Covid-19-Pandemie verleihen, glaubt S&P. Sie zwingt viele Unternehmen dazu, ihre digitale Transformation zu beschleunigen, was die Firmen verwundbarer für Cyberangriffe macht. Die Versicherer müssen allerdings ihre Hausaufgaben machen, wenn sie von dem Boom profitieren wollen.
Mahnke: Versicherer riskieren Reputationsverlust
Die Industrieversicherer laufen Gefahr, das Vertrauen ihrer Kunden zu verspielen. Davor warnte Alexander Mahnke, Chef des Gesamtverbands der versicherungsnehmenden Wirtschaft, beim Auftakt des virtuellen Symposiums der Organisation. Die Kritik gilt zum einen der Weigerung einiger Versicherer, Corona-Schäden aus Betriebsschließungspolicen zu zahlen. Aber auch die rabiaten Preiserhöhungen, die Anbieter in anderen Sparten durchsetzen wollen, verärgern die Versicherungseinkäufer.
HDI: „Wir brauchen die Chance, profitabel zu sein.“
Die Preise in der Industrieversicherung steigen weiter kräftig. Auf dem Online-Symposium des Gesamtverbands der versicherungsnehmenden Wirtschaft am Donnerstag warb Edgar Puls, Chef des Talanx-Industrieversicherers HDI Global, um Verständnis für die Anbieter. Die Kunden sollten einmal die Perspektive der Versicherer einnehmen. „Wie würde ihr Unternehmen reagieren, wenn es jahrelang im Kerngeschäft Verluste schreibt?“ Der HDI wolle ein langfristiger Partner für die Wirtschaft bleiben, brauche dafür aber die Möglichkeit, profitabel zu werden.
Corona-Roundup: HDI, Lloyd’s, Makler
Der Versicherer HDI erweitert sein Angebot in der Betriebsschließungsversicherung um Policen für kleine und mittlere Unternehmen aus den Bereichen Handel, Handwerk und Dienstleistungen sowie für freie Berufe wie Steuerberater, Ärzte oder Anwälte. Die Mitarbeiter von Lloyd’s of London wurden bei ihrer Rückkehr aus dem mehrmonatigen Homeoffice von Aktivisten begrüßt, die gegen die Haltung des britischen Versicherungsmarktes in Sachen Klimaschutz demonstrierten. Das Fachmagazin Ass Compact hat ermittelt, wie zufrieden Makler in der Krise mit den Versicherern sind.
Zurich wirbt Ping An-Technologiechef ab
Leute – Aktuelle Personalien Die Digitalisierung ist auch bei der Zurich jetzt ganz oben angekommen: Der Schweizer Versicherer gründet eine neue Einheit und siedelt das Thema mit einem neuen Posten in der Konzernleitung an. Der neue Chief Information and Digital Officer ist Ericson Chan, bislang Chef von Ping An Technology. Der künftige Chef der neuen Einheit Global Business Platforms kommt dagegen aus dem eigenen Hause. Die Neuausrichtung hat ein Personalkarussell in Gang gesetzt. Außerdem: Beim Industrieversicherer MSIG Insurance Europe gibt es ein neues Vorstandsmitglied. Und der Chef des zu AIG gehörenden Bermuda-Versicherers Validus Re geht.
Gericht bestätigt mögliche D&O-Deckungslücke
Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat seine Rechtsprechung zu Ansprüchen nach Paragraf 64 GmbH-Gesetz bestätigt: Die D&O-Versicherung muss demnach nicht für Ansprüche von Insolvenzverwaltern an Geschäftsführer aufkommen, die Zahlungen nach Insolvenzreife geleistet haben. Geschäftsführer haften mit ihrem Privatvermögen. Das erste Urteil des OLG vor zwei Jahren hatte für viele Diskussionen in der Branche gesorgt. Mit der aktuellen Entscheidung gibt es jetzt eine gefestigte obergerichtliche Rechtsprechung, sagte Anwalt Daniel Kassing, Partner bei der Kanzlei Clyde & Co. Das Urteil betrifft keine Policen, in denen Ansprüche nach Paragraf 64 ausdrücklich mitversichert sind.
Haftungsrisiken durch Corona-Pandemie
Die Kanzlei Clyde & Co erwartet, dass es im Zuge der Corona-Pandemie zu mehr Schadenmeldungen in der Haftpflicht- und Produkthaftpflichtversicherung kommen wird. Anspruchsteller können Kunden von Geschäften aber auch Arbeitnehmer sein, die ihrem Arbeitgeber mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen vorwerfen. Allerdings dürfte die Ursache einer Infektion schwer zu beweisen sein, sagte Anwältin Isabelle Kilian bei einem Webinar der Kanzlei. In der Produkthaftpflichtversicherung sieht sie vor allem Hersteller von Schutzausrüstung und Beatmungsgeräten gefährdet.
Rückversicherer: Hohe Schäden, aber mehr Umsatz
Ohne die jüngsten Preiserhöhungen sähe es für die Rückversicherer ziemlich düster aus, schreibt die Ratingagentur Moody’s in einer aktuellen Analyse. Die Analysten haben 14 große Gesellschaften unter die Lupe genommen. Ihre Schaden- und Kostenquoten sind im von der Corona-Krise geprägten ersten Halbjahr um durchschnittlich zehn Prozentpunkte auf defizitäre 102,8 Prozent gestiegen. Die Schäden infolge der Pandemie belaufen sich insgesamt auf 8,6 Mrd. Dollar (7,3 Mrd. Euro). Grund zur Hoffnung geben jedoch die steigenden Preise. Sie sind vor allem dafür verantwortlich, dass es bei den Umsätzen der Rückversicherer gar nicht so schlecht aussieht.
Harting wird Marsh-Geschäftsführer
Leute – Aktuelle Personalien Frank Harting, bis vor kurzem Vorstand beim Industrieversicherer HDI Global, hat einen neuen Job. Er wird einer von vier Geschäftsführern beim Maklerunternehmen Marsh. Offenbar rüstet Marsh im Topmanagement personell auf für die anstehende Schlacht mit dem künftigen Marktführer Aon, der gerade Willis übernimmt. Harting weist 36 Jahre Erfahrung in der Industrieversicherung auf und kennt so ziemlich jeden im Markt – keine schlechte Voraussetzung für den neuen Posten mit einem sehr spezifischen Auftrag.
M&A-Deckungen: Erste Anbieter ziehen sich zurück
In der Industrieversicherung steigen die Preise deutlich, eine Ausnahme ist der Markt für M&A-Versicherungen, die Risiken aus Unternehmensübernahmen abdecken. Jetzt haben sich mit AGCS und Chubb zwei Anbieter teilweise aus dem Geschäft mit diesen Verträgen zurückgezogen. Der deutsche Markt ist von diesen Entscheidungen allerdings kaum betroffen. Hier kommen sogar neue Anbieter und Kapazitäten dazu, sagt Philipp Giessen vom Makler Marsh.
Swiss Re steigt bei Googles Krankenversicherer ein
Verily, die Gesundheitstochter des Google-Mutterkonzerns Alphabet, hat den seit Längerem erwarteten Einstieg in den amerikanischen Krankenversicherungsmarkt in die Tat umgesetzt. Über ihre neue Tochter Coefficient, einen Versicherer mit Lizenz für das Leben- und Krankengeschäft, wird sie sogenannte Stop-Loss-Policen anbieten. US-Arbeitgeber, die ihren Mitarbeitern Krankenversicherungsschutz bieten, können sich damit gegen unerwartet hohe Kosten absichern. Auch die Swiss Re ist involviert – allerdings nicht als Risikoträger.
Auswirkungen von Covid-19 ähnlich wie 9/11-Folgen
Bisher halten sich die versicherten Schäden durch Corona in Grenzen. Sie erreichen eher das Niveau einer sehr großen Naturkatastrophe als eines außergewöhnlich großen Schadenereignisses, erklären die Analysten der Berenberg Bank. Besonders sei allerdings die Länge der Pandemie, dadurch ähnelten die Auswirkungen auf die Assekuranz denen nach dem Terrorangriff auf das World Trade Center 2001. Für Versicherer ist das allerdings nicht unbedingt ein Nachteil, denn dadurch steigen auch die Prämien. Am meisten profitieren können laut Berenberg Munich Re und Zurich.













