Der Krieg in der Ukraine hat die deutschen Versicherer in ihrem Kerngeschäft bislang nur begrenzt getroffen. Große Sorgen bereiten der Branche allerdings die kaum abzuschätzenden mittel- und langfristigen Auswirkungen, die der Konflikt mit seinen Sanktionen und Embargos haben wird. Axa Deutschland-Chef Thilo Schumacher fürchtet vor allem Gas-Engpässe, die die Unternehmen sehr schnell stark treffen würden, und damit auch Industrieversicherer. „Bevor wir frieren, haben wir keine Jobs mehr“, sagte er auf dem Aon Marktforum. Auch der Umgang Chinas mit der Rückkehr der Pandemie sei entscheidend für die hiesige Wirtschaft.
Industrieversicherung
Dual will mit Unfall und Cyber wachsen
Der Assekuradeur Dual will nicht nur in Europa kräftig wachsen, sondern auch in der Region Deutschland, Österreich und der Schweiz die Schwerpunkte verlagern. Kernsparte ist zwar nach wie vor die D&O-Versicherung, doch daneben will das zur Howden Group Holdings gehörende Unternehmen auch in der Unfall- und der Cyberversicherung kräftig zulegen. Das neue, von Ali Khodabakhsh geführte Cyberteam will am Markt sehr präsent sein, erklärte der Manager bei der Financial Lines-Tagung von Dual.
Allianz verkauft Mehrheit an Russland-Geschäft
Die Allianz trennt sich von einem Großteil ihres Geschäfts in Russland. Interholding, der Besitzer des russischen Schaden- und Unfallversicherers Zetta Insurance, übernimmt eine Mehrheitsbeteiligung. An dem noch zu schaffenden kombinierten Unternehmen soll die Allianz dann 49,9 Prozent halten. Die Marke Allianz wird dabei keine Rolle spielen. Die Entscheidung ziele auf Kontinuität für Kunden und Mitarbeiter ab, teilt der Versicherer mit. Die Aufsicht muss noch zustimmen.
EU verbietet Versicherung von russischem Öl
Die Europäische Union und Großbritannien haben beschlossen, die Versicherung von Schiffen mit russischem Öl auch für Lieferungen für Drittstaaten zu verbieten. Damit ist auch der Zugang zum Lloyd’s-Markt, einem der wichtigsten Schifffahrtsversicherer der Welt, praktisch für Tanker mit russischem Öl verbaut. Allerdings soll das Verbot erst in sechs Monaten in Kraft treten. Für die Versicherer bedeutet der Schritt, dass sie mit umfangreichen Maßnahmen sicherstellen müssen, keine verbotene Ladung zu versichern.
Guter Jahresauftakt für Industrie- und Rückversicherer
Die globalen Industrie- und Rückversicherer haben in den ersten drei Monates des laufenden Jahres weiter von steigenden Preisen profitiert, zudem war die Schadenbelastung schwächer als im ersten Quartal 2021. Das zeigt ein aktueller Bericht des Rückversicherungsmaklers Gallagher Re, der regelmäßig Versicherer mit nennenswertem Industrie- und Rückversicherungsgeschäft unter die Lupe nimmt. Die fallenden Aktienmärkte haben jedoch die durchschnittliche Eigenkapitalrendite deutlich gedrückt, außerdem haben die steigenden Zinsen zu einem Abschmelzen des Eigenkapitals geführt.
Wasserstoff birgt vorerst kaum neue Risiken
Wegen der Klimakrise und der Energiewende wird Wasserstoff als Energieträger in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen. Im Vergleich zu anderen Gasen besitzt Wasserstoff aber auch einige riskante Eigenschaften. Damit der Weg zu einer nachhaltigen Wasserstoff-Wirtschaft funktionieren kann, sollten sich Industrie und Versicherer darauf vorbereiten, rät der Rückversicherer Swiss Re.
P&I Clubs: Grünes Licht für Großfusion
Die beiden Schiffshaftpflichtversicherer North und Standard Club können ihre Fusionsbemühungen fortsetzen. Die Mitglieder beider Gegenseitigkeitsversicherer haben am Freitag einem Zusammenschluss zugestimmt. Damit ist der Weg frei für einen neuen Riesen unter den Spezialversicherern, der mit Marktführer Gard auf Augenhöhe konkurrieren könnte. Der Schritt könnte den überschaubaren Markt erschüttern und für weitere Zusammenschlüsse sorgen.
Generali-Rebell verlässt Verwaltungsrat
Leute – Aktuelle Personalien Nach dem monatelangen Machtkampf um die Spitze des italienischen Versicherers Generali tritt Aktionärsrebell Francesco Gaetano Caltagirone zurück. Der Versicherer teilte am Freitag mit, dass Caltagirone das Board of Directors mit sofortiger Wirkung verlässt. Außerdem: Der Rückversicherer Canopius baut seine Unternehmensstruktur um, und der Rückversicherer Axa XL schafft eine neue Position für Versicherungsprogramme.
Aon: Cyber-Markt immer noch schwierig
Für ihre Cyberdeckungen mussten Unternehmen in den vergangenen Jahren immer mehr zahlen. Dieser Trend setzte sich auch im ersten Quartal fort, so der Großmakler Aon in einem aktuellen Bericht. Allerdings verlief der Preisanstieg weniger rasant als zuletzt. Der Krieg in der Ukraine und Sorgen vor Angriffen durch russische Hacker sorgten dafür, dass die Anbieter zurückhaltend blieben und weniger Kapazität bereitstellten.
Allianz saniert drastisch in Feuer
Exklusiv Die Allianz Versicherung hat Maklern Mitteilungen über Preisanpassungen bei rund 2.000 Risiken in der Sachversicherung zugeschickt. Unter ihnen sind auch Erhöhungen von mehreren 100 Prozent bei einzelnen Risiken, die der Versicherer offenbar loswerden will. Der Konzern fürchtet hohe Feuerschäden wie hier in einem Brand im Jahr 2016. Bislang haben die Makler wenig Schwierigkeiten, die Risiken bei anderen Versicherern unterzubringen. Sie wundern sich aber über die Rasenmäher-Methode des Münchener Konzerns.
Ukraine: Schäden durch feststeckende Schiffe
Zahlreiche Frachtschiffe sitzen seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine im Schwarzen Meer fest. Den Versicherern drohen hier hohe Schäden. Einige Schiffe wurden bereits von Raketen getroffen. Das Hauptrisiko ist aber ein anderes. Ab einer gewissen Dauer – häufig zwölf Monate – können die Reeder ihre Schiffe gegenüber den Versicherern als Totalverlust erklären. Sorgen bereiten den Reedern und Versicherern auch die Crewmitglieder. Sie zu evakuieren ist schwierig – und teuer.
Der Großschaden als Moment der Wahrheit
Bei der Regulierung von Großschäden können Industrie- und Gewerbeversicherer bei ihren Kunden punkten und die Beziehung festigen, weiß Kristina Strube, Chief Claims Officer der DACH-Region beim Großmakler Aon. Nach ihrer Erfahrung mangelt es aber heute häufig an einer kundenfreundlichen Regulierung. Die Versicherer holen gleich die Anwälte ins Boot und begegnen den Kunden mit Misstrauen, berichtete Strube beim Breakfast Briefing des Versicherungsmonitors. Das erschwert die Arbeit der Makler und verlängert die Abwicklung.
Artus vor globalem Kooperationsdeal
Der mittelgroße Makler Artus in Baden-Baden steht in Verhandlungen mit einem internationalen Maklerhaus über eine exklusive Kooperation. Den Namen will Vorstandschefin Alexandra Ganz-Cosby noch nicht nennen. Mit der Zusammenarbeit reagiert Artus auf die schnellen Entwicklungen in den internationalen Märkten und die wachsenden Ansprüche der Kunden. Das Unternehmen sucht außerdem Übernahmeziele in Deutschland und benennt die meisten seiner 14 Tochtergesellschaften um.












