Nicht einmal mehr zwei Jahre verbleibt Großbritannien in der Europäischen Union. Für die Versicherungsbranche sei das gar kein Problem, betonen hochrangige Branchenvertreter in London fast selbstgefällig. Sie seien bereit, ohnehin überwiegen die Chancen die Risiken. Nur zwischen den Zeilen klingt die eine oder andere Sorge an.
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Deutungsstreit um britisches Provisionsverbot
Die britische Finanzaufsicht und das Finanzministerium haben einen neuen Bericht zu den Auswirkungen des Provisionsverbots veröffentlicht. Verbraucherschützer nutzen den Report, um erneut auch in Deutschland ein Verbot von Provisionen zu fordern. Das Verbot habe die Beratungsqualität in Großbritannien verbessert. Der GDV spricht von einem kapitalen Missverständnis – in dem Bericht gehe es vielmehr darum, die negativen Auswirkungen der Maßnahme zu kompensieren.
Dem Wasserschaden auf der Spur
Das vernetzte Haus gilt als nächste große Chance für neue Versicherungsangebote. In Großbritannien experimentieren jetzt zwei Anbieter mit Sensoren, die frühzeitig leckende Leitungen erkennen sollen, um so Wasserschäden zu vermeiden. RSA und Aviva haben sich mit Herstellern von Sensoren zusammengeschlossen und sammeln derzeit erste Erfahrungen. RSA überlegt, den Sensor kostenlos mit bestimmten Policen anzubieten oder den Kauf des Gerätes mit günstigeren Prämien zu belohnen.
Lloyd’s leidet unter Großschäden
Der Londoner Versicherungsmarkt war im vergangenen Jahr stark von Großschäden betroffen. Naturkatastrophen wie Hurrikan „Matthew“ und die Waldbrände in Kanada sorgten dafür, dass das versicherungstechnische Ergebnis deutlich schlechter ausfiel. Auf den Brexit reagiert Lloyd’s mit der Gründung einer Gesellschaft in Brüssel. Von dort aus will der Versicherungsmarkt ab 2019 Geschäft mit Kunden aus EU-Mitgliedsstaaten betreiben.
Brexit: Goodbye Single Licence
The Long View – Der Hintergrund Das Prinzip der Single Licence dürfte sich mit dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU vorerst erledigen. Britische Versicherer verlieren über den Wegfall der europäischen Verträge die Niederlassungs- und vor allem die Dienstleistungsfreiheit. Und ob EU-Versicherern künftig noch das Versicherungsgeschäft in Großbritannien erlaubt sein wird, muss zumindest mit einem Fragezeichen versehen werden. Es ist daher im Sinne aller Beteiligten, dass eine politische Lösung gefunden wird. Die Zeit drängt.
Rightindem: Volldigitale Schadenabwicklung
Die Meldung und Abwicklung von Versicherungsschäden erfolgt heute meist noch auf ganz konventionellem Wege: per Telefon und über Fragebogen auf Papier. Das britische Start-up Rightindem will das ändern. Es bietet eine Software-Lösung für Versicherer, die die Kommunikation rings um die Schadenabwicklung digitalisiert. Schwerpunkt ist zunächst die Autoversicherung, hier können Versicherte nach einem Unfall online alle Informationen zum Ort, dem Hergang, Schaden und Zeugen übermitteln und per Smartphone Fotos des Schadens hochladen.
Unsicher
Herbert Frommes Kolumne Der Amtsantritt von Donald Trump als US-Präsident und der Brexit sind keine Unfälle in Ländern, die eigentlich etwas anderes wollten. Sie repräsentieren das endgültige Ende der Nachkriegsordnung. Die Welt wird künftig anders und höchstwahrscheinlich unsicherer. Gleichzeitig macht sich die Weltwirtschaft daran, die enormen Möglichkeiten der Digitalisierung umzusetzen. Die Versicherungswirtschaft hat bisher nicht gezeigt, dass sie die Chancen, die für sie aus einer solchen Lage entstehen, nutzen kann. Im Gegenteil, ihre Bedeutung sinkt – eine gefährliche Entwicklung.
Ex-Chef von britischer Ergo-Tochter vor Gericht
Vor zwei Jahren wurde der Chef der britischen Niederlassung des zur Ergo gehörenden Rechtsschutzversicherers DAS, Paul Asplin, überraschend von seinem Posten abberufen. Das Unternehmen warf ihm Betrug vor und leitete rechtliche Schritte gegen ihn ein. Hinter den Vorwürfen könnte laut Branchenkennern ein langjähriges System der Vorteilsnahme stehen, bei dem unter anderem Asplins jetzige und frühere Gattin eine Rolle spielen. Am Montag wird er mit fünf weiteren Angeklagten in einem Londoner Gericht angehört.







