2023 und 2024 waren beziehungsweise sind keine guten Jahre für die deutschen Schaden- und Unfallversicherer. Die Ratingagentur Fitch prophezeit ihnen „die schlechtesten Underwriting-Ergebnisse in der jüngeren Geschichte“. Schuld sind die Schadeninflation und steigende Rückversicherungskosten, aber auch mangelnde Preisdisziplin in der Kfz-Versicherung. Fitch rechnet allerdings damit, dass sich die Lage bald verbessern wird.
Tag Archive for ‘Schaden- und Kostenquote’
Itzehoer stemmt sich gegen Verluste in Kfz
Die Itzehoer ist 2023 stark gewachsen. In der Kfz-Sparte gab es viele Abgänge, aber noch mehr Zugänge, sodass die Zahl der versicherten Fahrzeuge per Saldo um knapp 131.000 auf 1,28 Millionen gestiegen ist. Die Schaden- und Kostenquote lag im defizitären Bereich, war aber besser als der Branchenschnitt. Der Versicherer musste sich allerdings an den Schwankungsrückstellungen bedienen und hat zudem zusätzliche Schadenrückstellungen bilden müssen. 2024 will Vorstandschef Uwe Ludka einen versicherungstechnischen Verlust verhindern – und setzt auf weiteres Wachstum.
S&P: Kein „Insurance Run“ in Sicht
Trotz der zuletzt gewaltig gestiegenen stillen Lasten bleiben die europäischen Versicherer stabil. Das schreibt die Ratingagentur S&P in einem Ausblick für 2024. Derzeit gebe es bei den von ihr bewerteten Versicherern keine Anzeichen für Liquiditätsengpässe. Die Gefahr von Massenstornos, also eines „Insurance Run“, sehen die Analysten nicht. Zur Vorsicht raten sie jedoch bei der starken Exposition der Lebensversicherer gegenüber illiquiden Investments wie Immobilien oder Private Equity.
Analysten: Talanx trotz Großschäden auf Kurs
Der Talanx-Konzern musste im dritten Quartal mit hohen Belastungen durch Großschäden fertigwerden. Dennoch wird das Unternehmen wohl einen Jahresgewinn nach Steuern von mehr als 1,5 Mrd. Euro nach Steuern erzielen, glauben die Analysten der Bank Berenberg. Kritisch sehen sie die vergleichsweise niedrigen Ausschüttungen.
Cyberversicherer geben mehr Geschäft in Rückdeckung
Die in Deutschland aktiven Cyberversicherer behalten immer weniger Risiken und Prämien in den eigenen Büchern und geben einen zunehmenden Anteil in Rückdeckung, also an Rückversicherer und andere Erstversicherer weiter. Das zeigt die lange erwartete Neuauflage der Cyberversicherungs-Abfrage der Finanzaufsicht BaFin. Referatsleiter Ramon Platt stellte die Ergebnisse bei der Euroforum-Jahrestagung Cyber Insurance vor. Die Untersuchung bietet den bislang umfassendsten Einblick in die deutsche Cyberversicherung.
Horgby: Kfz-Prämien müssen um mehr als 20 Prozent steigen
Die Kfz-Versicherer stehen vor großen Herausforderungen: Um die kommenden Jahre nicht mit tiefroten versicherungstechnischen Ergebnissen abzuschließen, die für 2023 bereits nicht mehr zu verhindern sind, müssen sie die Preise deutlich anheben. Württembergische-Vorstand Per-Johan Horgby hält eine Anpassung von mehr als 20 Prozent für nötig. Doch das würde kaum ein Anbieter tun, weil er dann in dem preissensitiven Markt auf einen Schlag viele Kunden verliert. Den Ansatz, den die Versicherer bislang bei Prämienanpassungen verfolgen, hält Horgby für grundlegend falsch.
Aon beklagt Führungs-Oligopol
Exklusiv In der Führung großer Industrierisiken hat sich ein Oligopol herausgebildet, beklagt der Makler Aon. Deutschlandchef Kai-Frank Büchter und sein Vize Hartmuth Kremer-Jensen sehen große Gefahren für Konzerne, sollte es zu bedeutenden Schäden kommen. Im Interview mit dem Versicherungsmonitor sprechen die beiden auch über die Entwicklung von Preisen und Kapazitäten, die Zangenbewegung der Rückversicherer gegenüber dem Markt und die Notwendigkeit gerade für Mittelständler, sich einen besseren Überblick über die eigenen Risiken zu verschaffen.
Harter Markt macht Rückversicherer noch profitabler
Die vier größten europäischen Rückversicherer haben ihre Rentabilität im ersten Halbjahr 2023 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich verbessert. Zu diesem Ergebnis kommt die Ratingagentur Fitch in einem aktuellen Bericht. Munich Re, Swiss Re, Hannover Rück und Scor haben ihre versicherungstechnischen Ergebnisse und auch ihre Kapitalanlageergebnisse gesteigert. Die Eigenkapitalrendite verbesserte sich deutlich von 9 Prozent im ersten Halbjahr 2022 auf durchschnittlich 21 Prozent und übertraf damit die Kapitalkosten der Unternehmen.
Allianz „Klassenbester bei der Schadenabwicklung“
Die Allianz hat Aktien-Analysten bei einer Veranstaltung Einzelheiten zur Schadenabwicklung in Deutschland genannt und sie dabei ordentlich beeindruckt. Die Allianz sei „Klassenbester bei der Schadenabwicklung“, schreiben die Analysten der Bank Berenberg. Der Konzern nannte bei dem Event Daten zur Abwicklungsgeschwindigkeit, den Einsparungen pro Schaden bei der Nutzung von Vertragswerkstätten und zur Schaden- und Kostenquote in der Kfz-Versicherung: Die sei besser als die des Rivalen HUK-Coburg.
Kravag: Inflation trifft Kfz-Sparte hart
Trotz Krieg in der Ukraine, Lieferengpässen und Inflation sind die R+V-Töchter Kravag-Logistics und Kravag-Allgemeine im vergangenen Jahr gewachsen. Sie konnten steigende Beitragseinnahmen verzeichnen. Beide Versicherungsgesellschaften gaben außerdem an, Ende 2022 zusammen über 2 Millionen versicherte Fahrzeuge im Bestand gehabt zu haben. Allerdings stieg auch die Schaden- und Kostenquote durch teurer gewordene Ersatzteile an.
Cyberversicherer machen wieder Gewinn
Nach einem verlustreichen Jahr 2021, in dem die deutschen Cyberversicherer eine Schaden- und Kostenquote von mehr als 120 Prozent verzeichnet hatten, scheinen die Geschäfte im vergangenen Jahr wieder profitabler gewesen zu sein. GDV-Cyberexperte Peter Graß sprach auf einer Fachveranstaltung von einer Quote von 80 Prozent, warnte aber davor, das gleich als Argument für Kapazitäts- und Bedingungsausweitungen zu nutzen. Der Verband überarbeitet momentan seine Musterbedingungen – auch der Kriegsausschluss soll künftig anders aussehen.
Munich Re verdient ordentlich im Quartal
Munich Re hat vorläufige Zahlen für das erste Quartal vorgelegt. Danach hat der Konzern 1,3 Mrd. Euro nach Steuern verdient und ist damit auf Kurs, sein Jahresziel von 4 Mrd. Euro zu erreichen. In seinem Bericht an die Hauptversammlung am 5. Mai 2023, die der Konzern bereits veröffentlichte, berichtet Konzernchef Joachim Wenning über den Fortschritt bei der Steigerung des Frauenanteils in der Führung. Für den Aufbau der nötigen Energieinfrastruktur für die Energiewende mahnt er staatliches Handeln an. Privates Engagement könne die Klimaziele nicht erreichen. Wenning wendet sich zugleich gegen ein ausuferndes Berichtswesen.
Industriegeschäft subventioniert Privatkunden
Die drei global agierenden Versicherer Allianz, Axa und Zurich konnten bislang die negativen Folgen der Inflation ausgleichen, die vor allem im Privatkundengeschäft wirkt. Geholfen haben in erster Linie ihre Marktposition und die deshalb möglichen Preiserhöhungen in der Industrieversicherung. Damit begründet die Ratingagentur Fitch, warum ihr Ausblick für die Ratings bei Allianz und Zurich für das Jahr 2023 stabil und bei der Axa sogar positiv ist, also auf eine Rating-Verbesserung hinauslaufen könnte.
DFV will kein Insurtech mehr sein
Die Deutsche Familienversicherung (DFV) will in diesem Jahr ein Konzernergebnis von 3 bis 5 Mio. Euro erreichen, während im Geschäftsbericht für 2022 noch von 1 bis 2 Mio. Euro die Rede war. Mit dem vergangenen Jahr zeigten sich Vorstandschef Stefan Knoll und Finanzvorstand Karsten Paetzmann bei einer Pressekonferenz in Frankfurt zufrieden. Die Unternehmensführung will jetzt alles daran setzen, für Investoren attraktiver zu werden. Bis 2026 sollen alle Verlustvorträge abgebaut sein, dann kann die DFV erstmals Dividenden ausschütten. Knoll erklärte auch, dass er sein Unternehmen nicht mehr als Insurtech sieht.













