Die Last der Versicherer mit den kritischen Analysten

Wie der Branchen-Verband seine Mitglieder munitioniert

Von Sven Clausen, Frankfurt, und Herbert Fromme, Köln Keine leichte Zeit für die Versicherungsbranche – sie muss gleich an mehreren Fronten kämpfen: Der Gesetzgeber verschlechtert die steuerlichen Anreize, eine Lebensversicherung abzuschließen, und Analysten nehmen deren Anbieter seit Monaten schärfstens unter die Lupe. Da will der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) nicht mehr untätig zuschauen: Er hat seine Mitglieder mit Gegenargumenten munitioniert. GDV-Geschäftsführer Günter Bost nennt es eine „kritische Würdigung“ der Aussagen von Rating-Agenturen, Unternehmensberatern und Aktienanalysten zur Lebensversicherung.

Die Studie der Rating-Agentur Fitch vom September 2003, die sehr kritisch zur Kapitalausstattung der Branche Stellung nahm, sei „von der FAZ bis zur Bildzeitung“ aufgegriffen worden, empört sich Bost. Es habe viele Anfragen von Kunden und Vertriebspartnern gegeben. „Die große Beachtung, die den Marktstudien zur Lebensversicherung in Deutschland geschenkt wird, ist dabei nicht immer durch die Qualität der Untersuchungen gerechtfertigt“, so Bost. Die zugrunde liegenden Annahmen und die analytischen Methoden wiesen teilweise erhebliche Schwächen auf.

So wirft der GDV Fitch ein „völlig unrealistisches Szenario“ zu Stresstests vor. Die Beratungsfirma Mercer Oliver Wyman wird wegen ihrer Erwartung einer raschen Konsolidierung attackiert: „Zukunftsszenarien mit einer stark reduzierten Anbieterzahl, wie sie insbesondere Mercer aufmalt, scheinen allerdings stark überzogen und wenig realistisch.“ Aussagen zur Kapitalstärke beruhten nur auf Jahresabschlüssen, „deren Informationsgehalt keineswegs ausreichend für eine adäquate Analyse ist“. Verwunderlich nur: Der GDV reibt sich nicht an den Grundannahmen, dass die Situation schwierig und die Herausforderungen groß sind, unter anderem durch niedrige Zinsen und hohe Leistungsgarantien: „Die grundsätzliche Situationsanalyse der externen Analysten ist in weiten Teilen als zutreffend anzusehen.“ Nur die apokalyptischen Schlussfolgerungen eben nicht.

Zitat:

„Die große Beachtung der Studien ist nicht gerechtfertigt“ – Günter Bost, GDV

Quelle: Financial Times Deutschland

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