Gesprächsbedarf bei Betriebsunterbrechungspolicen

Bei der Entwicklung von Betriebsunterbrechungspolicen ohne vorherigen Sachschaden ist einiges schief gelaufen, so der Tenor auf der Ferma-Tagung der europäischen Risikomanager. Dieses Mal geben sie den schwarzen Peter aber nicht nur an die Versicherer.

Eyjafjallajökull_Ausbruch CC by sfjalar

Der Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull auf Island hat das Problem der Betriebsunterbrechung ohne Sachschaden in den Fokus der Risikomanager gerückt

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Bei Betriebsunterbrechungspolicen ohne vorherigen Sachschaden reden Versicherer und Risikomanager oft aneinander vorbei. „Die Versicherungsindustrie ist schuldig, sich zu sehr auf Platzierungen und Policen fokussiert zu haben“, sagte Caroline Woolley, EMEA Risk and Property Practice Leader beim Makler Marsh, bei einem Workshop auf der Ferma-Tagung der europäischen Risikomanager in Maastricht. „Wir müssen einen Schritt zurückgehen und uns das Risiko aus dem Blickwinkel der Risikomanager anschauen.“

Seit dem Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull im Jahr 2010 befindet sich das Thema ganz oben auf der Agenda der Risikomanager. Weil die Aschewolke den Flugverkehr lahm legte und den Unternehmen wichtige Vorprodukte fehlten, konnten sie nicht mehr produzieren. Diese Betriebsunterbrechungen sind durch traditionelle Policen meist nicht gedeckt, denn der Sachschaden in der Fabrik als deckungsauslösendes Element fehlt. Die Unternehmen forderten Betriebsunterbrechungen ohne vorherigen Sachschaden von der Industrie, waren von den Lösungen der Versicherer aber nicht sonderlich begeistert.

Die Diskrepanzen zeigen sich schon bei der Definition der Police, so Woolley. Während Versicherer und Makler die Betriebsunterbrechungspolice ohne vorherigen Sachschaden relativ eng fassten, verstehen Risikomanager darunter oft alle Sachverhalte, die nicht durch die traditionelle Sachpolice abgedeckt seien.

Deshalb sei es wichtig, einen Schritt zurück zu machen und sich erst einmal zu untersuchen, um welche Risiken es überhaupt genau gehe. „Wir müssen Lösungen für das Problem langsam im Markt wachsen lassen“, sagte Woolley. Eine Möglichkeit wäre, statt individueller Policen die Betriebsunterbrechungskomponente ohne vorherigen Sachschaden als Zusatzbaustein für bestehende Sachpolicen anzubieten.

Auch Ingo Zimmermann, Risikomanager bei EADS, glaubt, dass die Branche bei diesen Policen mit dem falschen Fuß aufgestanden ist. „Es ist einer der größten Fehler der Risikomanager gewesen, hier sofort nach Produkten der Versicherer zu rufen ohne überhaupt selbst eine Ahnung zu haben, nach was wir überhaupt suchen“, sagte er.

Zunächst müssten Unternehmen ihre Betriebsunterbrechungsschäden und die Konsequenzen für ihr Geschäft genau analysieren. „Das kann kein Außenstehender für uns machen, und es ist auch der falsche Weg, das über die Beantwortung eines ellenlangen Fragebogens zu versuchen“, sagte Zimmermann. Die Risikoanalyse sei ureigenste Aufgabe des Unternehmens.

Dass Versicherer sich mit der Quantifizierung der Betriebsunterbrechungsschäden oft schwer tun, gab Oliver Dlugosch zu, Head of Global Solutions Swiss Re Corporate Solutions, ein. „Versicherer müssen eingestehen, dass wir hier mit unseren Modellen an unsere Grenzen stoßen“, sagte er. Das führe dazu, dass die Branche konservativ agiere und Sicherheitspuffer bei den Preisen einkalkuliere, was die Policen für einige Unternehmen unattraktiv mache.

Dlugosch räumte auch ein, dass sich der Versicherer mit der Luftfahrtbranche nicht unbedingt die besten Pilotkunden zur Entwicklung der neuen Deckung ausgesucht hatte. Als das Produkt nach einigen Monaten fertig gewesen sei, hätten die Airlines kein Interesse mehr gezeigt. Kritiker monieren, dass Airlines viel zu kapitalschwach sind und zu kurzfristig denken, um mit ihnen auf Langfristigkeit ausgelegte Deckungen zu entwickeln.

„Das war definitiv eine Lernkurve für uns“, sagte Dlugosch. Es bedürfe Pilotkunden, die bereit sind, mit der fertigen Police, die dann auch etwas kosten darf, zu ihrem Finanzchef zu gehen. „Wenn das nicht der Fall ist, verschwenden alle Parteien nur ihre Zeit“, sagt er.

Friederike Krieger


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