Die Entscheidung der Schweizer Finanzaufsicht, Investoren mit nachrangigen AT1-Anleihen (Alternative Tier 1) der Bank Credit Suisse (CS) faktisch zu enteignen, hat zu heftigen Reaktionen von Anlegern geführt. In der Versicherungswirtschaft halten nur wenige Unternehmen solche Anlagen, es geht um niedrige Summen. Viel schwerer wiegt die Sorge, das RT1-Kapital mancher Versicherer könnte künftig auf Misstrauen der Investoren stoßen. RT1 steht für Restricted Tier 1 und ist vergleichbar mit AT1 bei Banken. Die Ratingagentur Fitch hält diese Sorgen für unbegründet.
Abo
Insure Our Future verlangt sofortige Reaktion
Die Klimaschützer der internationalen Kampagne Insure Our Future verschärfen ihre Forderungen an die 30 weltweit größten Versicherer im Bereich fossile Brennstoffe, unter ihnen sind auch Allianz und Munich Re. Sie verlangen sofortige Handlungen im Bereich Versicherung und Kapitalanlage. Das Konzept eines Dialogs mit Kunden anstelle eines Deckungsausschlusses habe nicht funktioniert, meinen die Aktivisten.
MRH Trowe mit 900 Mio. Euro bewertet
Der Makler MRH Trowe wurde nach Informationen des Versicherungsmonitors bei dem Teilausstieg des Investors Anacap und dem Einstieg der Private-Equity-Firma TA Associates mit 900 Mio. Euro bewertet. Dabei gingen die Parteien von sehr hohen Rohgewinnen aus, die MRH Trowe in den kommenden Jahren erzielen soll. Anacap meldet derweil hochzufrieden, dass es seine ursprüngliche Investition in MRH Trowe beim Teilausstieg zum Faktor 4,3 abgegeben habe. Restrukturierungen bei der Investorenstruktur könnten auch bei anderen Konsolidierern bevorstehen.
Gothaer bekommt neuen Marketing-Chef
Leute – Aktuelle Personalien Der Kölner Versicherer Gothaer ernennt Thomas Heindl zum neuen Marketing-Chef. Heindl kommt vom Versicherer LV 1871 und verfügt über vielfältige Expertise im Marketing und Vertrieb. Außerdem: Die Altersvorsorge-Tochter des Maklers Südvers holt zwei neue Geschäftsführer, und die Provinzial Asset Management GmbH einen dritten Chef. Personelle Veränderungen gibt es auch bei Acrisure Re, Skyrisks und MS Amlin.
Systemfrage in der Pflegeversicherung
Die angespannte Finanzlage der gesetzlichen Pflegeversicherung rückt das Nebeneinander des gesetzlichen und des privaten Systems wieder stärker in den Fokus. Die Präsidentin des Sozialverbands VdK Verena Bentele hält eine Zusammenlegung von gesetzlicher und privater Pflegeversicherung für sinnvoll. Der Bremer Pflegewissenschaftler Heinz Rothgang beklagt, dass es derzeit nur eine Solidarität innerhalb der beiden Systeme gibt, nicht aber zwischen ihnen. Ein Weg, das zu ändern, könnte ein Finanzausgleich sein, sagt er.
MRH Trowe gewinnt weiteren Investor
Der Industrieversicherungsmakler MRH Trowe hat den Private-Equity-Investor TA Associates aus den USA als weiteren Geldgeber gewonnen. Er hat bereits Beteiligungen an europäischen Maklern. Der bisherige alleinige Fremdinvestor Anacap aus London sowie das Management haben Anteile abgegeben. Dabei zahlte TA das 4,3-fache des ursprünglich eingesetzten Kapitals. Doch wieviel Geld bei dem Anacap-Teilausstieg wohin geflossen ist, wollen die Parteien nicht sagen. Der Makler will jedenfalls seinen für 2023 erwarteten Umsatz von 150 Mio. Euro bis 2028 verdoppeln. Parallel zur neuen Eignerkonstruktion hat MRH Trowe auch seine Führungsstruktur verändert. Ralph Rockel (Bild) wird Chief Executive, der von außen kommende Peter Gabriel Finanzchef.
Neue Anforderungen an Geschäftsleiter
Legal Eye – Die Rechtskolumne Die BaFin konsultiert momentan den Entwurf eines Rundschreibens, in dem sie Anforderungen an die fachliche Eignung und Zuverlässigkeit von Geschäftsleitern bei Versicherern formuliert. Die Finanzaufsicht erhält darin vornehmlich hergebrachte Standards, entwickelt ihre Aufsichtspraxis aber auch moderat fort. Gerade in den Bereichen Parität der Geschlechter und Geldwäscheprävention zeigt sich, wie übergeordnete gesellschaftspolitische Ziele in den Bereich der Versicherungsaufsicht ausstrahlen und die Anforderungen an Geschäftsleiter bestimmen.
Kfz- und Solvenzzahlen
Was die Woche bringt An dieser Stelle nehmen wir die Themen der kommenden Woche in den Blick und stellen wichtige Branchentermine vor. Dieses Mal: Zahlen von HUK-Coburg, Deutscher Familienversicherung, W&W und Gothaer und Solvency II-Workshop des GDV.
Unzureichende Preiserhöhungen
Die Preiserhöhungen, die Swiss Re, Munich Re, Hannover Rück und Scor im vergangenen Jahr erzielt haben, waren nicht ausreichend, um die negativen Effekte der hohen Schadeninflation auszugleichen. Reservierungen für Altschäden und neue Schäden aus dem Ukraine-Krieg schlugen heftig ins Kontor – ebenso wie die massiven Naturkatastrophenschäden. Vor allem Scor hatte mit unerwartet hohen Schäden zu kämpfen, obwohl der Rückversicherer sein Exposure 2022 stark zurückgefahren hatte, zeigt eine Analyse von Fitch. Die Ratingagentur sieht aber Licht am Horizont.
Mutige Versicherer gefragt
Herbert Frommes Kolumne Die Zurich traut sich was. Der Versicherer testet aktuell, die künstliche Intelligenz (KI) wie ChatGPT in der Schadenbearbeitung und bei der Risikobewertung einzusetzen. Eine ganze Reihe von Versicherern werden ähnliches planen oder auch schon tun, aber Zurichs Technologiechef Ericson Chan spricht ganz offen darüber. Zurich füttert die KI gerade mit Schadendaten der Vergangenheit. Die Nutzung neuer Techniken und der Zustand der IT wird immer mehr zum Unterscheidungsmerkmal zwischen den Versicherern, die auch in einigen Jahren noch erfolgreich sein werden, und denen, die sich zumindest aus bestimmten Marktsegmenten zurückziehen müssen.









