Nach Einschätzung der Investmentbank J.P. Morgan könnte 2017 mit den drei Hurrikans „Harvey“, „Irma“ und „Maria“ und den Erdbeben in Mexiko zum teuersten Naturkatastrophenjahr für die Versicherungsbranche seit Beginn der Aufzeichnungen werden. Die Analysten rechnen mit 140 Mrd. Dollar versicherten Schäden. Rund die Hälfte davon werden die Rückversicherer tragen müssen. Das wird ihre Gewinne im laufenden Jahr zwar nah an den Nullpunkt treiben, aber auch für höhere Preise für Rückdeckungen sorgen, glaubt die Bank.
Analyse
Ergo: „Digitales Lametta ist nicht die Antwort“
Innerhalb von vier Tagen hat die Gothaer den Prototyp einer digitalen Verkaufshilfe für Vermittler entwickelt, nach 100 Tagen lief die Anwendung auf dem Smartphone. Versicherer wie Allianz, Ergo und Axa wollen bei der Digitalisierung vorne mit dabei sein – und das müssen sie auch. Vorstände der Versicherer zeigen sich zuversichtlich. Doch die Sorge, ob die Digitalisierung gelingt, schwingt mit. Es hapert es bei den digitalen Prozessen. Spezialisten für IT und Digitalisierung sind heiß begehrt – und entsprechend schwer zu finden.
Erdland: Altersvorsorge weiter stärken
Kurz nach der Bundestagswahl hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) die Erwartungen der Branche an die Politik formuliert. Nach der Vorstellung des GDV soll die neue Regierung für eine weitere Stärkung der zusätzlichen Altersvorsorge sorgen und in der gesetzlichen Rentenversicherung von weiteren „Geschenken“ absehen. Das sagte der scheidende Verbandspräsident Alexander Erdland in Berlin. Er forderte außerdem Konsequenzen aus dem Klimawandel für die Bautätigkeit und eine Erleichterung bei der Zinszusatzreserve. Sie soll sicherstellen, dass die hohen Garantiezusagen aus der Vergangenheit erfüllt werden.
Bundestagswahl: Deutlicher Denkzettel
Kommentar Die Bundestagswahl bedeutet einen deutlichen Denkzettel für die Regierungsparteien CDU/CSU und SPD. Nicht nur die SPD unter ihrem Vorsitzenden Martin Schulz ist angeschlagen, auch Kanzlerin Angela Merkel ist stark geschwächt. Es ist durchaus möglich, dass sie nicht die volle Legislaturperiode regiert. Der AfD-Aufstieg macht die Aufgaben noch schwerer, eine neue Zukunft für Europa zu finden und Migranten zu integrieren. Für die Versicherungswirtschaft bedeutet die mögliche Koalition von CDU/CSU mit Grünen und FDP vor allem Unsicherheit.
Karawanskij: „Bei Konzerninteressen geht es schnell“
Susanna Karawanskij ist bei der Partei Die Linke für das Thema Versicherung zuständig. Im Interview mit dem Versicherungsmonitor spricht die Bundestagsabgeordnete über den guten Draht der Branche in die Politik, die Bilanz der großen Koalition und die Sicht ihrer Partei auf private Investitionen in die öffentliche Infrastruktur.
Schick: „Großer Nachjustierungsbedarf“
Gerhard Schick ist der Finanzexperte der Grünen im Bundestag. Im Interview mit dem Versicherungsmonitor spricht er über die versicherungspolitische Bilanz der großen Koalition, die Forderung der Assekuranz nach einer Erleichterung bei der Zinszusatzreserve und darüber, warum er die Industrie- und Handelskammern nicht geeignet für die Vermittleraufsicht hält.
Flypper geht auf Makler zu
Der neue digitale Versicherer Flypper erhofft sich vor allem im ersten Jahr viel Geschäft durch Makler. In Roadshows versucht das Start-up, die unabhängigen Vermittler von der neuen Gesellschaft zu überzeugen. Sie sollen die Flypper-Software an ihre Bedürfnisse anpassen können. Ins Geschäft kommen will Vorstandschef Peter Loisel (Bild) auch mit Rückversicherern, wie er bei dem Workshop des Rückversicherungsmaklers Guy Carpenter in Königswinter betonte. Versicherungsaufseher Frank Grund äußerte sich unterdessen besorgt über die anstehende Überarbeitung der EU-Eigenkapitalregeln Solvency II.
Lebensversicherer verlieren weniger Kunden
Die Lebensversicherer haben sich 2016 besser als erwartet geschlagen, so das Fazit des aktuellen Map-Reports. So gingen Vertragsbestand und Beitragseinnahmen zwar weiter zurück, doch das Minus fiel geringer aus als im Vorjahr – angesichts der schwierigen Situation vor allem aufgrund der Niedrigzinsen aus Sicht der Verfasser ein erfreuliches Ergebnis. Einige Gesellschaften konnten ihren Marktanteil zum Teil deutlich ausbauen. Nach absoluten Zahlen legte die Allianz bei den Beiträgen mit einem Plus von rund 1,5 Mrd. Euro am stärksten zu, relativ gesehen war der Zuwachs mit 49 Prozent bei der Ideal am größten.
Braucht Alexa bald eine Haftpflichtpolice?
Wenn ein Roboter mehr weiß als der Mensch, der ihn programmiert hat, kann der Mensch dann noch für eine Entscheidung des Roboters verantwortlich gemacht werden? Diese Frage wirft Fachanwalt Klaus Brisch von der Kanzlei DWF Germany auf. Im Europäischen Parlament gibt es bereits erste Überlegungen, künstlichen Systemen den Status einer Rechtsperson zu geben. Dann wären diese auch für Fehler haftbar. Für die Versicherungsbranche wird sich dadurch einiges ändern.
Nahles-Rente: Erfolg ungewiss
Das Betriebsrentenstärkungsgesetz setzt Anreize für mehr betriebliche Vorsorge, allerdings weniger wegen der in Aussicht gestellten Enthaftung der Arbeitgeber bei der Regelung per Tarifvertrag, sondern wegen anderer Maßnahmen wie dem neuen Fördertopf für Geringverdiener. Das war die Mehrheitsmeinung auf einer Veranstaltung des Vereins zur Förderung der Versicherungswissenschaft in Berlin. Eine Vertreterin des Bundesfinanzministeriums sagte dagegen, Haftungsfreistellung und Garantieverbot seien aus Regierungssicht entscheidend für den Erfolg des Maßnahmenpakets im Gesetz. Ein konkretes Ziel für die weitere Verbreitung wollte sie nicht nennen.
Insurtech-Investoren: Versicherer müssen umdenken
Die Versicherungsbranche befindet sich erst am Anfang einer digitalen Revolution: In den kommenden Jahren werden künstliche Intelligenz und Blockchain-Technologien flächendeckend eingesetzt, was zu einem massivem Personalabbau führen wird. Die Bedeutung von Insurtechs nimmt weiter zu, darauf sollten sich die traditionellen Versicherer einstellen. In diesen Punkten waren sich die vier Investoren einig, die an einer vom Insurlab Germany mitorganisierten Podiumsdiskussion in Köln teilgenommen haben.
Insurtechs keine Gefahr für Industrieversicherer
Seltene Einigkeit zwischen einem traditionellen Versicherer und einem Start-up-Gründer: Insurtechs werden auf absehbare Zeit keine Gefahr für die Industrieversicherung, sagten Benno von Buchwaldt vom Gewerbeversicherungsportal Liimex und Leander Metzger von Berkshire Hathaway Specialty Insurance auf dem Industrieversicherungs-Symposium des Gesamtverbands der versicherungsnehmenden Wirtschaft. Dennoch muss die Branche auf die Digitalisierung setzen und sich auch um Technologien wie Blockchain kümmern, hieß es.
Ungeliebtes Feuerrisiko
Teure Großschäden können Konsequenzen für ganze Branchen haben. Industrieversicherungsmakler berichten, dass die Vertragsverhandlungen nach großen Feuerschäden schwieriger werden – auch für schadenfreie Unternehmen. Aktuell geht es vor allem um das Neugeschäft in Branchen wie der fleischverarbeitenden Industrie oder der Recyclingwirtschaft. Gerade bei Recyclingbetrieben finden die Makler das angesichts vergleichsweiser geringer drohender Schäden nicht nachvollziehbar.
Aon sieht Trendwende bei Flotten und Transport
Die Preise in der Flottenversicherung sind 2016 erstmals seit Jahren gesunken. Dieser Trend wird sich auch 2017 fortsetzen, prognostiziert der Makler Aon Risk Solutions in seinem Marktreport. Deutsche Flottenversicherer kämpfen durch den Trend zu selbstfahrenden Autos und Carsharing-Angeboten um Marktanteile. Durch niedrige Prämien versuchen die Kfz-Versicherer, dem entgegenzuwirken. Eine Trendwende gibt es auch in der Warentransportversicherung. Hier sind die Preise im vergangen Jahr erstmals wieder gestiegen.
Henne: „Die Versicherer schauen genauer hin“
Jörg Henne ist Geschäftsführer des Gesamtverbands der versicherungsnehmenden Wirtschaft (GVNW). Bis 2016 war er Versicherungschef beim Elektronik-Hersteller Epcos. Im Interview mit dem Versicherungsmonitor spricht er über die Schwierigkeiten der Industrie mit internationalen Versicherungsprogrammen, die Folgen des Brexit und die Fusion der Vorgängerverbände zum GVNW. Außerdem erklärt er, warum Industrieversicherer bei manchen Branchen vorsichtig sind und welche Unternehmen Probleme haben, Versicherungsschutz zu bekommen.














