Eine neue Umfrage der Finanzaufsicht BaFin unter deutschen Versicherern und Rückversicherern hat ergeben, dass diese nun mit einem maximalen Schaden von rund 8,2 Mrd. Euro aus dem Juli-Hochwasser rechnen. Das liegt über der jüngsten Schätzung des Versichererverbands GDV, die von rund 7 Mrd. Euro Schaden ausging. Laut einer neuen Auswertung des Verbands ist die Gewerbe- und Industrieversicherung von dem Hochwasser stark betroffen.
Industrieversicherung
D&O-Versicherer tief in den roten Zahlen
Die Schäden in der Managerhaftpflichtversicherung sind im vergangenen Jahr deutlich angestiegen und haben die Anbieter in die Verlustzone befördert. Laut einer aktuellen Statistik des Versichererverbands GDV betrug die Schadenquote nach Abwicklung 110 Prozent, verglichen mit 85,3 Prozent im Jahr 2019. Die Aufwendungen für Versicherungsfälle steigen schneller als die Beiträge. In diesem Jahr dürften mit VW, Wirecard und Greensill noch einige Großschäden hinzukommen.
Cyberangriffe auf See: Einfache Regeln helfen
Das Thema Cyber beschäftigt auch die Transportversicherer. Das wichtigste Mittel gegen schwere Schäden durch solche Vorfälle seien gut geschulte Seeleute, sagte Philip Ponsford vom Assekuradeur und Risikomanager Astaara bei der internationalen Transportversichererkonferenz IUMI. Cyberangriffe könnten zu Katastrophen beitragen, seien aber nur Teil einer ganzen Kette von Fehlern. Viele Risiken seien außerdem leicht zu verhindern.
ILS: Großes Potenzial bei Cyber
Historisch bedingt hat der Markt für Versicherungsverbriefungen (Insurance Linked Securities, ILS) noch immer einen starken Fokus auf Naturkatastrophenrisiken. Andere Risiken wie Cyber spielen noch keine nennenswerte Rolle. Angesichts der Kapazitätsengpässe in der Cybersparte sei es wünschenswert, wenn der ILS-Markt die Situation durch zusätzliche Kapazität entschärften könnte, sagte Munich Re-Vorstand Stefan Golling. Während der Marktzugang sowie Services weiterhin über Erst- und Rückversicherer laufen würden, könnte der ILS-Markt als zweite Ebene eine Retrozessions-Funktion übernehmen – vor allem mit Blick auf Kumulszenarien.
Marsh sieht große Probleme in Sach
Exklusiv Die Fluten des Sommers 2021 führen in der Industrieversicherung zu einer neuen Verhärtung in den Sachsparten. Das befürchtet Marsh-Geschäftsführer Thomas Olaynig. Im Interview mit dem Versicherungsmonitor spricht Olaynig über die aktuelle Stimmung in der Branche, Verzögerungen bei Quotierungen und die Veränderungen im Maklermarkt. Er plädiert für mehr Stabilität auf Versichererseite, gerade bei Kunden mit geordnetem Risikomanagement und wenigen Schäden.
Harter Markt bestimmt Industrieversicherung
Der Industrieversicherungsmakler und Risikoberater Marsh hat seine aktuelle Einschätzung der Lage veröffentlicht, ein Update des im Februar 2021 erschienenen jährlichen Versicherungsmarktreports. Besonders im Fokus stehen dabei die Elementargefahren. Die Sachversicherung sorgt angesichts der aktuellen Flutschäden für besondere Probleme. Entspannung ist in der Luftfahrtversicherung angesagt, das Gegenteil ist der Fall bei Cyber, D&O und in den Industriesparten Chemie/Pharma/Medtech sowie im Gesundheitswesen.
AGCS: Gefahr durch Legal Techs und Prozessfinanzierer
Sammelklagen sind auf dem Vormarsch – auch in Deutschland, warnt der Industrieversicherer Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS). „Ihre Auswirkungen auf Unternehmen und Geschäftsführer sollten nicht unterschätzt werden.“ Zur Ausbreitung von Sammelklagen – in ihren verschiedenen Ausführungen – tragen unter anderem sogenannte Legal Techs bei, die auf die Vereinfachung von rechtlichen Prozessen spezialisiert sind, sowie Prozessfinanzierer. Neue EU-Vorschriften, die spätestens ab Mitte 2023 auch in Deutschland greifen, erhöhen das Risiko für Sammelklagen weiter, so AGCS.
Sehm: „Viel Neugeschäft, unabhängig von Covid“
Exklusiv Die Rückversicherer konnten sich zuletzt über weiter steigende Preise freuen, müssen aber auch mit veränderten Risikosituationen fertig werden. Hannover Rück-Vorständin Silke Sehm spricht im Interview mit dem Versicherungsmonitor über künftige Erneuerungen, das Branchentreffen in Monte Carlo in Zeiten der Pandemie, Nachfragetrends und die Frauenquote.
Zaffino: Es kann nicht beim Status quo bleiben
Immer heftiger werdende Naturkatastrophen, neue Risiken wie Pandemien und Cyberangriffe, ganz zu schweigen vom Klimawandel – all diese Dinge gehen nicht spurlos an der Assekuranz vorbei. Deshalb müssen sich Versicherer anpassen, sagte AIG-Chef Peter Zaffino auf dem GVNW-Symposium. Es könne nicht beim Status quo bleiben. Damit bezieht er sich nicht nur auf Änderungen bei den Preisen und Versicherungsbedingungen, sondern spricht auch die Rolle der Versicherer beim gesellschaftlichen Wandel an.
Regierung muss sich mit Pandemierisiko beschäftigen
Industrie und Versicherer sind sich einig, dass die Assekuranz das Risiko einer Pandemie nicht allein schultern kann. Sie plädieren deshalb für eine privat-öffentliche Kooperation, wie es sie beim Terrorrisiko schon gibt. Hans-Georg Jenssen vom Bundesverband Deutscher Versicherungsmakler ist optimistisch, dass die künftige Bundesregierung nicht um das Thema herumkommt. Er betonte, dass die Industrie und die Makler bei der Ausgestaltung einer solchen Lösung mitreden wollen, und kritisierte den GDV, der seine Vorschläge ohne Rücksprache beim Finanzministerium eingereicht habe.
Wilhelm: Lieferkettengesetz verschärft Lage in D&O
Das im übernächsten Jahr in Kraft tretende Lieferkettengesetz gehört zu den umstrittensten aktuellen Gesetzesvorhaben. Es wird auch die Lage in der von Ausschlüssen, massiven Preiserhöhungen und Kapazitätseinschränkungen geprägten D&O-Versicherung weiter verschärfen, sagte Rechtsanwalt Mark Wilhelm auf dem GVNW-Symposium. Das Gesetz führe zu einer „uferlosen Managerhaftung“, behindere unternehmerisches Handeln und stelle auch die Versicherer vor große Probleme. Problematisch sind vor allem die sogenannten „mittelbaren Zulieferer“.
GVNW fordert mehr Tempo bei Pandemieabsicherung
Der Gesamtverband der versicherungsnehmenden Wirtschaft (GVNW) kritisiert die Trägheit der Politik, wenn es um die Gründung einer privatwirtschaftlich-öffentlich finanzierten Pandemieabsicherung geht. Es sei klar, dass die Versicherungswirtschaft allein nicht die Finanzkraft habe, um Schäden dieser Größenordnung zu stemmen, erklärte Vorstandschef Alexander Mahnke auf dem diesjährigen GVNW-Symposium. Die bisherigen Versuche des Verbands, mit der Politik bei diesem Thema in den Dialog zu treten, waren nicht von Erfolg gekrönt, kritisierte er. Auch für Naturkatastrophen und Cyberangriffe sei ein solcher Ansatz denkbar.
IUMI: Schifffahrts-Boom schuld an Ladungsverlusten
Die Schifffahrt und die Transportversicherer rätseln seit Monaten über eine Häufung von Containerverlusten im vergangenen Winter. Auf der IUMI-Konferenz der Internationalen Transportversicherervereinigung stellte der Schifffahrtsexperte des GDV Uwe Schieder einen Zusammenhang zur Corona-Pandemie her. In dem folgenden Aufschwung seien vor allem große Containerschiffe so stark ausgelastet gewesen wie noch nie. Das habe Schwächen in der Stabilität offengelegt.












