Die Ratingagenturen Fitch und Moody’s zeigen bei der Beurteilung der Rückversicherer wieder mehr Optimismus. Fitch hat den Branchenausblick von „stable“ auf „improving“ hochgesetzt, Moody’s von negativ auf stabil. Preiserhöhungen, die wirtschaftliche Erholung und mehr Sicherheit bei den Pandemie-Schäden sind die Hauptgründe dafür. Ob die Preiserhöhungen zum Jahreswechsel aber wirklich so hoch ausfallen werden, wie von einigen Experten erhofft, ist aber noch nicht ausgemacht.
Industrieversicherung
Schiffsversicherer leiden unter sozialer Inflation
Eine Vielzahl von juristischen Herausforderungen hält die Transportversicherer in Atem. Die soziale Inflation treibt vor allem in den USA die Schadenhöhen nach oben, hieß es bei einer Diskussionsrunde der Internationalen Transportversicherervereinigung IUMI. Die Versicherer müssen sich dabei mit neuen Strategien von Klägeranwälten auseinandersetzen. Eine wichtige Rolle dabei spielen auch Prozessfinanzierer, die die Häufigkeit von Gerichtsverfahren erhöhen. Auch die rechtlichen Folgen der steigenden Zahl von Containerverlusten auf See beschäftigen die Versicherer.
Unimicron: Axa und Gothaer unterliegen vor Gericht
Exklusiv Das Landgericht Kleve hat die Versicherer Axa und Gothaer dazu verurteilt, ausstehende Schadenzahlungen von 1,42 Mio. Euro beziehungsweise 950.000 Euro an den Leiterplattenhersteller Unimicron Germany zu zahlen (Az. 6 O 24/21). Hinzu kommen Zinsen von insgesamt knapp 800.000 Euro. Das in Geldern am Niederrhein ansässige Unternehmen hatte nach dem Brand einer Produktionshalle die Versicherer verklagt, weil diese sich im Gegensatz zum Konsortialführer Allianz trotz eines bindenden Sachverständigenverfahrens geweigert hatten, den vollen Anteil an der dabei ermittelten Schadensumme zu zahlen. Der Fall gehört zu den skurrilsten seiner Art in der Industrieversicherung.
MRH Trowe kauft in Süddeutschland zu
Der Industrieversicherungsmakler MRH Trowe setzt seine Einkaufstour in Deutschland fort. Dieses Mal hat das Frankfurter Unternehmen die Kolb & Bär Versicherungs- und Finanzmakler GmbH mit Sitz im oberfränkischen Pegnitz übernommen. Mit dem Zukauf verstärkt MRH Trowe seine Präsenz in Süddeutschland. Zuletzt hatte die Gesellschaft dort den Makler KVM Kulmbacher gekauft. Die bisherigen Geschäftsführer von Kolb & Bär werden schon bald ihren Platz räumen.
Zurich präsentiert mehr Details zum Klimaschutz
Die Zurich hat die Maßnahmen konkretisiert, mit denen sie die Treibhausgasemissionen ihres operativen Geschäfts in den nächsten Jahren deutlich verringern und bis 2050 schließlich auf Null bringen will. Außerdem plant sie für Lebensversicherungskunden den nach eigenen Angaben branchenweit ersten klimaneutralen Aktienfonds. Seine Kapazitäten im Bereich erneuerbare Energien will der Versicherer deutlich ausweiten. Allerdings gibt es weiterhin keine generellen Vorschriften oder gar Ausschlüsse für Industriekunden mit hohen Emissionen.
Neue Kanzlei knöpft sich Industrieversicherer vor
Die Rechtsanwälte Cäsar Czeremuga und Christian Drave haben die Spezialkanzlei Norden Rechtsanwälte gegründet. Die Düsseldorfer Gesellschaft konzentriert sich auf Rechtsfragen in der Industrieversicherung. Vertreten werden mittelständische Unternehmen, Konzerne und Versicherungsmakler. Erfahrung in diesem Bereich haben die beiden Rechtsanwälte zuletzt bei der auf Haftungs- und Versicherungsrecht spezialisierten Kanzlei Wilhelm Rechtsanwälte gesammelt. Mit ihrem neuen Angebot treten Czeremuga und Drave in direkte Konkurrenz zum alten Arbeitgeber.
Bardo: Durchwachsene Noten für Kautionsversicherer
Der Hamburger Kreditversicherungsmaklerverband Bardo hat seine Mitglieder zur Leistungsfreudigkeit von Kautionsversicherern in der Corona-Pandemie befragt und durchwachsene Ergebnisse erhalten. Die Noten, die die Maklerunternehmen für die Versicherer vergaben, waren mittelmäßig, aber immerhin besser als im letzten Jahr. Unternehmenskunden machte es vor allem zu schaffen, dass die Gesellschaften während der Krise Limite gekürzt und Verträge gekündigt haben. Eine Gesellschaft stach besonders negativ heraus.
IUMI: Transportversicherer mit Prämiensteigerungen
Die Prämien in der Transportversicherung sind im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Die beiden wichtigsten Sparten – Warentransportversicherung und Seekasko – legten jeweils um rund 6 Prozent zu, hieß es auf der Konferenz der Internationalen Transportversicherervereinigung IUMI. Den Versicherern half zudem, dass es relativ wenige Schäden gab, was auch mit der geringeren Aktivität im Corona-Jahr 2020 zusammenhängt. Astrid Seltmann vom Statistik-Komitee der IUMI äußerte die Sorge, dass sich das wieder ändern könne, nachdem die Schifffahrt wieder im Normalbetrieb läuft.
Neuer Deutschlandchef für Euler Hermes
Leute – Aktuelle Personalien Milo Bogaerts (Bild) wird neuer Hauptbevollmächtigter für die DACH-Region beim Kreditversicherer Euler Hermes. Sein Vorgänger Ron van het Hof gibt alle Managementpositionen ab und will sich der Familie widmen. Außerdem: Die Boston Consulting Group wirbt einen Versicherungsexperten beim Konkurrenten Oliver Wyman ab. Der Rückversicherer Swiss Re baut seine Cybersparte um und holt dafür John Coletti von Axa XL. Konkurrent Canopius erhält einen neuen Finanzchef, und AIG befördert Clara Brady zur Chief Underwriting Officer für den Bereich internationale Haftpflichtversicherung.
IUMI: Versicherer erhöhen Druck auf die Reeder
Die Schifffahrt hinkt beim Klimaschutz anderen Branchen noch deutlich hinterher. Der öffentliche Druck auf die Branche und damit auf ihre Versicherer steigt. Beim Auftakt der Jahreskonferenz der internationalen Transportversicherervereinigung IUMI machte Verbandspräsident Richard Turner deutlich, dass die Branche sich wandeln muss. Ansonsten werden irgendwann die Investoren fordern, dass keine Versicherungskapazität mehr für schmutzige Schiffe bereitgestellt wird. Allerdings müsse bei der Suche nach neuen Treibstoffen auch die Sicherheit beachtet werden.
Cyber: Harte Sanierung steht bevor
Unternehmen, die ihre Cyberpolice zum Jahreswechsel erneuern wollen, werden tief in die Tasche greifen müssen. Makler Sven Erichsen berichtet auf der Cyber-Konferenz von Euroforum über eine Verzehnfachung von Prämien bei gleichzeitiger Verdopplung des Selbstbehalts und Reduzierung des Limits. Er vergleicht die anstehende Sanierung mit der Reaktion der Versicherer auf die Terroranschläge vom 11. September 2001. Auch damals fuhren die Anbieter ihre Kapazität stark zurück. Die Cyberversicherer reagierten auf eine dramatisch verschärfte Schadensituation, berichtet Erichsen. Daran seien die Kunden nicht ganz unschuldig.
BaFin: Cybersparte wächst deutlich
Die in Deutschland tätigen Anbieter von Cyberversicherungen haben laut der Finanzaufsicht BaFin im vergangenen Jahr Prämieneinnahmen von 240 Mio. Euro eingenommen. Die Zahlen sind das Ergebnis einer Umfrage der Aufsicht unter den Anbietern, deren erste Ergebnisse am Mittwoch auf der Euroforum Cyber-Konferenz veröffentlicht wurden. Laut BaFin-Referatsleiter Ramon Platt zeigte die Umfrage auch, dass die Versicherer im Schnitt im Cyber-Bereich profitabel arbeiten. Er bekräftigte außerdem die Forderung der Aufsicht nach einer besseren Finanzierung von Start-ups.
D&O: „Taktieren bis zum Schluss“
Themenschwerpunkt D&O Die vergangene Erneuerungsrunde hat bei vielen Industriekunden für große Unzufriedenheit mit ihren D&O-Versicherern gesorgt. Mangelnde Kommunikation und viel zu späte Mitteilungen über Preiserhöhungen und Kapazitätseinschränkungen gehören zu den Vorwürfen gegen die Gesellschaften. Zwei führende Anbieter verteidigen sich und sehen auch eine Schuld bei Kunden, die bis zum Schluss taktieren wollen.
Paramount Pictures verklagt Chubb-Tochter
Die Produktionsgesellschaft Paramount Pictures verklagt die US-amerikanische Chubb-Tochter Federal Insurance Company. Paramount will Zahlungen für Betriebsunterbrechungen bei der Produktion des siebten Teils der „Mission Impossible“-Reihe, bei der Tom Cruise sowohl den Helden spielt als auch Produzent ist. Die Dreharbeiten mussten mehrmals wegen Covid-19 unterbrochen werden, Federal will aber nur für die erste Unterbrechung zahlen.













