Industrieversicherung
D&O-Renewals: Zu spät, zu streng, zu viel
Themenschwerpunkt D&O Keine Frage, die zurückliegenden Erneuerungsrunden in der D&O-Versicherung waren für die meisten Kunden nicht zufriedenstellend. Teils drehten die Versicherer kräftig an der Preisschraube. Statt individueller Risikobetrachtung hieß es Gießkannenprinzip, monierten Experten beim dritten Round Table des Versicherungsmonitors. Doch das war nicht der einzige Kritikpunkt, den Vertreter aus der Industrie und der Maklerbranche nannten. Worüber sie sich in der Erneuerung am meisten geärgert haben.
D&O: Ärger, Enttäuschung – und viel Gesprächsbedarf
Themenschwerpunkt D&O Der Gesprächsbedarf in der Managerhaftpflichtversicherung ist gewaltig: Industrie, Versicherer und Makler sind mächtig genervt voneinander und suchen nach Lösungen für die von teuren Schadenfällen, steigenden Preisen und sinkenden Kapazitäten gebeutelte Sparte. Während die Industrie beim dritten Round Table-Gespräch des Versicherungsmonitors bereits über die Möglichkeit nachdenkt, künftig Risiken selbst zu versichern, plädieren die Versicherer für einen offenen Dialog.
Clyde: M&A-Aktivitäten steigen bald wieder an
Aufgrund der Corona-Pandemie ist die Zahl der Käufe und Verkäufe im Versicherungssektor im vergangenen Halbjahr leicht zurückgegangen. Mit Erholung der globalen Wirtschaft könnten die Geschäfte jedoch wieder anziehen, erwarten die Rechtsexperten der Londoner Anwaltskanzlei Clyde & Co. Profitieren könnten vor allem Abwickler von Lebensversicherungsgesellschaften. Denn der Markt für Nicht-Leben-Akteure ist stark umkämpft.
Willis Re sorgt sich um Inflation
In den ersten sechs Monaten 2021 hat sich für die Erst- und Rückversicherer weltweit gegenüber dem Corona-Jahr 2020 vieles zum Guten gewendet. Die meisten Unternehmen haben ihre Prämieneinnahmen gesteigert, keiner hat eine Schaden- und Kostenquote von über 100 Prozent, berichtet der Rückversicherungsmakler Willis Re. Die Gefahr einer anziehenden Inflation trübt die Stimmung allerdings. Diese hätte für die Versicherer bei den Kapitalanlagen und auf der Schadenseite spürbare Folgen.
CO2: Allianz will Druck auf Unternehmen erhöhen
Die Allianz will die Transformation zu einer CO2-armen Wirtschaft über die Kapitalanlage beschleunigen. „Wir wissen, dass wir als großer institutioneller Anleger Einfluss darauf nehmen können, wie Unternehmen produzieren“, sagte Andreas Lindner, Chefanleger von Allianz Leben und Allianz Private Kranken, der Nachrichtenagentur Reuters. Es gehe weniger um eine Veränderung des eigenen Anlageportfolios, sondern darum, dass sich die Unternehmen verändern, in die der Konzern investiert. Umweltschützern gehen die Klima-Ambitionen der Versicherer allerdings nicht weit genug.
Henchoz: „Nüchtern, was Preiserhöhungen angeht“
Exklusiv Zwischen fünf und sieben Prozent konnte der Rückversicherer Hannover Rück die Preise im Durchschnitt über das gesamte Portfolio hinweg bei den vergangenen Erneuerungsrunden erhöhen. In der Branche habe es zuletzt „Momentum und Disziplin“ gegeben, von einer massiven Marktverhärtung könne aber keine Rede sein, sagte Jean-Jacques Henchoz, Vorstandschef der Talanx-Tochter, im Gespräch mit dem Versicherungsmonitor. Henchoz zieht ein erstes Corona-Zwischenfazit und erläutert, warum die Pandemie dem Konzern aufgrund seiner Unternehmenskultur langfristig nicht viel anhaben kann.
Insurtech startet Plattform für Spezialversicherungen
Der neu gegründete Spezialversicherer Mosaic aus Bermuda will den Markt der komplexen Risiken digitalisieren. Dafür hat das Insurtech zusammen mit dem IT-Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen DXC Technology Company eine Plattform ins Leben gerufen. Mithilfe von Blockchain-Technologie und künstlicher Intelligenz sollen Platzierung, Verwaltung und Schadenbearbeitung vereinfacht und beschleunigt werden.
Nord Stream 2 fehlen Versicherer und Zertifizierer
Die umstrittene Gas-Pipeline Nord Stream 2 ist fast fertig und soll nach dem Willen des Betreibers Gazprom noch in diesem Jahr das erste Erdgas quer durch die Ostsee von Russland nach Deutschland transportieren, wo sie in Lubmin (Bild) endet. Woran es aber noch mangelt, sind Versicherer und Zertifizierungsfirmen, berichtet Bloomberg. Die US-Sanktionen gegen an dem Projekt beteiligte Unternehmen haben dafür gesorgt, dass Zertifizierungsfirmen, Ingenieurbüros und auch viele Versicherer ausgestiegen sind, beispielsweise Axa, Zurich und ein Lloyd’s-Syndikat der Munich Re.
Angespannte Lage in der Industrieversicherung
In der Industrieversicherung setzt sich – auch beeinflusst durch die Pandemie und die steigenden Schäden in vielen Bereichen – der Trend zu geringen Kapazitäten und hohen Prämien weiter fort. Zu diesem Ergebnis kommt der Makler Funk in seinem aktuellen Marktbericht. In vielen Sparten werde es immer schwieriger, die erforderlichen Deckungen zu erhalten. Dafür sei es zwingend erforderlich, dass die Unternehmen ihre Hausaufgaben machen – beispielsweise im Brandschutz oder bei Maßnahmen im Bereich Risk-Engineering für die Cyberversicherung.
HDI erzürnt Chempark-Anwohner
Mit dem Versuch, die finanziellen Folgen der Explosion im Leverkusener Chempark einzudämmen, hat der Industrieversicherer HDI Global für erhitzte Gemüter gesorgt. Der Grund: Als Haftpflichtversicherer des Unternehmens Currenta, das das Unglück zu verantworten hat, muss die Talanx-Tochter für Personen- und Sachschäden aufkommen. Um teure gerichtliche Auseinandersetzungen mit Anwohnerinnen und Anwohnern abzuwenden, hat HDI Global den Betroffenen Vergleichsangebote unterbreitet. Das ging allerdings nach hinten los.
„Assekuradeure müssen Mehrwert bieten“
Exklusiv Hans-Christoph Enge ist geschäftsführender Gesellschafter des auf Transportversicherungen spezialisierten Bremer Assekuradeurs Lampe & Schwartze. Im Interview mit dem Versicherungsmonitor spricht er über die Havarie der „Ever Given“ im Suez-Kanal, zunehmende Brände auf Schiffen und neue umweltfreundlichere Antriebe für die Schifffahrt.
Ransomware-Angriff trifft Tokio Marine
Versicherer werden zunehmend selbst zu Opfern von Cyberangriffen mit Erpressungssoftware. Nach CNA, Axa und der Haftpflichtkasse hat es jetzt den japanischen Versicherer Tokio Marine getroffen. Der Angriff ist offenbar auf die Singapurer Einheit des Unternehmens beschränkt, Kundendaten sollen nicht abgeflossen sein. Der Vorfall zeigt aber, dass Ransomware-Attacken zu einem immer größeren Problem für die Branche werden.
Aon: Versicherer verspielen ihre Relevanz
Auch wenn sich die Lage in der Industrieversicherung gegenüber der Situation in den vergangenen anderthalb Jahren leicht gebessert hat: Für die Industrieunternehmen in Deutschland war es noch nie so schwierig, bezahlbaren Versicherungsschutz in erforderlichem Volumen zu bekommen. Davon zeigten sich die Aon-Geschäftsführer Kai-Frank Büchter und Hartmuth Kremer-Jensen im Gespräch mit dem Versicherungsmonitor überzeugt. Die Versicherer liefen zunehmend Gefahr, in wichtigen Sparten an Relevanz zu verlieren. Firmen mit ausreichender Kapitalstärke neigten dazu, immer mehr Risiken selbst zu tragen anstatt sich mit ihnen herumzuschlagen.
Per App auf die Baustelle
Die Talanx bietet ihren Industriekunden weltweit eine App an, mit der sie einen Experten für die Risikoanalyse virtuell zuschalten können. Damit reagiert der Industrieversicherer der Gruppe HDI Global auf die erschwerten Arbeitsbedingungen in Pandemiezeiten. Die zugeschalteten Ingenieure haben die Möglichkeit, Fotos oder Videos zu machen oder dem Kunden ihrerseits Informationen zuzuschicken. Die Technik soll physische Begehungen nicht ersetzen, sondern ergänzen, betont Oliver Vogel vom internen Dienstleister für Risikoberatung HRC.












