Insurtech
Richter weisen Ottonova in die Schranken
Der digitale Krankenversicherer Ottonova darf nicht damit werben, dass er seinen Versicherten die Fernbehandlung bei Ärzten in der Schweiz ermöglicht. Das hat das Landgericht München I in einem Verfahren entschieden, das die Wettbewerbszentrale gegen den Versicherer angestrengt hatte. Erst wenn die Urteilsbegründung vorliegt, will das Unternehmen entscheiden, ob es in die Berufung geht. Ottonova-Chef Roman Rittweger hofft auf eine baldige Verabschiedung des Digitalisierungsgesetzes der Bundesregierung und betont, dass Ottonova weiter auf Innovationen setzen will. Die Wettbewerbszentrale hält klare gesetzliche Rahmenbedingungen zum Thema für notwendig.
Ergo verliert Dennis Just
Leute – Aktuelle Personalien Der ehemalige Knip-Chef Dennis Just verlässt den Direktversicherer Ergo Direkt. Er war 2017 als Leiter Onlinevertrieb zu dem Düsseldorfer Anbieter gekommen. Jetzt geht er Ende des Jahres wieder. Einen Nachfolger gibt es noch nicht. Außerdem: Die BaFin hat eine Leiterin für das neugeschaffene Digital Office ernannt. Die 48-jährige Juristin Silke Deppmeyer ist seit 1. Juli zuständig für die digitale Strategie der deutschen Finanzaufsicht. Mark-Dominik Thofern wechselt nach 20 Jahren bei Marsh zum Konkurrenten Aon.
Franke & Bornberg kauft Anteil an Banksapi
Die Hannoveraner Analyse- und Softwarefirma Franke & Bornberg hat sich an dem Start-up Banksapi in München beteiligt. Banksapi wurde von dem Firmenentwickler Finconomy unter Führung von Reinhard Tahedl aufgebaut und arbeitet vor allem für Versicherer wie die Württembergische und die Alte Leipziger, für die das Unternehmen Zahlungsstromanalysen bereitstellt. Der Schritt hat auch deshalb weitreichende Bedeutung, weil Franke & Bornberg in der Zusammenarbeit mit Maklerpools als IT-Dienstleister und Vergleichsportal aktuell seine Position deutlich ausbaut.
Allianz wird Finanzmanager
Viele Versicherer und Vertriebe bieten inzwischen Plattformen oder Apps an, auf denen Nutzer alle Finanzangelegenheiten an einem Ort erledigen können. Jetzt will auch der Branchenriese Allianz mitmischen. Im nächsten Jahr soll eine Internet-Plattform namens Iconic Finance online gehen, auf der Kunden nicht nur ihre Versicherungsverträge verwalten, sondern auch Bankgeschäfte erledigen können. Angesiedelt ist das Projekt bei Allianz X, der Tochter für Digitalinvestments.
Bentele wechselt innerhalb von AGCS
Leute – Aktuelle Personalien Der Industrieversicherer Allianz Global Corporate & Specialty verstärkt seine Einheit Alternative Risk Transfer, die individuelle, spartenübergreifende Verträge für Unternehmen anbietet. Christof Bentele übernimmt hierfür die neu geschaffene Position des Head of Global Client Management. AGCS hatte die Einheit vergangenes Jahr neu organisiert und das Geschäft mit Versicherungsverbriefungen wie Cat Bonds ausgelagert. Bentele war bislang für das Krisenmanagement-Team innerhalb der Haftpflichtversicherung verantwortlich. Außerdem: Die Bayerische Beamten Lebensversicherung bekommt einen neuen Aufsichtsrat, Optiopay erweitert das Führungsteam, Prosperity hat einen neuen CEO und Hepster einen neuen Chief Marketing Officer.
Perseus: „Jeden Euro in Wachstum stecken“
Perseus ist 2017 als Dienstleister für Cybersicherheit gestartet und hat sein Angebot vor Kurzem um einen Cyberschutzbrief für technische Expertise im Schadenfall ausgebaut. Im Interview mit dem Versicherungsmonitor spricht Geschäftsführer Richard Renner darüber, wie Perseus seine Dienste den Versicherern schmackhaft macht und warum er ihnen keine direkte Konkurrenz machen will. Außerdem erläutert er, in welche Richtung sich das Geschäftsmodell von Perseus langfristig entwickeln wird.
E-Scooter-Verleih mit kostenloser Police
Dott, ein niederländisches E-Scooter-Start-up, hat aktuell eine Finanzierungsrunde in Höhe von 34 Mio. Dollar (30 Mio. Euro) abgeschlossen. Geldgeber sind unter anderem die Medienhäuser Naspers aus Südafrika und das deutsche Unternehmen Axel Springer. Mit dem frischen Geld will Dott unter anderem nach Deutschland expandieren und Kunden aus Frankreich und Belgien kostenlosen Versicherungsschutz anbieten. Die Allianz fordert unterdessen eine separate Schadenstatistik für das junge Schadensegment.
Daniel Schreiber: „Die Leute haben auf uns gewartet“
Der Versicherer Lemonade gibt sich selbst 20 Jahre, um sein Geschäftsmodell durchzusetzen. Das sagt Gründer und Unternehmenschef Daniel Schreiber im Interview mit SZ und Versicherungsmonitor. Die großen, traditionellen Versicherer werden nicht so bald zusammenbrechen, haben aber langfristig keine Zukunft, glaubt Schreiber. Der Vertrieb soll auf digitale Wege und die Zusammenarbeit mit Banken beschränkt bleiben. Schreiber erläutert auch, warum drei Bots für Lemonade so wichtig sind – der Underwriting-Bot Maya, der Schadenbot Jim und der interne Bot Cooper. Hier die erweiterte Fassung des Interviews.
Podcast: Lemonade-Chef Daniel Schreiber zum deutschen Markt
Versicherungsmonitor O-Ton Daniel Schreiber ist sich sicher: Es gibt eine ganze Generation jüngerer Menschen, die auf einen Versicherer wie Lemonade gewartet hat. Er soll ein ganz neues Nutzererlebnis bringen, spielerisch daherkommen, gute Preise und schnelle Schadenregulierung bringen. Wie lange Lemonade den im Juni gestarteten Marktauftritt in Deutschland beibehält, weiß Schreiber nicht – wenn es nicht läuft, kann sich der Chef auch den Rückzug vorstellen.
Mit KI zu mehr Kundenzufriedenheit
Moderne Technologien wie künstliche Intelligenz (KI) haben großes Potenzial für die Versicherungswirtschaft, darin waren sich die Teilnehmer der Konferenz „Machine Intelligence Summit“ in Berlin einig. Linda Stannierder von der Marketingagentur Brandlab sagte, mit KI könnten Kunden passgenauer angesprochen werden. Das sei eine große Chance für eine Branche mit einem Vertrauensproblem. Technologie ist aber nur ein Instrument mit dem Zweck, eine höhere Kundenzufriedenheit zu erreichen, betonte Monika Schulze von der Zurich. Martin Micko vom Insurtech Omnius versprach Versicherern ein besseres Kundenerlebnis im Schadenmanagement, wenn sie das KI-basierte Programm des Insurtechs einsetzen.
Insurtech-Branche wird heterogener
Bei den in Deutschland aktiven Insurtechs trennt sich zunehmend die Spreu vom Weizen. Von den 183 Gründungen seit dem Jahr 2000 haben 49 aufgegeben oder sind in andere Geschäftsfelder abgewandert. Unter den 134 verbliebenen Unternehmen gibt es außerdem einige, die auf Investoren hoffen, aber nicht am Marktgeschehen teilnehmen. Zu diesen Ergebnissen kommen der Berater Oliver Wyman und der Policenaufkäufer Policen Direkt in ihrer Studie „Insurtech-Radar Deutschland 2019“. Eine weitere Beobachtung: Vor einigen Jahren haben die meisten Insurtechs an der Kundenschnittstelle angegriffen, heute treten die meisten als Technologie-Dienstleister im Bereich Versicherungsbetrieb auf.










