Die Union Reiseversicherung streitet mit Reiseveranstaltern um die Höhe der Stornopauschalen, die die Firmen ihren Kunden im Falle eines Reiserücktritts in Rechnung stellen. Betragen diese mehr als 20 Prozent, müssen die Veranstalter nachweisen, dass ihnen durch die Stornierung tatsächlich ein durchschnittlicher Schaden in dieser Höhe entstanden ist. Dieses Urteil fällte der Bundesgerichtshof bereits im Jahr 2014, die meisten Reiseveranstalter halten sich aber immer noch nicht an diese Vorgabe, klagt der Versicherer. Die Forderungen, die aus den nach Ansicht des Versicherers überhöhten Stornorechnungen resultieren, hat er nun an zwei Inkassodienstleister abgegeben. Das Unternehmen ist aber weiterhin an einer Verhandlungslösung interessiert.
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Kein Geld für Terroristen!
Legal Eye – Die Rechtskolumne Kürzlich wurde über einen Hackerangriff auf den südafrikanischen Versicherer Liberty berichtet. Das Unternehmen sei erpresst worden, habe aber keine Zahlungen geleistet. Der Fall wirft die interessante Frage auf, was eigentlich zu geschehen hat, wenn Cybercrime auf Terrorismus trifft. Es ist ja ernsthaft zu befürchten, dass Terroristen vor der digitalen Welt nicht haltmachen, sondern im Gegenteil versuchen werden, mithilfe von Cybererpressungen ihr schändliches Tun zu finanzieren. Das könnte für sie einerseits einfacher, andererseits auch „sauberer“ sein als lästige Entführungen. Cyberversicherer, die Lösegeldzahlungen abdecken, müssen bei dem Thema auf der Hut sein.
Betriebsrenten und Run-off
Was die Woche bringt An dieser Stelle nehmen wir die Themen der kommenden Woche in den Blick und stellen wichtige Branchentermine vor. Dieses Mal: Mitgliederversammlung des Pensions-Sicherungs-Vereins
Bohn: Bei Treuhändern ist sachliche Lösung nötig
Das Verfahren vor dem Bundesgerichtshof (BGH) zur Unabhängigkeit der Treuhänder in der privaten Krankenversicherung wird nicht dazu führen, dass zurückliegende Beitragsanpassungen für unrechtmäßig erklärt werden. Das erwartet der Vorstandschef der Hallesche Krankenversicherung Christoph Bohn. Gleichzeitig geht er davon aus, dass das bisher praktizierte Verfahren nicht in Gänze von den obersten Richtern abgesegnet wird, sondern dass sie neue Anforderungen für die Zukunft formulieren. Der zuständige BGH-Senat soll sich im August mit dem Thema befassen, ein Urteil ist nicht vor Oktober zu erwarten.
Der schnöde digitale Alltag
Herbert Frommes Kolumne Wenn es für ihn gut läuft, hat ein Kunde wenig Kontakt zum Versicherer. Er schließt den Vertrag ab und zahlt die Prämie. Gibt es keinen Schaden, hat er auch keinen Grund, den Versicherer zu kontaktieren. Viele Gesellschaften wollen das ändern und zum digitalen Lebensbegleiter der Kundschaft werden. Aber bislang scheitern eine große Zahl von ihnen schon an den Grundlagen: Sie können keinen einfachen digitalen Zugang für Vertragsänderungen zur Verfügung stellen.
Vorstandsgehälter galoppieren davon
Die Diskrepanz zwischen den Gehältern in den Chefetagen der Dax 30-Konzerne und dem, was die Mitarbeiter im Schnitt verdienen, wird immer größer. Das zeigt eine Untersuchung des Instituts für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.). Danach hat Allianz-Chef Oliver Bäte im vergangenen Jahr 58 Mal so viel verdient wie der durchschnittlich Beschäftigte beim Marktführer. An der Spitze der Munich Re gab es das 64-Fache. Innerhalb der Dax 30-Gruppe schneiden die Versicherungsmanager damit noch eher bescheiden ab, der Median lag bei 85. Die Schere zwischen Vorstands- und Mitarbeitergehältern ist laut I.M.U. in den vergangenen Jahren weiter auseinander gegangen.
Hallesche baut umfassendes Gesundheitsportal
In einem neuen Gesundheitsportal unter dem Namen „hallesche4u“ bündelt die Hallesche Krankenversicherung künftig eine Reihe von digitalen Angeboten, zu denen langfristig auch eine elektronische Gesundheitsakte und die Vernetzung mit Ärzte, Kliniken und anderen Leistungserbringern gehören sollen. Das Portal befindet sich noch in der Testphase und soll im September online gehen. Der neue Vorstandschef des Alten Leipziger-Hallesche Konzerns Christoph Bohn setzt auf die Zusammenarbeit mit Partnern. Allein könne der Versicherer die notwendige Geschwindigkeit und Flexibilität nicht darstellen.
Run-off: Generali-Deal erhitzt Gemüter
Nach der Nachricht über den Verkauf der Generali Leben an Viridium rumort es heftig in der Versicherungsbranche. Die deutsche Lebensversicherung steht vor dem größten Run-off-Deal ihrer Geschichte. Mehr als vier Millionen Verträge sollen zusammen mit rund 300 Generali-Mitarbeitern zu Viridium wechseln. Heftige Kritik an der BaFin äußert der Bund der Versicherten und spricht vom „Sündenfall der Deutschen Lebensversicherung“. Verbraucherschützer honorieren indes, dass Generali eine Minderheitsbeteiligung behält. Die BaFin will genau prüfen, ob Viridium einen Bestand dieser Größe stemmen kann. In der Politik klaffen die Meinungen zum Deal auseinander. Die Grünen werfen der großen Koalition Untätigkeit vor.
GDV trommelt für Verrentung
Der Versichererverband GDV wirbt mit einer neuen Studie für mehr Abschlüsse bei privaten Rentenversicherungen: Weil die gesetzliche Rente infolge des demografischen Wandels künftig immer seltener zur Deckung des Lebensstandards im Alter ausreicht, bräuchten die Menschen ein zusätzliches lebenslanges Einkommen – auch, weil sie immer länger leben. Doch viele Sparer ziehen die Einmalzahlung vor. Der Wissenschaftler Jochen Ruß sieht Aufklärungsbedarf in Sachen Lebenserwartung und empfiehlt eine stärkere Betonung der Produktleistung.
Liverani: Das könnte eine Blaupause werden
Wir erreichen Giovanni Liverani in Triest. Der Deutschland-Chef der Generali hat an einer Vorstandssitzung teilgenommen und bereitet sich auf die Rückfahrt nach München vor. Im Interview mit dem Versicherungsmonitor sagte Liverani, dass der Run-off-Deal mit Viridium zum Vorbild für andere ähnliche Übernahmen im deutschen Markt werden könnte. Deshalb begrüßt er die genaue BaFin-Prüfung. Nachteile habe niemand aus dem Geschäft.
Warum der Generali-Deal gut sein kann
Kommentar Mit der Unterschrift von Generali und Viridium unter die Vereinbarung zum Verkauf der Generali Leben ist der Kampf um den Verkauf von Run-off-Beständen nicht vorbei – im Gegenteil, der beginnt gerade erst richtig. Verbraucherschützer und Politiker haben Widerstand angekündigt, sie fürchten um die Interessen der vier Millionen Kunden. Die Versicherungsbranche ist tief gespalten in der Frage. Dabei hat noch kein Mensch erklärt, warum ein interner Run-off mit steigenden Kosten pro Versichertem bei abschmelzendem Bestand besser sein soll als eine professionelle Abwicklung, in der die Bestände wachsen. Dennoch: Die Gegner haben wichtige Argumente, die man ernst nehmen muss.
Generali verkauft Leben an Viridium
Die italienische Versicherungsgruppe Generali, in Deutschland der zweitgrößte Privatkundenversicherer, verkauft 89,9 Prozent an ihrer stillgelegten Tochter Generali Leben an den Abwicklungsspezialisten Viridium. Dabei wird die Generali Leben mit bis zu einer Milliarde Euro bewertet. 300 Mitarbeiter gehen zu Viridium. Die Generali beteiligt sich sehr wahrscheinlich an dem Abwicklungsspezialisten. Der umstrittene Deal dürfte zu heftiger Kritik von Politikern und Verbraucherschützern führen, die Nachteile für Kunden befürchten. In der Branche selbst gibt es schon jetzt eine scharfe Spaltung zwischen Gegnern von Run-off-Lösungen und Versicherern, die einen Bestandsverkauf für eine mögliche Option halten.
DFV beteiligt sich an Maklerpool BCA
Die Deutsche Familienversicherung hat 10 Prozent minus einer Aktie an dem Maklerpool BCA in Oberursel übernommen. Verkäufer ist die bbg Betriebsberatung in Bayreuth, die Veranstalterin der Branchenmesse DKM. Die bbg hatte im vergangenen Jahr alle Anteile des Gründers Jens Wüstenbecker gekauft und sie Schritt für Schritt an Versicherer weiterverkauft. Stefan Knoll, Chef der Familienversicherung, sieht den Kauf als Schritt zur weiteren Diversifizierung der Vertriebswege. Über die BCA heißt es in Branchenkreisen, dass man sich bei dem Unternehmen auch Zukäufe vorstellen könnte.
Lebensversicherer steigern Kapitalanlageverzinsung
Trotz der anhaltenden Niedrigzinsen konnten die deutschen Lebensversicherer die Durchschnittsverzinsung ihrer Kapitalanlagen 2017 um 0,17 Prozent auf 3,52 Prozent steigern. Das geht aus einer aktuellen Publikation des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft zum Lebensversicherungsmarkt hervor. Insgesamt legten Lebensversicherer im vergangenen Jahr 905,5 Mrd. Euro Kapital an – ein Anstieg von 2,7 Prozent im Vergleich zu 2016. Die Verwaltungskosten blieben unverändert hoch.
Athora macht Thimann zum Athene-Chef
Leute – Aktuelle Personalien Christian Thimann, bislang in der Pariser Axa-Führung für Strategie zuständig und als von der EU beauftragter Experte für nachhaltige Finanzierungen tätig, wird Chef des Wiesbadener Run-off-Spezialisten Athene. Athene gehört zur Athora-Gruppe in Bermuda. Vorgängerin Ina Kirchhof wechselt in den Aufsichtsrat der Athene Lebensversicherung. Stefan Spohr ist jetzt Chef der Athene Deutschland Service GmbH. Claudius Vievers wird Chief Risk Officer und Vorstand der Athene Leben. In wenigen Monaten werden alle Athene-Gesellschaften in Athora umbenannt.













