Den gesetzlichen Krankenkassen wird zu viel aufgebürdet, sie brauchen Entlastung. Das kann mit Zusatzpolicen geschehen, sagt Thomas Brahm, Chef der Debeka und des PKV-Verbandes. Im Interview mit Versicherungsmonitor und SZ spricht er auch über das Problem Umdeckung, die wachsende Rolle von Finfluencern – und den Vorstoß der Debeka in die Gewerbeversicherung.
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Kritik an GKV-Reformplänen, Gegenvorschlag im Bundestag
Die Reformpläne der Regierung für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) könnten zu einem Wechsel von 100.000 Versicherten in das private System führen. Der Bundestag debattiert am Donnerstag einen Gegenvorschlag. Er sieht eine stärkere Belastung von hohen Einkommen und höhere Wechselhürden vor.
PKV warnt vor Wettbewerbsverzerrung
Eine Verschiebung der Rückzahlungen der Bundesdarlehen an Krankenkassen wäre eine verdeckte Subvention und ein Eingriff in den Beitragswettbewerb von GKV und PKV, warnen die privaten Krankenversicherer. Auch bei weiteren der geplanten Maßnahmen zur Stabilisierung der GKV-Finanzen sehen sie Nachbesserungsbedarf.
PKV schweigt zur beitragsfreien Mitversicherung
Zur Stützung der gesetzlichen Krankenversicherung will die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken eingesetzte „Finanzkommission Gesundheit“ die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern streichen. Das könnte den privaten Krankenversicherern (PKV) nützen – die äußern sich aber lieber nicht zu dem Vorschlag.
Privatversicherte sorgen für 20 Prozent des Umsatzes in den Praxen
Zahnärzte und niedergelassene Ärzte profitieren am meisten von den höheren Honoraren für die Behandlung von Privatversicherten. Mit ihnen machen sie mehr als 20 Prozent ihres Umsatzes – obwohl die Kundinnen und Kunden der privaten Krankenversicherer (PKV) nur einen Bevölkerungsanteil von gut 10 Prozent haben. Das geht aus einer aktuellen Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der PKV zum sogenannten Mehrumsatz hervor. Er belief sich 2024 auf 15,5 Mrd. Euro.
Aufwärtstrend in der Vollversicherung setzt sich fort
Den privaten Krankenversicherern (PKV) ist es im vergangenen Jahr erneut gelungen, die Zahl der Kundinnen und Kunden im Hauptgeschäftsfeld Vollversicherung auszubauen. Die Branche verzeichnete ein leichtes Wachstum von 0,5 Prozent auf 8,8 Millionen. Auch im Wettbewerb mit der gesetzlichen Krankenversicherung hat die PKV wieder gut abgeschnitten. Die Leistungsausgaben legten ungefähr im selben Umfang zu wie die Prämieneinnahmen, die von starken Beitragsanpassungen geprägt waren.
PKV: Die Krankenversicherung braucht mehr Wahlfreiheit
Die privaten Krankenversicherer (PKV) könnten nach eigener Einschätzung eine wichtige Rolle bei einer Reform der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) spielen. Mehr Menschen sollten sich zwischen GKV und PKV entscheiden können, schlägt der PKV-Verband in einer Stellungnahme für die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken eingesetzte Finanz-Kommission Gesundheit vor. Als wichtige Maßnahmen sieht er auch mehr Eigenbeteiligungen, niedrigere Steuersätze für Arzneimittel sowie die Stärkung von Prävention und Gesundheitsförderung.
Die PKV-Beiträge steigen weiter
Auch im kommenden Jahr müssen die Privatversicherten wieder tiefer in die Tasche greifen. Die privaten Krankenversicherer (PKV) werden die Prämien in der Vollversicherung Anfang 2026 nach Angaben des PKV-Verbands im Schnitt um 13 Prozent anheben – nach einem durchschnittlichen Plus von 18 Prozent im Jahr 2025. Von der Anhebung werden rund 60 Prozent der Kundinnen und Kunden betroffen sein. Auch in der privaten Pflegepflichtversicherung steigen die Beiträge.
Regierung liebäugelt mit GKV-Zusatztarifen
Die Bundesregierung erwägt, in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) langfristig verschiedene Tarife zu ermöglichen. Die Kassen könnten dann einen Basis-Tarif anbieten und verschiedene Extra-Tarife, die zusätzlich kosten würden. Die privaten Krankenversicherer lehnen den Vorstoß vehement ab, die Kassenärztliche Bundesvereinigung findet ihn gut. Vor einigen Jahren war die AOK Rheinland/Hamburg schon einmal mit Zusatztarifen auf den Markt gegangen – sie waren ihr aber höchstrichterlich verboten worden.
Fachärzteverband sieht Neiddebatte bei Terminen
Es liegt nicht an den Fachärztinnen und Fachärzten, wenn gesetzlich Versicherte länger auf einen Termin warten müssen als Privatpatienten. Das betont der Spitzenverband Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands. Schuld an den ungleichen Wartezeiten sind seiner Meinung nach die Politik und die gesetzlichen Krankenkassen. Der Verband sieht eine „Neiddebatte“ und fordert stattdessen eine „faktenbasierte Debatte“.
Höhere GKV-Beiträge für Gutverdiener?
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Christos Pantazis will Gutverdiener zur Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung stärker belasten. In der Bild-Zeitung hat der Politiker eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze vorgeschlagen. Bei der Union trifft der Vorschlag auf wenig Gegenliebe. Auch die privaten Krankenversicherer sind dagegen. Die kriselnde Finanzsituation in der GKV dürfte sich in Zukunft weiter zuspitzen, wenn nichts geschieht.
Radiologen fordern Facharztstandard auch in der PKV
Die Deutsche Röntgengesellschaft und das Aktionsbündnis Patientensicherheit fordern für die private Krankenversicherung (PKV) die gleichen Facharztstandards wie in der gesetzlichen Krankenversicherung. In der PKV reiche allein die Approbation aus, um außerhalb des eigenen Fachgebietes Patienten behandeln zu können, so die Organisationen. Dies könne zu ernsten Problemen führen. Zuvor hatten Gerichte entschieden, dass eine MRT-Untersuchung auch außerhalb von Fachgebietsgrenzen und ohne Zusatzweiterbildung erbracht und nach der ärztlichen Gebührenordnung abgerechnet werden kann.
Gute Strukturen, schlechte Ergebnisse
Im europäischen Vergleich bietet die Gesundheitsversorgung in Deutschland ein zweigeteiltes Bild: Beim Zugang zur medizinischen Versorgung schneidet das duale Krankenversicherungssystem sehr gut ab, bei den Gesundheitsergebnissen wie der Lebenserwartung dagegen schlecht. Laut einer aktuellen Studie des Wissenschaftlichen Instituts der privaten Krankenversicherung liegt das vor allem an ungesunden Lebensweisen. Gefragt seien Maßnahmen zur Förderung gesundheitsbewussten Verhaltens, mehr Bedeutung für die Prävention und eine Stärkung der Gesundheitskompetenz.
Praxen profitieren am meisten von Privatversicherten
Im Jahr 2023 ist fast ein Drittel der Leistungsausgaben der privaten Krankenversicherer (PKV) auf den sogenannten Mehrumsatz entfallen. Das bezeichnet die höhere Vergütung, die PKV-Unternehmen im Vergleich zu den gesetzlichen Krankenkassen zahlen. Von der Gesamtsumme ist mehr als die Hälfte an die Praxen der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte geflossen, wie eine Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der PKV zeigt.












